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Kaffeegenuss

Wer es nicht schafft seinen Alltag ohne Kaffee zu meistern, ist bei „Babbocaffè“ in Esch an der richtigen Adresse. Professioneller Barista und Röster Saro Pica versorgt nicht nur Kaffee-Junkies mit Koffein, sondern führt Einsteiger in die komplexe Welt des Kaffees ein.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee. In Zeiten, in denen Starbucks den Markt mit eiserner Faust regiert und die Lattemacciatisierung zu einem nachhaltigen Trend geworden ist, wird eines oft vergessen: wie viel Arbeit hinter einer einfachen Tasse Cappuccino steckt.

„Kaffee wird heute vulgarisiert: Für nur einen Kilo rackern sich 40 Arbeiter bis zu acht Stunden, bei sehr geringem Gehalt, ab“, erklärt Saro Pica. Der 27-Jährige hat vor wenigen Monaten die erste Kaffeerösterei im Süden Luxemburgs eröffnet. Er möchte die Menschen von minderwertigen, industriellen Produkten wegführen und ihnen die Kaffeekultur näher bringen. Von den grünen Kernen bis zum Heißgetränk – im „Babbocaffè“ wird nichts dem Zufall überlassen. Schon beim Einkauf der Rohware zeigt sich Pica kritisch. Um perfekten, homogenen Kaffee garantieren zu können, müssen gewisse Normen erfüllt werden: bei 300 Gramm Bohnen dürfen maximal acht Stück Mäkel aufzeigen.

Sogenannte „Stinker-Bohnen“ sind ein absolutes No-Go. Die noch ungerösteten Kerne sind bereits schwarz und sondern einen fauligen Geruch ab. Aus finanziellen Gründen verarbeiten größere Konzerne diese Ware trotzdem häufig weiter. Laut Pica wird so am falschen Ende gespart. Er schwört auf die Picking-Methode, bei der nur ausgereifte Bohnen von Hand gepflückt werden.
Der ausgebildete Barista und Röster trifft seine Wahl aus mehr als 600 Kaffeesorten. Neben den klassischen südamerikanischen Anbauländern, gibt er auch unbekannteren Lieferanten, wie zum Beispiel Australien eine Chance.

Saro Pica

Alain Rischard

Das Rohmaterial wird vor Ort im Coffeeshop geröstet. Der 27-Jährige liebt es bei dem Prozess zu experimentieren, einen ganz eigenen Geschmack zu kreieren und diesen zu optimieren. Neugierige Kunden können ihm bei der circa 15-minütigen Torrefikation zusehen. Wer sich selbst als Röster versuchen möchte, ist herzlich zum passenden Seminar eingeladen. Dort lernt man erst die 50 Basic-Aromen als Konzentrate kennen. Wer glaubt, dass Kaffee im Prinzip rauchig duftet, liegt vollkommen falsch. Ingwer, Zitrone, Nougat, rote Früchte oder Kakao – es ist ein olfaktorisches Erlebnis. Die Vielfältigkeit der schwarzen Bohnen wird oft unterschätzt. „Kaffee ist wie Wein. Die Pflanzen nehmen wie Reben alles aus ihrer Umgebung auf. Zwischen der Ernte und dem Endprodukt liegen Welten. Ob Traube oder Kaffee-Kirsche – alles hängt von der anschließenden Verarbeitung ab“, verrät der Experte.

Weniger aufwendig als die praxisorientierten Röst-Workshops sind die Verkostungen. Geschmack ist relativ, daher können die Kunden auch schon bei der persönlichen Beratung genussvoll Kaffee schlürfen und sich für ihren Favoriten entscheiden. Saro Pica hat sich in Italien und Südfrankreich von „Barista Bartender Solutions“ (BBS) zum Barista ausbilden lassen.

Er beherrscht die Latte-Art und kann aus Milchschaum kleine Kunstwerke machen. Doch das reicht dem ehemaligen Business-Studenten nicht. Er möchte die letzte Disziplin das „Flairbartending“, also das Jonglieren, ebenfalls beherrschen. Momentan steht er noch alleine hinter der Theke. Sein Arbeitstag beträgt mindestens dreizehn Stunden. Trotzdem erkennt man keine Anzeichen von Müdigkeit. Pica strahlt vor Energie und blickt positiv nach vorne. Die eigene Röstmaschine ist ein bedeutender Vorteil des überschaubaren Coffeeshops und eröffnet neue Möglichkeiten. Nicht nur Privatkunden sollen vom einzigartigen Kaffee begeistert sein. Die Entwicklung von individuellen Kaffeesorten für Restaurants steht demnächst auf dem Programm. In der zukünftigen Universitätsstadt Esch und seinem Lokal sieht der junge Unternehmer viel Potential, das er mit Sicherheit ausschöpfen wird.

www.babbocaffe.lu
Text: Françoise Stoll (revue@revue.lu)

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Author: Georges Noesen

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