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Hobbyretter auf vier Pfoten

Einsätze im Ernstfall kennen sie nicht. Wasserrettung ist für die Hunde der W.H.E.L (Wasser Hënn Esch-Sauer Lëtzebuerg) reiner Sport. Trotzdem werden sie wie Profis ausgebildet.

Ein Schrei durchbricht die sonst so übliche Stille am „Staudamm 4“ am Heiderscheidergrund in Esch-Sauer. Inmitten des Wassers wedelt ein Mann panisch mit den Armen und seine Hilfeschreie werden immer intensiver. Es besteht kein Zweifel. Hier droht jemand zu ertrinken. Doch in der Ferne erscheint ein Motorrettungsboot und noch ehe es den Ertrinkenden erreicht, wirft jemand einen Rettungsring ins Wasser. In hohem Bogen springt die sechsjährige Landseer-Hündin Caisa über Bord. Die kräftige Vierbeinerin schwimmt zielsicher auf den Rettungsring zu, schnappt sich mit dem Maul das dranhängende Seil und zieht ihn in Richtung des Opfers.

„Ein Hund dieser Rasse kann problemlos bis zu eineinhalb Tonnen ans Ufer ziehen.“ Romain Remacle Präsident der W.H.E.L (Wasser Hënn Esch-Sauer Lëtzebuerg)

Vom Boot aus ruft ihr Besitzer ihr Befehle zu, denen die kräftige Hündin aufs Wort folgt, ohne sich von den Schreien und den panischen Bewegungen des Mannes ablenken zu lassen. Erst als sich der Mann fest an den Ring klammert, zieht die Retterin auf vier Pfoten beide bis zum Schlauchboot. Die Rettung wurde mit Erfolg durchgeführt. Die Szene, die sich gerade vor meinen Augen abgespielt hat, ist allerdings nur eine Trainingsübung gewesen. Gelassen schüttelt sich Caisa kräftig und spritzt ihren stolzen Besitzer nass.

„Unsere Hunde trainieren nach dem gleichen Programm wie Profihunderetter“, betont Romain Remacle, Präsident der W.H.E.L. „Gearbeitet wird nach einem Programm der F.C.I. (Fédération Cynologique Internationale). Wir sind aber keine Rettungsschwimmer und auch keine Sanitäter. Es handelt sich hier um eine Sportart.“

Die Landseer-Hündin und ihre Vierbeinerkollegen haben wesentlich Spaß an der Wasserarbeit, auch wenn sie keine „richtigen“ Lebensretter sind. Trotzdem wird jede Woche hart trainiert. Landseer, so wie auch Neufundländer und Labradore sind Wasserhunde, die dank ihrer Schwimmhäute, die sich zwischen ihren „Zehen“ befinden, ganz besonders gute Schwimmer sind.

In der Rolle des Rettungsschwimmers ist der Landseer der perfekte Kandidat, denn er bewegt sich im Wasser genauso geschwind fort wie auf dem Lande. Zusätzlich ist er ausgesprochen kräftig und verfügt über eine große Ausdauer. „Ein Hund dieser Rasse kann problemlos bis zu eineinhalb Tonnen bis ans Ufer ziehen“, verrät Romain Remacle.

Muskulatur und Ausdauer sind zur optimalen Durchführung der verschiedenen Übungen absolut notwendig. Wie bei einem Hochleistungssportler sind beide Elemente ein Garant für ein erfolgreiches Rettungstraining. „Das Ausdauerschwimmen gehört zur Basis“, erklärt Romain. „Die Länge liegt zwischen 200 und 600 Metern bei kleineren Hunden. Sie kann aber bei größeren Rassen bei einem Kilometer liegen. Erst dann werden die ersten Arbeitsübungen durchgeführt.“

„Die Mindestzeit, um solch perfektionierte Übungen zu beherrschen, liegt bei ungefähr drei Jahren.“ Romain Remacle Präsident der W.H.E.L (Wasser Hënn Esch-Sauer Lëtzebuerg)

Vor allem aber handelt es sich hier um einen Teamsport. Der Hund und sein Besitzer müssen sich aufeinander verlassen können. Ihre Beziehung ist der Grundstein dieser Sportart. Der Vierbeiner muss die Befehle gehorsam befolgen. Zusätzlich schwierig ist die Trainingsmethode, die sich leicht von der Vorgehensweise der professionellen Rettungseinheiten unterscheidet.

„In einer realen Situation schwimmt der Hund immer in Begleitung des Retters, damit dieser den Ertrinkenden stabilisieren kann. In einer Paniksituation könnte dieser nämlich eine Gefahr für den Vierbeiner darstellen“, erklärt Romain Remacle. Da solche Ereignisse während eines Trainings nicht vorkommen, hat man es der fleißigen Caisa ein bisschen schwieriger gemacht. „Die Hunde werden aus mehreren Metern Distanz geleitet, zum Beispiel vom Ufer aus oder von einem Boot. Das ist eine richtige Herausforderung, aber das ist es auch, was diese Sportart so interessant macht.“

Ein riesiges Platschen zerreißt erneut die sonst so erholsame Stille des Ortes. Landseer-Hündin Caisa ist erneut im Einsatz. Einige Meter vom Ufer entfernt treibt ein hilfloser Mann auf seinem Schlauchboot. Während dieser Übung wird die Hündin ihre Kraft, ihre Ausdauer und ihre Gehorsamkeit unter Beweis stellen. Ihr Besitzer befindet sich einige Meter entfernt auf einem Motorboot und gibt ihr von dort aus die nötigen Befehle. Das Ziel ist es, das verschollene Schiffchen mit seinem Insassen bis zu ihm zu schleppen. Fleißig paddelt Caisa mit ihrer schweren Ladung durch die Sauer. Ihre Energie scheint unerschöpflich zu sein. Doch, um es bis auf dieses Niveau zu schaffen, ist ein langes, regelmäßiges Training das einzige Erfolgsrezept.

„Die Mindestzeit, um solch perfektionierte Übungen zu beherrschen, liegt bei ungefähr drei Jahren“, verrät Romain. „Wir trainieren sechs Monate im Jahr, einmal die Woche. Die Regelmäßigkeit des Trainings ist sehr wichtig. Damit es für die Hunde nicht zu eintönig wird, trainieren wir auch mehrmals im Ausland und sogar im Meer in der Normandie.“

Die Mitglieder der W.H.E.L nehmen auch regelmäßig an Wettbewerben im Ausland teil. Sind Sie neugierig geworden? Am 28. und 29. September können Sie als Zuschauer gerne an einem Wettbewerb im Hundewassersport, mit internationaler Beteiligung, in Esch-Sauer (Camping „Im Aal“) teilnehmen. 

Fotos: Philippe Reuter

Weitere Informationen finden Sie unter www.whel.net

Kann jede Hunderasse am Rettungstraining teilnehmen?
„Grundsätzlich ist die Antwort ja“, meint Romain Remacle Präsident der W.H.E.L (Wasser Hënn Esch-Sauer Lëtzebuerg). „Alle Hunde können schwimmen, allerdings sind nicht alle für ein solches Training geeignet. Wasserhunde haben da schon einen Vorteil. Trotzdem kann sich jeder bei uns melden. Zusammen können wir dann feststellen, ob der Vierbeiner genug Kraft und Ausdauer vorweisen kann. Dies gilt natürlich nur für Hundebesitzer, die Wasser nicht scheuen und schwimmen können.“

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Martine Decker

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