Home » Home » Humor a Wourécht

Humor a Wourécht

„Wenn man in einem Text das, was man beobachtet, egal ob Menschen, Land oder Situation, so beschreibt wie es ist, wird er so oder so witzig, ironisch oder einfach nur wahr.“ Tommek und Tun Tonnar stellen eine neue Facette der sich rapide entwickelnden luxemburgischen Musikszene vor.

Text: Misch Pautsch / Fotos: Sam Flammang / Albumcover-Design: Fernando Neves

„Wieso Rap?“ Tom Mersch, besser bekannt unter seinem Künstler- und Spitznamen Tommek, stutzt. „Ich habe mir, ehrlich gesagt, nie wirklich Gedanken über diese Frage gemacht. Es war einfach selbstverständlich. Mit 11 Jahren habe ich angefangen, was man wohl Gedichte nennen würde, zu schreiben. Am Anfang waren das nur Worte, die sich gereimt haben. Später habe ich dann versucht, verschiedene Rapper zu imitieren, von den Großen zu lernen. Mittlerweile habe ich mir meinen eigenen Stil erarbeitet und versuche, mich immer weiter zu entwickeln.“ Durch seinen Fokus auf die Stimme und vor allem durch die Texte eignet sich Rap mehr als alle anderen Musikrichtungen, Ideen zu übermitteln. „Die Stimme verschwindet nämlich nicht hinter den Instrumenten. Der Beat läuft zwar im Hintergrund, aber im Zentrum, also im Vordergrund, steht der Text mit seiner Aussage.

Und diese Texte pendeln, wie der Name des ersten Albums ankündigt, „Tëschent Humor a Wourécht“. Zwischen „#yoloeffekt“ (feat. Tun Tonnar) und „Ma so!“ scheut der junge Rapper nicht davor zurück, Altes sowie Neues musikalisch bloß zu stellen und Trends zu hinterfragen, ohne dabei zu vergessen, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen. Zudem werden seine Songs immer öfter von Musikvideos begleitet. Und auch wenn Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram oder YouTube gerne im Brennpunkt von Tommeks Kritik stehen, bieten sie unumgängliche Wege zur Verbreitung neuer Songs und Videos. Trotzdem „ist ein ermutigendes Wort von einem Fan auf einem Konzert mehr wert als jeder Like irgendwo online“.

Es mangelt dem Rapper nicht an Inspiration.

Tommek-album-cover-2400x2400Die Musikszene in Luxemburg wächst, qualitativ und quantitativ. Immer mehr lokale Bands veröffentlichen neue Alben in allen Musikrichtungen, nicht nur „made in Luxembourg“, sondern vor allem „made in luxemburgish“. Eine Entwicklung, die Tommek nicht überrascht. Im Gegenteil: „Ich habe nie wirklich verstanden, wieso dieser Trend überhaupt in Frage gestellt wird. Man würde auch keinen Amerikaner fragen, wieso er auf Englisch singt, oder warum ein Deutscher seine Texte in seiner Muttersprache verfasst. Man kennt sich in der Sprache, mit der man aufgewachsen ist, schließlich am besten aus. Man hat den Wortschatz. Wortwitz entsteht fast von allein. Es ist direkter, manchmal härter, zudem näher an den Menschen. Auch wird man sofort als Luxemburger erkannt.“ Tun Tonnar stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die Musik vor allem deswegen aus der internationalen Masse heraussticht und die Konkurrenz mit dieser gar nicht erst sucht.

Tun, der neben Georges Leuck und John Wolter als Beatmaker im ersten Album von Tommek mitwirkt und einige Gastauftritte verbucht, beschreibt Luxemburgs Musiklandschaft als eine „Szene mit Potential“. Tommek stimmt zu: „Viele Leute scheinen zu glauben, dass luxemburgische Musik eine Seltenheit sei. Wenn man die Ohren ein bisschen spitzt, merkt man jedoch, dass das so nicht stimmt, es gibt jetzt schon viel zu entdecken. Man macht sich natürlich Gedanken darüber, wie man sich weiterentwickeln kann, und so langsam entwickelt sich auch ein Fundament, auf das man aufbauen kann. Was ich in Zukunft plane, ist eine engere Zusammenarbeit mit der Live-Band. Diese Kooperation hat sich über die letzten Monate und Jahre bewährt, wir sind mit den Resultaten jedenfalls sehr zufrieden.“

Es mangelt dem Rapper, der vor zwei Jahren mit „Mlimli & eng Mötsch“ seine erste Single veröffentlichte, nicht an Inspiration. Sein häufig aktualisiertes Facebook-Profil lässt erahnen, dass in näherer Zukunft etwas Neues kommt „Ich will nicht zu viel verraten, nur dass ich dabei bin, an einigen neuen Ideen zu arbeiten. Es ist noch einiges unklar und vor allem ist noch viel Arbeit zu erledigen, aber ich bin optimistisch, dass alles klappt.“ Es besteht also Hoffnung, dass die ungeschriebene Regel, zwischen zwei Alben ein Jahr lang zu warten, hier ausnahmsweise ignoriert wird.

„Ich will auf keinen Fall in Monotonie verfallen. Zwar will ich mich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, da noch einiges nicht geregelt ist, doch ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Songs, an denen ich gerade arbeite, sich deutlich von meinem ersten Album unterscheiden werden. Sie sind experimenteller und – hoffentlich – überraschend. Ich will keinen zweiten „#Yoloeffekt“ schreiben, wieso auch? Lieber sofort etwas anderes machen.“ Mehr will der junge Rapper zu seinem neuen Projekt noch nicht preisgeben. Vielleicht beim nächsten Mal. Schnell noch ein Selfie nach dem Interview gemacht und auf Facebook hochgeladen. Alles ironisch, natürlich.

Zum Vormerken: Live-Auftritt im Rahmen des „On Stéitsch“-Festivals am 03.10. in den hauptstädtischen Rotondes.

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?