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„Kampfgeist und Angriffslust“

Die luxemburgische Basketball-Nationalmannschaft konnte sich in der EM-Qualifikation bislang nicht durchsetzen. Ihr Trainer, Franck Mériguet, sieht darin aber kein Problem, wichtiger sei das Gruppengefühl.

109 zu 49. Die deutschen Basketballspieler wurden am vergangenen Sonntag in Trier ihrer Favoritenrolle gerecht. In der EM-Qualifikation gewannen sie deutlich gegen Luxemburg. Auch die Niederlage der Luxemburger gegen Polen in der Gruppe C fiel am 13. August klar aus. 61:113 zeigte die Punktetafel zum Spielende in der Coque. Im Spiel gegen Österreich am 10. August überraschten jedoch die FLBB-Herren. Mit 84:76 unterlagen die Luxemburger mit nur acht Punkten Differenz.

„ Wir haben nicht die Ambition, uns zu qualifizieren.“ Franck Mériguet

Die Niederlagen scheinen den Nationaltrainer Franck Mériguet nicht zu beunruhigen. „Wir haben nicht die Ambition, uns zu qualifizieren“, sagt er. „Wir wollen vielmehr ein gutes Bild des Luxemburger Basketballs vermitteln. Unsere Gegner sollen eine Mannschaft zu sehen bekommen, die Kampfgeist und Angriffslust beweist.“ Eines der sechs Qualifikationsspiele solle aber dennoch gewonnen werden. Jedoch fehlen mit Samy Picard und Fränk Muller „zwei der besten Spieler“, so Mériguet. „Doch wir müssen mit dem Team arbeiten, das da ist. Zudem lassen sich so junge Spieler gut integrieren.“ Auf die EM-Qualifikationsspiele habe sich die Mannschaft intensiv seit dem 14. Juli vorbereitet. Dazu gehörte auch ein fünftägiger Trainingsaufenthalt im französischen Vittel.

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Foto: Pierre Matge

Die Luxemburger Nationalspieler sind dennoch gegenüber den gegnerischen Teams benachteiligt. Sie sind nämlich halbprofessionelle Basketballer. „Alle Mitglieder des Nationalteams arbeiten oder studieren nebenbei“, so Mériguet. „Jeden Abend müssen sie noch ins Training und am Wochenende an Ligaspielen teilnehmen.“ Samy Picard, der derzeit verletzungsbedingt pausiert, kennt diese Problematik. „Der Sport und die Arbeit lassen sich aber gut kombinieren. Da das Vereinstraining meistens spätabends stattfindet, überschneiden sich die beiden Bereiche nicht.“

Picard spielte drei Jahre für den TBB Trier und kennt somit den Gruppenfavorit Deutschland. „Dass in Deutschland auf professionellem Niveau gespielt wird, ist der Hauptunterschied zu Luxemburg.“ Dort sei Basketball der Beruf der Spieler. „Das spiegelt sich dann im höheren Niveau und in der Einstellung der Sportler wieder.“ Es sei schon „ein großer Unterschied, wenn man mit Leuten trainiert und spielt, die damit ihr Leben verdienen“. Der Konkurrenzkampf sei dadurch auch wesentlich größer.

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Foto: Gerry Schmit

An diesem Professionalismus brauche sich Luxemburg aber nicht zu orientieren, so Picard, „weil das eben ein ganz anderer Kontext ist.“ Diese Ansicht teilt der Nationaltrainer Mériguet. „Il faut comparer l’équipe à ce qui est comparable“, sagt er und verweist auf die Spiele der kleinen Staaten von Europa (JPEE) 2015 in Island. Die geringere Körpergröße im Vergleich zu gegnerischen Teams könne mit einem schnellen Bewegungsspiel ausgeglichen werden. Als Trainer konzentriere er sich auf den „état d’esprit“ der Mannschaft. Es sei wichtig, eine positive Einstellung in der Gruppe zu haben, in der alle Spieler auf der gleichen Welle liegen würden. Luxemburg könne sich so von den gegnerischen Mannschaften unterscheiden.

Seit Mitte vergangenen Jahres ist Mériguet Nationaltrainer und bereits seit Dezember 2009 Trainer des Basket Esch. Bei seiner Ankunft war der frühere französische Profi positiv überrascht. „Im Vergleich zur französischen dritten und vierten Liga ist Luxemburg sehr gut strukturiert. Dass sich zahlreiche Freiwillige hier für den Basketball engagieren, hat mich angenehm überrascht.“

Die Präsenz von ausländischen Profispielern in der luxemburgischen Liga gibt regelmäßig Anlass zu Diskussionen. Im Fokus der Kritik steht dann die JICL-Regelung. JICL steht für „joueur inscrit dans un club luxembourgeois“, aus dem Ausland stammende Profispieler werden als Nicht-JICL bezeichnet. Zur letzteren Kategorie gehören die 19 US-Amerikaner, die in der Saison 2014/2015 in der Total League spielen werden. Zwei Vereine, Basket Esch und Black Star Mersch, werden mit drei Nicht-JICL-Spielern antreten. Mériguet verweist dabei auf die zwei Gedankengänge, die sich bei JICL-Debatten gegenüberstehen. „Wenn die Anzahl professioneller Spieler limitiert wird, bleiben die Luxemburger unter sich. Dies könnte keine Überraschungen mit sich bringen.“ Im gegenteiligen Fall könnten die luxemburgischen Spieler von der Präsenz der Ausländer im Training profitieren und würden somit in ihrer Entwicklung unterstützt.

Verbesserungsbedarf sieht Mériguet bei der Animation am Rande der Spiele.

Picard möchte, dass „bei zwei Ausländern Schluss ist“. Zwar würden die ausländischen Spieler „bis zu einem gewissen Grad das Niveau des luxemburgischen Basketballs heben“. Bei mehr als zwei ausländischen Profispielern könnten „die Luxemburger darunter leiden, weil viel Spielzeit verloren geht.“ Zudem verweist er auf das begrenzte Budget der Vereine. Eine verstärkte Verpflichtung von Ausländern würde die Vereine zwingen, „billigere und damit qualitativ schwächere US-Amerikaner“ zu engagieren.

Verbesserungsbedarf sieht Mériguet bei der Animation am Rande von Basketballbegegnungen. Ähnlich wie im Ausland, könne so aus einem Basketballspiel eine abendfüllende Veranstaltung werden, begleitet von unterhaltsamen Elementen. Doch Priorität haben nun die Rückrundenspiele der EM-Qualifikation. Am 20. August hat Luxemburg ein Heimspiel gegen Österreich, am 24. August ist die Nationalmannschaft zu Gast in Polen und am 27. August steht die letzte Begegnung gegen Deutschland in der Coque auf dem Kalender.

Text: Jean-Michel Wirtz

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Author: Georges Noesen

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