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Hier kommt die Maus

Kindermode kann manchmal ganz schön kitschig sein oder einfach nur praktisch. Die Luxemburgerin Modedesignerin Sophie Dewalque schwimmt gegen den Storm und hat ein eigenes Label kreiert, das für raffinierte Kinderkleidung steht.

Fotos: Tania Feller, François Aussems/beide Editpress, privat

Wir alle haben unsere persönlichen Träume. Es gibt realisierbare Träume, Träume, die Hoffnung spenden, Tagträume, die schnell wieder vergessen werden und noch jene, die auf die Hilfe von Mitmenschen angewiesen sind. Sophie Dewalque hat sich ihren eigenen Lebenstraum schon erfüllt.

„Als mein Vater plötzlich schwer erkrankte, kam ich von Paris zurück ins Großherzogtum. Aus Zeitvertreib habe ich abends angefangen, Sachen zu nähen“, verrät die Luxemburgerin mit belgischen Wurzeln. Ihre Freunde seien von ihren Kreationen begeistert gewesen. Die Nachfrage sei rasant gestiegen.

Egal, ob Rock, Kissen oder Kuscheltier: eine kleine Maus ist auf all ihren Entwürfen zu finden – mal gedruckt, mal gefilzt.

Und plötzlich ist die Idee geboren, ein eigenes Label für Kindermode und Accessoires zu gründen und selbst Kollektionen für Kinder von zwei bis zehn Jahren zu entwerfen. Ausgestattet mit einer einzigen Nähmaschine und jede Menge Stoffresten, die noch aus Praktikumszeiten bei bekannten Modehäusern in der französischen Metropole stammen. Gearbeitet wird heute im eigenen Atelier, das in ihrem Wohnhaus in Düdelingen integriert ist. Bislang (noch) ganz allein, ohne Angestellte. Nur ihre Mutter helfe regelmäßig beim Zuschneiden der Stoffe. „Sie ist ausgebildete Köchin und hat etwas Respekt vor der Nähmaschine“, schmunzelt die junge Kreative. Sophi(e)stication (dt.: Perfektion, Raffinesse) hat sie ihre Marke genannt. Eine Wortschöpfung, die sie beim Durchforsten des Lexikons in Verbindung mit ihren Vornamen ausgewählt hat.

Doch warum gerade Kinderkleidung? „Hierzulande gibt es in dem Bereich kaum Konkurrenz. Außerdem bin ich in meinen Entwürfen viel freier. Würde ich Damenmode kreieren, könnte ich das nie so machen“, berichtet die 32-Jährige, die vor zweieinhalb Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die neue Herbst- und Winterkollektion auf Hochtouren. Insgesamt acht komplette Kinderlooks hat Sophie Dewalque in den letzten Monaten entworfen. Ein großer Arbeitsaufwand. Vor allem, weil die Kleidermacherin täglich von 8 bis 14 Uhr noch als Aufsicht im „Lycée de Garçons“ jobbt, regelmäßig Nähkurse für Kinder und Erwachsene im Kulturhaus Niederanven anbietet und meist erst abends zu Nadel und Faden greift.

„Bislang kann ich noch nicht von meinen Kreationen leben. Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert“, gibt sich die Firmengründerin optimistisch. Erhältlich sind ihre Kinder-Entwürfe und Accessoires auf Kreativmärkten, auf Bestellung per E-Mail oder über Facebook. Der nächste Schritt sei ein eigener Onlineauftritt, doch der sei bisher finanziell und zeitlich noch nicht machbar gewesen. Einen prominenten Fan besitzt das Label von Sophie Dewalque übrigens auch schon: Prinzessin Claire hat auf dem letzten „Marché de Créateurs“ einen Rock mit Dschungelprint für ihre kleine Tochter Amalia erworben.

Wer der jungen Modedesignerin in ihrem Atelier zuhört, der fühlt sich hin und wieder in eine ferne Zeit versetzt. In eine Zeit, in der es das schicke Sonntagskleid noch gab. Einige Kleider, Röcke, Blusen und T-Shirts hängen hier im Zimmer. Schlicht und bequem sind alle ihre Schnitte und sie besitzen das gewisse Extra. „Meine Kinderkleidung sind extravagante Entwürfe mit französischem Touch. Was die Farben angeht, bevorzuge ich eigentlich Pastelltöne. Nur diesen Sommer sind die Farben greller gewesen. Eine Hommage an meinen Indien-Urlaub“, lacht sie. Pro Größe gibt es immer nur ein Exemplar. Nachbestellungen sind machbar. Die Wahl der Stoffe, berichtet Sophie Dewalque, sei ihr wichtig. Was gut ist, ist aber auch teurer. So kostet ein Kleid zwischen 45 und 145 Euro, ein Rock zwischen 32 und 76 Euro. Die Jungdesignerin arbeitet überwiegend mit natürlichen, pflegeleichten Stoffen wie Baumwolle, Viskose und Seide.

Angefangen hat ihre Leidenschaft für schöne Stoffe und Kleidung schon als kleines Kind. „Das Nähen liegt mir im Blut. Schon meine Omas waren beide Näherinnen. Mit fünf Jahren habe ich daheim mit unseren Gardinen gespielt und versucht, daraus neue Kreationen zu basteln“, erinnert sich die Modemacherin und schmunzelt. Nach dem Abitur am „Lycée technique des Arts et Métiers“ zieht es Sophie Dewalque 2008 nach Metz, um Kunst zu studieren. „Nach zwei Jahren habe ich mein Studium aber abgebrochen. Es hat mir nicht gefallen. Und Kunstlehrerin zu werden, war nie eine Option für mich.“

„Bislang kann ich noch nicht von meinen Kreationen leben. Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert.“ Sophie Dewalque, Modedesignerin

Weil sie zudem ein Faible für schöne Dekoration besitzt, beschließt die Luxemburgerin anschließend an der Pariser Privatschule „L‘Institut Supérieur des Arts et Applique“ (LISAA) Innenarchitektur zu studieren. Die damalige Direktorin habe sie allerdings nicht in dieser Fachrichtung gesehen, sondern viel eher im Modebereich. „Anfangs habe mich dagegen gesträubt. Aber als ich im Laufe des Studiums die vielen Möglichkeiten entdeckte, habe ich mich doch für die Bereiche Modedesign und ‚Stylisme‘ entschieden “, so die Designerin, die drei Jahre später ihren Abschluss macht. Unbezahlte Praktika bei verschiedenen Modehäusern in Paris folgen. „Danach habe ich drei Jahre als Designerin beim Kindermode-Label ‚Lamantine‘ gearbeitet – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Mit meinen Sprachkenntnissen habe sich sogar allein die Märkte in Asien und den USA betreut.“ Der Termindruck und die langen Arbeitszeiten wegen der Zeitverschiebung seien ihr irgendwann aber über den Kopf gestiegen. Deshalb habe sie einen Schlussstrich gezogen und gekündigt.

Pläne für die Zukunft hat die blonde Modedesignerin dagegen jede Menge. So will sie nächstes Jahr Nähkurse für Senioren anbieten und ein Buch über „D‘ Maus Ketty“ mit von ihr kreierten Stoffelementen herausgeben. Apropos Maus: Egal, ob Rock, Kissen, Kuscheltier oder Kette: eine kleine Maus ist auf all ihren Entwürfen zu finden – mal gedruckt, mal gefilzt. Wie es dazu kam? „Meine erste Kollektion stand unter dem Motto ‚Cinderella‘. Als passende Dekoration hatte ich kleine Mäuse angefertigt. Anschließend waren alle von meinen Nagetieren derart begeistert, so dass ich 300 Stück verkauft habe.“

www.facebook.com/sophiesticationbydewalque,
Infos zu Nähkursen im Kulturhaus: www.khn.lu/de/1/eid,2552/sophie-dewalque-cours-de-couture.html

Author: Martine Decker

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