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„Ich lebe diesen Sport“

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Yann Hoffmann Handball. Seinem Verein, den Red Boys Differdange, ist er treu geblieben. Vorerst zumindest.

Fotos: Julien Garroy, Marcel Nickels (2) (beide Editpress), Privatarchiv

Wer Yann Hoffmann das erste Mal sieht, würde nicht auf die Idee kommen, einen der besten Handballer des Landes zu treffen. Zu lang, zu dünn, zu schlaksig. Volleyball vielleicht. Aber Handball, diesen Kontaktsport? Das spielen doch wohl eher die etwas bepackteren Jungs, die auch mal einstecken können.

Wer aber Yann Hoffmann aus dem Rückraum angreifen sieht, wie er da so hoch über der Abwehr schwebt und sich aussuchen kann, in welche Ecke er den Ball haut, der weiß, dass der Junge bei seiner Sprungkraft wohl auch ein guter Volleyballer geworden wäre, aber ebenso in seinem Differdinger Handballteam Red Boys an der richtigen Adresse ist. Und einstecken könne er trotzdem, auch wenn er nicht danach aussähe, sagt er.

„Ich bin anders als die anderen, lang und schnell.“ Yann Hoffmann

Durch seine Familie kam der damals Sechsjährige vor 16 Jahren zum Handball. Seine Mutter wollte nicht, dass ihr Junge seine Zeit draußen auf dem Fußballplatz verbringt, und weil sein zwei Jahre älterer Bruder Jimmy auch schon Handball spielte, ging Yann einfach mit. „Irgendwie gefiel es mir, wir waren eine tolle Truppe und sind über längere Zeit zusammengeblieben. Das war einfach cool“, erzählt er. Die meisten der alten Spieler haben mittlerweile aufgehört, und auch Bruder Jimmy, mit dem er jahrelang zusammengespielt hat, spielt nicht mehr bei den Red Boys.

Doch Yann ist geblieben. Er trainiert vier Mal die Woche mit dem Team, zudem ein bis zwei Mal im Kraftraum. Außerdem spielt er in der Nationalmannschaft, nicht als Stammspieler, aber als „guter Joker“, wie er selbst sagt. Nach seiner Berufsausbildung im Einzelhandel arbeitet er jetzt zeitweise als Ersatzlehrer in der Grundschule. Das gefällt ihm ganz gut, weil er sich im Moment nicht wirklich auf einen festen Job einlassen möchte.

Denn irgendwie wartet er darauf, dass etwas passiert, dass er vielleicht die Chance hat, bald in einer anderen Liga zu spielen, für eine Zeit weg aus Luxemburg zu sein. Nicht nur für den Sport, sondern auch für seine persönliche Entwicklung, weil er mit 22 noch immer bei seinen Eltern lebt und denkt, dass es vielleicht an der Zeit wäre, ein bisschen selbstständiger zu sein.

Ob er schon in Verhandlungen mit einem Verein steht, möchte er nicht verraten. Dass er sich aber für die deutschen Ligen interessiert, ist kein Geheimnis. „Wir haben hier in Luxemburg eine sehr gute Liga, aber im Vergleich zu Deutschland fehlt es da natürlich an Masse“, sagt er. Ein Problem, dass alle Mannschaftssportarten in einem kleinen Land wie Luxemburg haben, weil einfach nicht genügend Menschen da sind, um ausreichend Talente für eine ganze Liga zu haben.

Als er 13 war, hat er es schon einmal in Deutschland probiert und ist zu einem zweitägigen Sichtungstraining gefahren. Die Jugendabteilung der Rhein-Neckar-Löwen war an ihm interessiert. Es hätte bedeutet, ins Internat nach Mannheim zu ziehen. Doch er bekam eine Absage, weil er zu klein war. Die Begründung amüsiert ihn noch immer. Doch wer konnte damals schon wissen, dass er einmal 1,94 Meter groß wird? Er ist erst mit 15 richtig gewachsen.

Ob er schon in Verhandlungen mit einem Verein steht, möchte er nicht verraten.

Was ihn als Handballspieler auszeichne? „Ich bin anders als die anderen“, sagt er, „lang und schnell.“ Manche würden ihn wahrscheinlich als Mimose bezeichnen, weil er sich oft über seiner Meinung nach ungerechte Schiedsrichterentscheidungen beschwert. „Ich lebe halt diesen Sport“, sagt er und kling dabei schon ein wenig hitzköpfig. Doch er weiß, dass er etwas ruhiger werden muss und vertraut darauf, dass das von ganz alleine kommt. Man wird ja älter.

Groß geworden: Yann Hoffmann (v. l.) mit zwölf, damals spielte er noch mit dicker Brille, mittlerweile trägt er Kontaktlinsen.

Wenn er seine Zeit nicht in der Halle verbringt, hängt er gerne mit seinen Freunden oder Freundin Claire rum. Manchmal auch auf seinem kleinen Ruderboot auf dem Stausee. Hechte angeln. Er hat zwar dort noch nie einen gefangen, aber seit zwei Jahren lässt ihn dieses Hobby nicht mehr los. „Es ist entspannend, auf dem Boot zu sein. Schönes Wetter, ein bisschen Sonne, Wasser und ein paar Freunde, was will man mehr?“

Dass sein Bruder Jimmy nach seinem Studium in Deutschland wieder nach Luxemburg zurückkommt, freut ihn. Doch Jimmy wird nicht bei den Red Boys weitermachen, ihn zieht es zum HB Dideleng. Gegen Jimmy zu spielen, darauf freut sich Yann. „Er hat eh keine Chance. Ich bin besser als er“, sagt er und lacht.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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