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Hinter den Kulissen

Vor der Studiotür brennt ein rotes Licht. Das Zeichen, dass Dreharbeiten im Gange sind. In dem 1000 Quadratmeter großen Filmstudio in Kehlen werden gerade die zwölf Folgen der luxemburgischen Sitcom „Zëmmer ze verlounen“ gedreht.

Fotos: Anne Lommel

Es ist strenge Ruhe angesagt. Regisseurin Nadia Masri wirft einen letzten Blick auf den Kontrollmonitor während sich auf dem Set das Produktionsteam um die letzten Kamera- und Toneinstellungen kümmert. Auch Hauptdarsteller Tommy Schlesser ist konzentriert und hört mit großer Aufmerksamkeit auf die letzten Anweisungen der Regisseurin.

„Für eine Szene brauchen wir im Durchschnitt eine bis eineinhalb Stunden. Es geht alles relativ schnell. Eine 26minütige Folge wird in nur drei Tagen gedreht“, erklärt der Schauspieler. In „Zëmmer ze verlounen“ spielt er die Rolle von Max. Ein Schauspieler, der von seiner Frau verlassen wurde und nun die Miete seiner Wohnung nicht mehr zahlen kann. Deshalb ist er auf der Suche nach einem Mitbewohners. „Es läuft aber nie wie geplant. Bei Max geht immer etwas schief“, verrät Tommy Schlesser. Gemeinsam haben Tommy Schlesser und Max ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. Das ist aber alles. „Die Rolle ist sehr vielfältig. Ich kann mehrere Rollen in einer Rolle spielen, weil Max ja Schauspieler ist. Das finde ich sehr interessant, und es bringt mir auch persönlich sehr viel.“
Auch wenn man annehmen könnte, die Rolle sei extra für den jungen Schauspieler geschrieben worden, war dem eigentlich ganz anders, wie Regisseur Marco Serafini erklärt. „Die Idee für dieses Projekt hatte ich vor einigen Jahren, als ich in München meine eigene Firma hatte. Die hat allerdings nicht überlebt und das Projekt landete, bis vor kurzem, in einer Schublade.“ Wenn Ihnen der Name des luxemburgischen Film- und Fernsehregisseurs nicht bekannt ist, sind die Serien für die er in Deutschland Regie führte Ihnen sicher nicht unbekannt: Kommissar Rex, Küstenwache, Polizeiruf 110, Rosamunde Pilcher oder noch Im Namen des Gesetzes. Die Liste ist lang. Als Regisseur von über 150 Fernsehfilmen hat Serafini sich in Deutschland und Italien einen Namen gemacht. Kein Wunder, dass er mit seinem Projekt sowohl den Film Fund als auch RTL für sich gewinnen konnte. In nur 37 Tagen sollen die zwölf Folgen in der Kiste sein. Das Ganze unter seiner Aufsicht.

„Es ist schon intensiv“, verrät Tommy Schlesser mit einem Grinsen im Gesicht. „Um halb acht komme ich morgens im Studio an. Wir machen dann eine kleine Probe und gegen neun geht es in die Maske. Und dann wird gedreht bis abends halb acht. Wenn ich dann zu Hause bin, muss ich noch meinen Text für den nächsten Tag lernen.“

Bei „Zëmmer ze verlounen“ spielt sich alles in derselben Kulisse ab. Wie im Ausland kommen auch hier drei Kameras zum Einsatz. Übrigens ist nur ein Tag für die Außenaufnahmen geplant. Außendrehs gibt es sowieso bei derartigen Produktionen nur selten. Sitcoms sind fast so alt wie die Fernsehgeschichte. Die ersten stammen aus den 40er Jahren und entstanden in den USA. Das Format eines Sitcom, auch genannt Situationskomödie, ist weltweit dasselbe: Es werden größtenteils Alltagsthemen behandelt die uns zum Lachen bringen sollen. Für große Action ist in Sitcoms kein Platz. Humorvolle Dialoge und liebenswerte Hauptfiguren, die sich meistens in einer und derselben Kulisse aufhalten, sind das Geheimrezept. „Bei ‚Zëmmer ze verlounen’ werden auch Lacher eingefügt“, weiß Tommy Schlesser. Vor allem aber ist die Sitcom, im Allgemeinen, ein Serienformat ohne große Produktionskosten. „Der industrielle Standard liegt im Ausland bei einer Folge pro Tag“, erklärt Marco Serafini. „Wir haben allerdings ein kleineres Budget zur Verfügung. Das heißt weniger Personal. Es ist uns also nicht möglich schneller zu drehen.“

Starallüren hat hier niemand. Tommy Schlesser zeigt sich besonders fleißig. Mit großer Exaktheit spielt er seine Szene. Der Text sitzt und sogar kleine Versprecher gibt es nicht. Von Lampenfieber keine Spur. Der „Luxemburger Leckerli“, wie die „Bild“ 2015 titelte, kennt sich im Bereich der Sitcoms ja bestens aus. 2012 gelang dem heute 28-jährigen Schauspieler der große Durchbruch in der luxemburgischen Sitcom „Comeback“. 2015 gab es dann eine Gastrolle in „Gute Zeiten, Schechte Zeiten“. „Bei GZSZ musste ich eigentlich nur ein bisschen lächeln. Es war keine große schauspielerische Leistung.“ meint Tommy. „Ich bin dankbar, dass ich die Rolle bekam, auch wenn es nur eine Gastrolle für ein paar Folgen war.“

Abgestempelt als Soap-Schauspieler ist Tommy Schlesser aber sicherlich nicht. Im Gegenteil, er verblüfft durch seine Vielfalt. 2016 zeigt er im Kurzfilm „Long Lost“ eine ganz andere Fassette seines Könnens. Hier beweist er in der Rolle eines Obdachlosen, dass er nicht nur witzige Rollen spielen kann. Und genau dieser Film war beim Casting von „Zëmmer ze verlounen“ für ihn ausschlaggebend. „Wir haben viele Schauspieler zum Casting geladen“, verrät Regisseur Serafini. „Und ich war anfangs nicht mit Tommy Schlessers Leistung beim Casting zufrieden. Erst als ich ihn im Film Long Lost sah, wurde mir klar, dass dieser Junge eigentlich viel mehr kann als das was ich beim Casting gesehen hatte. Und ich habe mich nicht getäuscht.“

In den nächsten Tagen werden die Dreharbeiten der neuen Sitcom beendet sein. Allerdings müssen die Zuschauer sich noch ein bisschen geduldigen. Ausgestrahlt wird „Zëmmer ze verlounen“ erst im kommenden Herbst.

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: alommel

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