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„Ich kann das alleine“

Kinder sind wissbegierig – sie lernen schnell und wollen vieles gleich selbst ausprobieren. Auch wenn es vielleicht gefährlich ist. Dass Eltern darüber nicht immer erfreut sind, ist verständlich, sie müssen sich trotzdem daran gewöhnen.

Fotos: Olyaponomarenko, Evgenyatamanenko (beide Dreamstime), Кирилл Рыжов (Fotolia)

„Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht“, heißt es so schön. Ein Spruch, der leicht zu merken ist und in vielen Situationen sicherlich seine Berechtigung hat. Doch trifft er wirklich generell zu? Oder müssen nicht auch Kinder irgendwann lernen, mit gefährlichen Alltagsgegenständen sicher umzugehen? Und bis wann ist ein Kind ein „kleines Kind“? Bis zwei oder drei Jahre, bis vier, oder doch bis ins Schulalter hinein? Ist nicht die Chance groß, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, in dem Kinder den Umgang mit Messern, Scheren und auch Streichhölzern lernen können, weil man sich immer wieder sagt, dass sie dafür noch viel zu klein sind?

Die Antwort der Gehirnforscher ist eindeutig: Lernen geschieht durch die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt. Dabei entstehen Eindrücke, Wahrnehmungen und Erfahrungen, die gespeichert werden. Je öfter dieselben oder ähnliche Eindrücke entstehen, desto fester erfolgt die Speicherung. Bis zum Alter von zehn Jahren bildet sich auf diese Weise das Gehirn aus, danach wird die vorhandene Struktur optimiert.

Bei einem dreijährigen Kind ist das Gehirn doppelt so aktiv wie das eines Erwachsenen. Und wächst dementsprechend schnell. Am Ende des dritten Lebensjahres sind im Gehirn so viele Synapsen geschaltet, wie sonst nie wieder. Bis zum Alter von etwa zehn Jahren bleibt diese Anzahl zwar konstant, danach wird sie jedoch auf die Hälfte reduziert. Doch keine Angst, das bedeutet nicht, dass wir immer dümmer werden. Aber andersherum bedeutet es sehr wohl, dass kleine Kinder bemerkenswert viel Potenzial besitzen, wenn es um das Erlernen, Behalten und Erinnern von Neuem geht.

Seine eigenen Kinder zu beschützen, ist wie ein Reflex.

dreamstime_m_31340188Dass Kinder begierig darauf sind, eigene Erfahrungen zu machen, erleben Eltern schon früh: Das ein paar Monate alte Baby will plötzlich essen, was alle essen und das natürlich auch am liebsten mit eigenem Besteck, der Eineinhalbjährige will Jacke und Schuhe alleine zumachen oder die Zweijährige den Nagel selbst in die Wand schlagen.Und beim Kochen und Backen wollen sie sowieso alle mit anpacken, auch wenn sie nicht einmal über den Küchentisch schauen können. „Ich will auch“, heißt es dann. Oder noch besser: „Ich kann das alleine.“

Zugegeben – für Eltern ist es nicht immer einfach, dabei zuzusehen: Morgens ist man schon spät dran, und die Schnürsenkel oder der Reißverschluss gehen auch beim dritten Versuch nicht zu. Da wird nach einem langen Tag die Butter fingerdick auf Brot, Teller und Tisch geschmiert, so dass statt ausruhen erst einmal putzen angesagt ist. Und bei der Aktion mit dem Hammer wird das Loch groß und größer, bis zuletzt der Nagel nicht einmal mehr halten will. Und wenn dann auch noch der Hammer aufs Parkett fällt…

Eltern sind wie Löwen, wenn es um ihre Kinder geht.

Seine eigenen Kinder zu beschützen, ist wie ein Reflex. Man kann gar nichts dagegen tun: Man passt auf, dass sie sich nicht verletzen, nimmt ihnen gefährliche Dinge aus der Hand, fährt sie sicher mit dem Auto durch die Gegend und verteidigt sie vor Angriffen. Eltern sind wie Löwen, wenn es um ihre Kinder geht. Sie wollen, dass es ihren Kindern gut geht, dass sie unbeschwert und sicher groß werden, dass ihnen nichts passiert.

Und das ist gut so. Natürlich müssen Eltern aufpassen, dass ihren Kindern nichts geschieht. Aber das kann nicht bedeuten, sie von allem fernzuhalten, was eventuell gefährlich werden könnte. Nicht nur, weil jeder Mensch sowieso irgendwann lernen muss, mit Werkzeugen, Feuer und Herd umzugehen, sondern auch, weil es für eine gesunde psychische Entwicklung wichtig ist.

Tipps für den Einkauf

Die neue Holzeisenbahn, die Plastikpuppe oder das Puzzle – mit jedem neuen Spielzeug kommen auch oft viele Schadstoffe wie Weichmacher, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder auch Schwermetalle ins Haus. Der Luxemburger Verbraucherschutz rät deshalb, schon beim Kauf an die Sicherheit und Gesundheit Ihres Kindes zu denken.
• Ist das Spielzeug stabil und solide verarbeitet?

• Gibt es ablösbare Kleinteile, die verschluckt werden könnten? – Erstickungsgefahr!

• Prüfen Sie Spielsachen auf scharfe Ecken und Kanten – Verletzungsgefahr!

• Aufklappbare, verschiebbare Teile: Kann sich das Kind einklemmen?

• Kleinteile im Inneren: Sind sie sicher verschlossen?

• Riechen: bei unangenehm stechenden oder beißenden Gerüchen, könnte vielleicht ein gefährlicher Stoff enthalten sein. Hände weg!

• Achten Sie auf nicht-entflammbare Materialien.

• Farben und Lacke: Farbecht? Speichelecht? Schweißecht?

• Lieber kein Spielzeug mit Kleinbatterien (Knopfbatterien), bei Verschlucken besteht Lebensgefahr!

• Spielzeug für Kleinkinder muss so groß sein, dass es weder verschluckt werden noch in die Atemwege gelangen kann.

• Kuscheltiere und anderes Textilspielzeug sollen waschbar sein.

• Achten Sie beim Kauf auf die Waschmaschinentauglichkeit des Produkts.

• Name und Anschrift des Herstellers bzw. des Importeurs müssen auf der Verpackung angegeben sein. Bitte aufbewahren! Die Rechnung ebenfalls.

• Altersangaben der Hersteller auf der Verpackung beachten!

• Gebrauchsanweisung lesen und auf Warnhinweise achten!

• Jedes Spielzeug muss mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet sein. Das Spielzeug mit diesem Zeichen erfüllt die Sicherheitsanforderungen der EG-Spielzeugrichtlinie.

• Auf den Prüfsiegel achten wie z.B.: „GS“, „Toxproof (als schadstoffarm eingestuft)“, „TÜV-Proof*“ oder „Spielgut“.

• Erklären oder zeigen Sie Ihrem Kind, wie es mit dem Spielzeug umgehen soll.

• Kontrollieren Sie die Spielsachen Ihres Kindes regelmäßig auf Beschädigungen, wie zum Beispiel aufgerissene Nähte oder lose Teile.

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Es stärkt das Selbstbewusstsein, Dinge, auch wenn sie vielleicht gefährlich sind, alleine zu können. Außerdem kann das Kind dadurch ein Bedürfnis befriedigen, das es ohnehin hat: sich mit einer Sache zu beschäftigen, vor der es Respekt, vielleicht sogar Angst hat. Durch die Beschäftigung lernt es, mit seiner Angst umzugehen und sie bestenfalls zu überwinden – eine wichtige Lektion fürs Leben.

Sollte man Kinder deshalb einfach machen lassen? Natürlich nicht. Besser ist die gesunde Mischung: Sein Kind unter Aufsicht zu unterstützen, selbstständig zu werden, egal, ob es manchmal etwas länger dauert oder man eigentlich meint, es sei zu gefährlich. Und ihm dann aber auch die Möglichkeit und das Vertrauen zu geben, das Gelernte alleine anzuwenden. Es ist nicht nötig, Kindern bestimmte Erfahrungen aufdrücken zu wollen. Sie merken schon von alleine, wann sie so weit sind. Aber wenn sie es dann sind, wollen sie es auch wissen.

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Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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