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Kampf der Gastronomen

In der Tv-Sendung „Mein Lokal, dein Lokal“ treten Restaurantbesitzer gegeneinander an, um die Speisen und das Lokal ihrer Konkurrenten zu bewerten. Zum ersten Mal seit der Entstehung der Kabel 1-Show vor sechs Jahren wird in Luxemburg gedreht.

Irgendetwas ist ungewohnt. Zwischen den Gästen des Restaurant „Katchi“ auf dem Knuedler, haben sich Kameraleute mit ihrem Equipment niedergelassen. Und während das Produktionsteam sich um die letzten Licht- und Toneinstellungen kümmert, hört Mitinhaber Mickey Hardt ganz konzentriert auf die Anweisungen der Aufnahmeleiterin. Mit Exaktheit tut er, was von ihm verlangt wird. „Vorhin sind wir im Aufzug, der zur Küche führt, steckengeblieben“, verrät er lachend. Lampenfieber kennt er nicht. Normal, Mickey Hardt ist Schauspieler. Doch heute steht er als Restaurant-Besitzer vor der Kamera, zusammen mit Geschäftspartnerin Tanja de Jager.

Auch sie ist vielen Fernsehzuschauern keine Unbekannte. Zusammen leiten sie mit einem dritten Teilhaber das „Katchi“, eine Art Traumlokal für Fleischgenießer. Gelassen schenkt sie sich ein Glas Rosé ein. „Es ist jetzt der dritte Drehtag“, verrät sie. „Und ich habe eineinhalb Kilo abgenommen, obwohl wir ständig essen.“ Sie muss lachen. „Es sind halt lange Drehtage und es ist schon stressig. Alle Kalorien, die man zu sich nimmt, werden genauso schnell wieder verbrannt.“ Bis alles im Kasten ist, kann es nämlich schon bis nach Mitternacht werden.

„Uns ist es wichtig, dass wir vier möglichst unterschiedliche Restaurants haben.“ Jutta Kleinsteuber, Aufnahmeleiterin

In der TV-Sendung „Mein Lokal, dein Lokal“ treten Tanja und Mickey gegen drei andere Gastronomen an, besuchen deren Lokal, kosten ihre Speisen und bewerten sie dann mit Punkten. Zum Schluss gibt dann auch noch Fernsehkoch Mike Süsser sein Urteil. „Uns ist es wichtig, dass wir vier möglichst unterschiedliche Restaurants haben“, erklärt Aufnahmeleiterin Jutta Kleinsteuber. „So können wir eine gewisse Vielfalt einer Region darstellen.“ Es ist allerdings das erste Mal, dass die Sendung in Luxemburg gedreht wird.

Eine Premiere, an der auch der singende Koch Ernesto Prosperi teilnimmt. Eine Kultfigur dessen Gesangseinlagen ihn, neben seinen Kochkünsten, landesweit bekannt gemacht haben. „Ich war sehr stolz, dass die Produktionsfirma an mich gedacht hat“, erzählt er mit großer Begeisterung. „Es macht mir sehr viel Freude, an dieser Show teilzunehmen. In den letzten Tagen haben wir wirklich viel Spaß gehabt.“ Mit von der Partie ist auch Bob Mathes, der eine richtige Restaurant-Institution an der Mosel leitet. Und das schon in der dritten Generation. Das Restaurant Mathes wurde Ende der 40er Jahre von seinen Großeltern gegründet und ist heute mit großer Wahrscheinlichkeit eine der besten Fischadressen in Luxemburg. „Meine Eltern wollten Anfangs nicht, dass ich Koch werde“, verrät Bob. „Sie wissen, wie hart der Job ist. Hätte ich den beiden zugehört, würde ich heute einen anderen Beruf ausüben.“

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn die Kamera direkt vor dir steht.“ David Goergen, Küchenchef im „Brauhaus“

Nico Heinen und David Goergen sind, sozusagen, die Newcomer unter den Kandidaten. Sie sind smart, jung und sympathisch und haben eine gut proportionierte Dosis Ehrgeiz. „Als wir erfahren haben, dass wir an der Show teilnehmen, war der Moment an dem die Nervosität anfing“, erinnert sich Nico. Denn was sie vielleicht nicht wissen, bei „Mein Lokal, dein Lokal“ wird nicht Kandidat, wer will. Um Kandidat zu werden und damit die Chance zu erhalten 3.000 Euro zu gewinnen, gehört eine ausschlaggebende Etappe dazu: das Casting. „Es wird getestet ob du kameratauglich bist“, erklärt Tanja de Jager. „Vor der Kamera muss du dich und dein Restaurant vorstellen.“ Laut Aufnahmeleiterin Jutta Kleinsteuber wurden hierzulande 15 bis 20 Gastronomenen zum Casting geladen. „Entweder bewerben sich die Leute bei uns oder wir suchen ganz klassisch im Internet oder lassen uns von der Touristeninformation etwas empfehlen. Schlussendlich aber entscheidet der Fernsehsender, wer Kandidat wird.“

Die Plätze im Rampenlicht sind halt selten und heiß begehrt. Die Sendung bietet eine Medienexposition, die für ein Restaurant eine beträchtliche Auswirkung haben kann. „Das ist natürlich eine sehr gute Publicity“, weiß Tanja de Jager. „Ich kann das, dank meinem früheren Beruf als Moderatorin einer Kochsendung, sehr gut einschätzen.“

Trotzdem gab es bei anderen Kandidaten einige Besorgnisse. „900.000 Zuschauer sehen sich das Format an“, meint Nico Heinen. „Da ist ja nicht nur das Restaurant auf dem Bildschirm zu sehen, auch dein Gesicht. Da kann man sich schon zum Affen machen.“ Auch Bob Mathes Vater war am Anfang nicht ganz von der Idee begeistert. „Er war skeptisch. Trotzdem hat er während dem Drehtag in unserem Restaurant festgestellt, dass ich aber die richtige Wahl getroffen habe.“ Für Küchenchef David Goergen aus dem „Brauhaus“ gab es, trotz einer sehr positiven Erfahrung, doch Momente wo er unter Druck war. „Es ist schon etwas ganz besonderes, wenn die Kamera direkt vor dir steht“, erinnert er sich. „Wir haben eine Showküche, die nicht besonders groß ist. Wenn da auch noch Kameras dabei sind, wird es eng.“

„Mein Lokal, dein Lokal“ ist aber vor allem ein Wettbewerb, wo es nur einen Gewinner geben kann. Mit einer singenden Kultfigur, einer Ex-Moderatorin und einem Schauspieler, wäre das ja fast die perfekte Mischung für eine Küchenschlacht.

„Es bleibt alles mit sehr viel Respekt verbunden“, betont de Jager. „Natürlich kritisieren wir, aber so, dass es auch fair bleibt.“ Der Meinung ist auch Ernesto Prosperi. „Punkte zu verteilen ist etwas sehr Schwieriges. Ich habe 35 Jahre Erfahrung in diesem Beruf, und ich bin der Meinung: Man lernt nie aus.“ In seiner Küche observiere ich ihn, wie er Tanja und Mickey präzise Details über die Zubereitung seiner Speisen gibt. „Es ist auf jeden Fall etwas Positives, wenn ein anderer Gastronom dir sagen kann, was er in deinem Lokal verbessern würde oder was er nicht so gut findet“, meint Tanja. „Es gibt sowieso keine Geheimnisse beim Kochen“ betont Ernesto. „Kochen ist eine Kultur und Kultur teilt man.“ Irgendetwas fehlt aber dann doch. Es kommt kein Gesang aus Ernestos Küche. „In meiner Küche bin ich schon sehr gewissenhaft“, verrät er mit einem Lachen im Gesicht. Vielleicht gibt es dann aber noch während der Sendung eine musikalische Überraschung. Streng geheim bleibt auch, welches Restaurant es bis aufs Siegertreppchen schaffen wird. Wann die Folgen bei Kabel 1 ausgestrahlt werden, konnte die Produktionsfirma uns allerdings nicht mitteilen, denn das genaue Datum ist noch nicht bekannt.

Fotos: Philippe Reuter

Der Palast für den Gaumen

Kulinarische Kunst von Ernesto Prosperi gibt es auch zum Lesen und vor allem zum Nachkochen. Über 150 Rezepte stellt der singende Koch in seinem Kochbuch vor. Übrigens gibt es den Band sowohl auf Deutsch wie auch auf Französisch.
Preis: 49 Euro
ISBN-13: 978-99959-45-10-7 éditions revue – Auch online erhältlich bei shop.revue.lu

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Mehr Informationen: www.kabeleins.de/meinlokal

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Martine Decker

Comments (1)

  1. Cindy Pletschette says:

    Super Idee,super Challenge!

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