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Hoot, hoot!

Lokale Konkurrenz hat Vivien Muller keine. Dennoch hütet sich der „Ulo“-Erfinder davor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Fotos: Philippe Reuter

Ob „Logitech“-, „Hama“- oder No-Name-Produkte – weltweit stehen die gleichen Geräte in den Schaufenstern und Online-Shops der Elektronikfachmärkte. Stammen sie nicht vom selben Hersteller, dann wenigstens aus demselben Werk in China. „Ein paar wenige dominieren den Markt“, weiß Vivien Muller. Der 33-Jährige ist Industriedesigner. 2015 stellte er sein erstes Produkt über die amerikanische Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ im Netz vor. Die Kampagne um „Ulo“, eine smarte Sicherheitskamera im Eulen-Design, war ein Erfolg. Mit dem Geld, das Muller über das Portal sammelte, gründete er sein Start-up „Mu Design“ auf Belval.

Seither dreht sich das Unternehmen um „Ulo“ und dessen Optimierung. Die Überwachungskamera so lokal wie möglich zu produzieren, war Muller dabei wichtig. „Ich wollte Luxemburg als Zentrum nutzen.“ Anderthalb Jahre wurde an der ersten Version der Software getüftelt. Anfangs kümmerte sich eine Firma in Frankreich darum, mittlerweile wird das inhouse getan. „Das Programmieren ist sehr zeitintensiv. Eine Software ist nie fertig. Es gibt immer etwas, dass man noch verbessern könnte.“ Parallel zum Programmieren lief die Gestaltung. Einen lokalen Hardware-Hersteller ausfindig zu machen, stellte sich allerdings als Ding der Unmöglichkeit heraus, da es in Luxemburg keine – und selbst in Europa nur wenige – entsprechende Werke gibt. Dass seine Sicherheitskamera in Indien produziert wird, verschleiert der Franzose nicht.

Was „Ulo“ ausmacht, sind vor allem seine großen Augen. Die zwei runden Displays sind eine Sonderanfertigung. Sechs Monate war Muller auf der Suche nach den passenden Bildschirmen. Die Mechanik, die dahintersteckt, basiert auf dem Betriebssystem Android. Die kleine Eule, der nichts zu entgehen scheint, lässt ihre Augen von links nach rechts schweifen, blinzelt, rollt sie nach oben oder lässt sie erstrahlen. Streichelt man ihren Kopf, kneift sie sie liebevoll zusammen. Die Inspiration, eine smarte Überwachungskamera in Tieroptik zu kreieren, kam dem Produktdesigner im Urlaub. Als er durch die Gassen von Dijon schlenderte, wurde er auf eine Skulptur an einer Fassade aufmerksam: Es war eine Eule. Die „Chouette“ an der Notre-Dame-Kirche gilt als Wahrzeichen der Stadt. Berührt man sie mit der linken Hand, erfüllt sie einem einen Wunsch, heißt es einer Legende zufolge.

„Technologie hat eine unpersönliche, kalte Seite. ‚Ulo‘ dagegen ist niedlich.“
Vivien Muller

Muller jedenfalls hatte Glück. Seine Version einer wachenden Eule wurde bis dato 12.500 Mal verkauft. Derzeit ist sie ausverkauft. Warum kommt das Modell so gut an? Der 33-Jährige erklärt es vor allem durch das Design. „Technologie hat eine unpersönliche, kalte Seite. ‚Ulo‘ dagegen ist niedlich und interagiert mit seinen Besitzern.“ Durch die optische Nähe zu einem Dekorationsobjekt lasse es sich besser in ein Zuhause integrieren. Die Eule als Baby-Cam an eine Wand im Kinderzimmer zu hängen, sei weniger befremdlich, als eine typische Überwachungskamera dort zu montieren, ist der Unternehmer überzeugt. Wann sie aufnimmt und wann nicht, lässt sich über eine App auf dem Smartphone bestimmen. Die Aufnahmen werden im Prinzip nicht aufgezeichnet. Außer man entscheidet sich bewusst dazu und speichert sie in einer Cloud oder auf einer SD-Karte ab.

Mit der Gestaltung hat der Industriedesigner ins Schwarze getroffen, denn wer in die lebhaften Kulleraugen blickt, vergisst schnell, was die eigentliche Funktion des Geräts ist. Unter „gefühlsbetonter Technologie“ fasst Muller das Konzept zusammen. Vor „Ulo“ arbeitete er privat an ein paar anderen Ideen, die demselben Bereich zuzuschreiben sind. „Watch me“ hieß eine interaktive Ablage für die „Apple Watch“, „Bearbot“ eine universale Fernbedienung. Durch Crowdfunding schaffte es der junge Gründer jedoch nicht, sie finanzieren zu lassen. Aus den Kampagnen zieht er seine Lehre: „‚Watch me‘ ist nicht Realität geworden, weil die „Apple Watch“ als Produkt floppte. Das Konzept hinter dem ‚Bearbot‘ war etwas zu kompliziert für ein breites Publikum.“ Die Zeit, die Muller in beides investierte, betrachtet er nicht als verloren, im Gegenteil. Er weiß das bereits Erarbeitete für künftige Projekte anzupassen und zu nutzen.

Als Geschäftsführer von „Mu Design“ hat Muller mehrere Eisen im Feuer. An einem zweiten Gerät scheint bereits auf Hochtouren gearbeitet zu werden. Auf der Online-Plattform „Seedrs“ lancierte er kürzlich eine Kampagne, mit der man das Projekt finanziell unterstützen und so Aktionär des Start-ups werden kann. „Wir brauchen Investoren, um unsere Flügel auszubreiten.“ Muller möchte sein Business nicht auf dem Erfolg einer einzigen Erfindung stützen. Durch die Einführung eines weiteren Produkts erhofft er sich einen „Boost“. „Obwohl es viel Bewegung und etliche Inkubatoren in der luxemburgischen Szene gibt, ist es nicht leicht, langfristig als Start-up zu funktionieren“, offenbart er. Am Anfang werde man durch verschiedene Förderprogramme wie „Fit 4 Start“ gepusht. Schwierig werde es erst danach.

Françoise Stoll

Journalistin

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

Author: Martine Decker

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