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Hochgenuss auf dem Vintage-Boot

Es ist kein Restaurant und auch keine Bar. Trotzdem ist es eine pure Gaumenfreude. Entlang der Mosel steht ein Boot, das zu einer einmaligen Verkostung regionaler Produkte und Getränke einlädt.

Es ist ein idyllischer Ort entlang der Mosel, der nicht nur traumhafte Ausblicke und einen köstlichen Wein bietet. Es ist auch ein Teil der europäischen Geschichte, als Symbol für die Öffnung der Grenzen in der Europäischen Union. Im Dreiländereck, um genauer zu sein, in Schengen, nur wenige Schritte vom „Centre Européen“, neben dem Sternenplatz der an die Unterzeichnung des Schengener Abkommen 1985 erinnert, hat auf Höhe der Moselbrücke ein kleines Boot den Anker ausgeworfen. Das Wasserfahrzeug hat einen gewissen Charme, der besonders einladend wirkt. Vielleicht, weil man sofort das Gefühl bekommt, dass dieses Schiff schon mehrere Flüsse und vielleicht sogar mehrere Meere befahren hat. Es ist aber kein Seemann, der uns willkommen heißt, sondern Mounir Hamadi, der Gastgeber, dieser gut erhaltenen „Péniche VINtage“, die ganz den ländlichen Produkten gewidmet ist. Die Mosel wird nicht umsonst als Fluss der Genießer bezeichnet. Der Beweis steht vor uns, entlang des Ufers. Aus dem Innern klingt Jazzmusik. Bereits der erste Schritt an Bord sorgt für weitere, völlig unerwartete Überraschungen. Das Mobiliar im Bootsinneren ist ein Fest für die Augen. Die Deko ist ganz im Vintage-Stil, mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten aus dem Vorderteil eines Autos hergestellt oder Hocker die aus einer Vespa ohne Lenker angefertigt wurden, ein „Rocking Chair“, Clubsessel und natürlich Weinfässer die als Tische dienen.„Bei der Dekoration kann es sich um eine Serienfertigung handeln die ausläuft, Möbel von kleinen Handwerkern oder Flohmärkten“, verrät Mounir. „Es wird regelrecht nach dem passenden Mobiliar gestöbert. Und das Außergewöhnliche an unserem Konzept ist, dass die Kunden die Möbel sogar kaufen können. Es wird sich für ein Möbelstück begeistert, es wird gefeilscht und um den Preis verhandelt. Das gibt dem Ganzen eine einmalige und menschliche Dimension.“

„Wir möchten unseren Gästen Produkte anbieten, die in Luxemburg hergestellt werden und die vielleicht nicht in jedermanns Reichweite sind.“ Mounir Hamada „La Péniche VINtage“

Mit Stil zusammengewürfelt, verpasst das Retro-Mobiliar dem Innenraum, dem Wintergarten der sich am Heck befindet und der Terrasse, ein ganz besonderes Ambiente, das regelrecht dazu einlädt sich zu entspannen und sich wie zu Hause zu fühlen. Und dieser Blick auf die Mosel, ist natürlich das i-Tüpfelchen, das Urlaubsgefühle weckt. Der Tapetenwechsel ist hier hundertprozentig garantiert. „Dieses Schiff stammt aus dem Jahr 1963 und das macht seinen Charme aus. Das ist unbestreitbar.“ Mounir ist nicht der Besitzer dieses atypischen Bootes, aber er könnte es genauso gut sein. Auf jeden Fall gibt er das Gefühl, dass er sein ganzes Herz und seine ganze Energie in diesen Kahn der besonderen Art steckt. Ich könnte ihm stundenlang zuhören. Da ist diese unbeschreibliche Leidenschaft, die ihn antreibt, dieser Wunsch, sein Wissen zu teilen und die Liebe zu den Produkten, die er zur Verkostung anbietet. Beim Namen „La Péniche VINtage“ handelt es sich um ein Wortspiel zwischen Vin (Wein) und Vintage. Eine Idee von Dany Kieffer, dem Geschäftsführer von „Navitours“, die am 10. Juli zum allerersten Mal hierzulande ins Leben gerufen wurde. „Das erste Tasting Boot in Europa“ heißt es sogar auf der Internetseite der Firma. Nachweisen kann man das nur schwer. Eines steht auf jeden Fall fest, auf diesem Boot, das am Moselufer langsam vor sich hin schaukelt, sollen den Besuchern schöne Momente des Genießens angeboten werden.

„Wir möchten unseren Gästen Produkte anbieten, die in Luxemburg hergestellt werden und die vielleicht nicht in jedermanns Reichweite sind“, erklärt Mounir Hamadi. „Das mag ein wenig lokalpatriotisch klingen, aber wir sind eher im Bereich der Entdeckung. Es ist interessant festzustellen, wie die Luxemburger Produkte aus ihrer Heimat entdecken, die sie zuvor nicht kannten.“ 110 Produkte gibt es zu erkunden und zu kosten. Die Mehrheit stammt aus unserem schönen Ländchen. Die andern kommen aus dem Dreiländereck, aus den Regionen Lothringen, Saarland und Rheinland-Pfalz. „Wie bieten eine Auswahl von 27 Weinen, 19 Bieren, Whiskys, Gins, Likören, Schnäpsen, luxemburgischen Kaffees und sogar eine luxemburgische Cola“, zählt Mounir ganz stolz auf. „Zusätzlich gibt es eine Platte mit Fleischwaren und Käse wie zum Beispiel Wurst und Pastete vom Strauß, Rieslingspaschtéit und ein geräuchertes Schweinefilet. Dazu gibt es luxemburgischen Honig, Weinfruchtmarmelade und Bauernbrot.“

Ein Besuch auf der „Péniche VINtage“ hat schon einen ganz besonderen Aspekt, denn wie schon erwähnt, handelt es sich hier weder um ein Restaurant noch um eine Bar. Es ist ein Moment der Entdeckung und des Genießens. „Wir sind mehr als Begleiter als in der Rolle des Kellners tätig“, möchte Mounir Hamadi klarstellen. „Wir teilen unser Wissen mit den Kunden, und sie sagen uns ihre Meinung zu dem, was sie gerade gekostet haben. Es ist ein richtiger Austausch.“ Ein Austausch, der sicher viele gustatorische und olfaktorische Entdeckungen verspricht. Eine Stunde „Tasting“ kostet 25 Euro. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in unseren Augen total korrekt, im Vergleich zu der Vielfalt an Produkten, die den Gästen angeboten werden. Hier kommen neugierige Feinschmecker sich auf ihre Kosten.

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Fotos: Leslie Schmit

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Author: Martine Decker

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