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Kinder brauchen Antworten

Das Coronavirus breitet sich rasant aus, auch in Luxemburg. Jetzt sind auch noch die Schulen und Kindergärten geschlossen. Da stellen Kinder viele Fragen. Höchste Zeit, ihnen zu antworten.

Im Moment gibt es kaum ein anderes Thema als das neuartige Coronavirus. Die gesamte Weltbevölkerung scheint bedroht. Das geht auch an Kindern nicht einfach so vorbei. Sie bekommen mit, was die Medien berichten und worüber sich alle unterhalten. Zudem hat sich ihr Alltag verändert, die Schulen, Kindergärten und Sporthallen sind geschlossen, das öffentliche Leben so gut wie lahmgelegt.
Dass Kinder Angst bekommen, wenn um sie herum so viel passiert, ist kaum verwunderlich. Viele Erwachsene haben dieselbe Angst. Doch Angst hilft nicht weiter. Denn, seien wir ehrlich, wir können im Moment nichts tun als abzuwarten und uns selbst und andere so gut es geht zu schützen. Dazu gehört auch, mit Kindern über das neue Virus und die Krankheit, die es hervorrufen kann, in Ruhe zu sprechen.
Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen raten Erziehungswissenschaftler und Pädagogen immer, mit den Antworten zu warten, bis die Kinder von selbst anfangen, die Fragen zu stellen. Nur dann, so heißt es, würden sie die Erklärungen auch wirklich aufnehmen. Fragen zur Coronakrise haben Kinder wahrscheinlich genügend. Wir haben ein paar Antworten. 

Foto: Pixabay

Coronavirus, Covid-19 – was denn nun?
Das Virus gehört zu den sogenannten Coronaviren, das ist eine Gruppe von Viren, die schon länger bekannt ist. Doch Viren sind sehr unterschiedlich, auch wenn sie zu derselben Gruppe gehören. Das Virus, das die Krankheit Sars hervorgerufen hat, ist auch ein Coronavirus. Aber dieses setzt sich in der Lunge seines Wirts ab. Deshalb ist es nicht so ansteckend wie das neue Coronavirus. Das neue setzt sich im Rachenraum des Wirts ab und ist einfacher übertragbar. Das Virus wird Sars-CoV-2 genannt. Die Krankheit, die von ihm ausgelöst wird, heißt Covid-19.

Wie wird das Virus übertragen?
Das Virus wird durch die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Da reicht es schon, wenn jemand neben einem niest. Die meisten Virusinfektionen (nicht nur Covid-19) bekommt man über die Hände. Denn jeder von uns fasst sich mehrmals in der Stunde ins Gesicht und dann wieder an Türklinken, Einkaufswagen oder an die Tastaturen von Geldautomaten und an Einkaufskassen. So übertragen sich die Viren.

Ist Covid-19 nicht einfach nur wie eine Grippe?
Für viele Infizierte fühlt sich Covid-19 an wie eine Grippe. Bei 15 bis 20 Prozent verläuft die Infektion aber schlimmer. Viele haben eine Lungenentzündung und Atemnot. Bei einigen setzt sich das Virus auch in der Leber oder im Darm ab und sorgt dort für Entzündungen.

Hilft da keine Medizin?
Eine einzige Medizin gegen Covid-19 gibt es nicht. Aber das ist bei Virusinfektionen nicht ungewöhnlich. Eine Medizin, die helfen würde, wäre eine Impfung wie gegen Masern oder Windpocken. Doch so eine Impfung gibt es noch nicht. Forscher sind zwar schon dabei, einen Impfstoff zu entwickeln. Der wird aber frühestens nächstes Jahr zur Verfügung stehen. Allerdings werden die Symptome wie Husten und Fieber behandelt. Denn dagegen gibt es ja Medizin.

Müssen wir jetzt alle sterben?
Eine typische Kinderfrage. Aber nein, müssen wir nicht. Bei den meisten Infizierten verläuft Covid-19 sogar so leicht, dass sie bis auf Gliederschmerzen, Fieber und Husten nicht viel merken. Sehr gefährlich ist die Krankheit für ältere Menschen und Menschen, die schon andere Krankheiten haben. Kinder und Jugendliche haben anscheinend kaum bis gar keine Krankheitsanzeichen.

Hilft gegen Viren ein Antibiotikum?
Ein Antibiotikum ist eine wunderbare Medizin. Allerdings kann es gegen Viren nichts ausrichten, es hilft nur gegen Bakterien. Manchmal wird auch bei Virusinfektionen ein Antibiotikum eingesetzt, aber nur dann, wenn zusätzlich noch eine Infektion mit Bakterien besteht.

Wann ist das vorbei?
Das weiß keiner so genau. In China, wo Covid-19 zuerst aufgetaucht ist, scheint das Schlimmste überstanden zu sein, dort gibt es kaum noch neue Infektionen. Ob das aber so bleibt und ob es in Europa genauso wird, muss man abwarten. Im Moment wird alles dafür getan, damit sich weniger Menschen anstecken. Dadurch wird die Epidemie vielleicht länger dauern, doch die Infizierten könnten besser medizinisch behandelt werden. Außerdem haben die Forscher dann mehr Zeit, einen Impfstoff und andere Medikamente zu entwickeln.

Was soll ich machen, wenn mir langweilig ist?
Es gibt bestimmt ganz viele Dinge, die immer wieder hinausgeschoben wurden. Zum Beispiel das Zimmer neu streichen. Oder das Fahrrad reparieren. Jetzt ist genau die richtige Zeit dafür. Gute Bücher gibt es auch jede Menge. Oder man kramt mit der Familie die alten Spiele wieder aus, für die immer zu wenig Zeit war. Nur eins sollte man jetzt nicht tun: vor dem Fernseher oder dem Computer Wurzeln schlagen. Manchmal ist das natürlich völlig okay und sehr entspannend, aber nicht auf Dauer. Zwischendurch sollte man immer wieder raus an die frische Luft.

Bakterien und Viren – alles dasselbe?
Bakterien und Viren haben nicht viel gemeinsam, außer dass sie so klein sind, dass man sie nur unter dem Mikroskop sehen kann. Viren sind allerdings noch kleiner als Bakterien. Außerdem können Viren sich nicht allein vermehren, sie brauchen dafür immer einen Wirt, also ein anderes Lebewesen, auf dem die Viren leben können. Solche Lebewesen können sogar Bakterien sein, wie in unserem Darm. Oder es sind Tiere. Oder eben Menschen.

Können wir Oma und Opa besuchen?
Besser nicht. Gerade ältere Menschen sind besonders gefährdet, schwer krank zu werden. Und weil man das Virus übertragen kann, ohne überhaupt zu wissen, dass man es hat, sollte man auf Besuche bei den Großeltern erst einmal verzichten. Zum Glück gibt es ja WhatsApp oder Skype, da kann man sich beim Telefonieren auch noch sehen.

Kann ich mich über Spielzeug anstecken?
Neues Spielzeug, auch wenn es aus China kommt, ist normalerweise völlig ungefährlich. Bei gebrauchtem Spielzeug sieht es etwas anders aus, weil sich Viren dort für eine gewisse Zeit aufhalten und überleben können. Deshalb sollte auf das Austauschen von Spielzeug im Moment verzichtet werden.

Kann sich mein Haustier anstecken?
So ganz klar ist das noch nicht. Wissenschaftler gehen im Moment davon aus, dass das Virus nicht auf die Haustiere übergeht und auch nicht von Haustieren übertragen werden kann. Trotzdem sollte jeder im Umgang mit Tieren an die wichtigste hygienische Regel denken: Hände waschen!

Kann man das Virus nicht einfach töten?
Nein. Viren gehören zum Leben dazu. Es gibt sie auf der Erde schon viel länger als uns Menschen. Manche Viren lösen bei Menschen Krankheiten aus, wie Grippe oder Windpocken. Andere sind sehr nützlich. Zum Beispiel im Darm von Menschen. Einige Viren verändern sich regelmäßig. Wie zum Beispiel die Grippe-Viren. Deshalb gibt es jedes Jahr einen neuen Impfstoff. Der wird immer etwas verändert, damit er gegen das Virus hilft.

Was passiert, wenn ich mich angesteckt habe?
Bei vielen passiert gar nicht so viel. Die meisten haben Husten, Gliederschmerzen und Fieber, manche fühlen sich einfach nur etwas müde. Vor allem junge Menschen merken von der Infektion gar nichts. Trotzdem müssen alle Infizierten zu Hause bleiben. Dort werden sie regelmäßig untersucht, bis sie nicht mehr ansteckend sind. Menschen mit starken Symptomen kommen ins Krankenhaus, dort werden sie behandelt, bis es ihnen wieder besser geht.

Darf ich noch raus gehen?
Auf jeden Fall. Am besten aber nur dorthin, wo nicht so viele Menschen sind: in den Garten, in die Weinberge, in den Wald. Frische Luft ist sogar gut und wichtig: Wer viel draußen ist, stärkt seine Abwehrkräfte und wird seltener krank.

Gab es so etwas früher schon?
Epidemien und Pandemien gab es schon immer. Zum Beispiel mit Pocken oder der Pest. Auch die Grippe wird manchmal als Pandemie eingestuft. Immer dann, wenn in einem Jahr besonders viele Menschen an ihr erkranken.

Was ist eine Pandemie?
Das Wort „Pandemie“ bedeutet, dass sich eine Krankheit über Länder und Kontinente hinweg auf der Erde ausbreitet. Das Wort „Epidemie“ bezeichnet auch die Ausbreitung einer Krankheit, allerdings ist sie auf einen Ort oder eine Region beschränkt.

Warum sind die Schulen geschlossen?
Im Moment soll verhindert werden, dass sich das Virus schnell ausbreitet. Deshalb sollen Menschen so wenig wie möglich zusammenkommen. Es sind ja nicht nur die Schulen geschlossen. Alle Museen, Sporthallen und Schwimmbäder sind für die nächsten zwei Wochen zu. Ob es danach wieder normal weitergeht, wird dann entschieden.

Wo kommt das Virus eigentlich her?
Zum ersten Mal aufgetaucht ist das Virus vor drei Monaten in der chinesischen Stadt Wuhan. Es stammt wahrscheinlich von Fledermäusen und wurde über andere Tiere übertragen, die auf einem Markt verkauft wurden.

Kann ich glauben, was auf Facebook/Twitter/Instagram steht?
Manche Dinge in den sozialen Medien stimmen, andere wiederum überhaupt nicht. Schwierig ist es nur, den Unterschied herauszufinden. Wer sich wirklich informieren möchte, sollte echte Nachrichten schauen oder online lesen. In den Redaktionen arbeiten nämlich Journalisten. Die sind dazu verpflichtet, die Wahrheit zu schreiben oder zu sagen. Sie dürfen nicht einfach Gerüchte in die Welt setzen.

Kann man irgendwas dagegen tun?
Im Moment können wir nur alle mithelfen, dass sich möglichst wenig Menschen auf einmal anstecken. Dazu gehört, sich nicht mit anderen zu treffen, sondern erst einmal zu Hause zu bleiben, wenn es geht. Sich selbst kann man schützen, indem man sich die Hände regelmäßig mit Seife wäscht (das sollte man ohnehin immer tun). Ärzte sagen, 20 Sekunden sollen es mindestens sein. Wer nicht weiß, wie lang das ist, singt einfach zwei Mal hintereinander „Happy Birthday“.

Werden wir alle krank?
Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich 60 bis 70 Prozent der Menschen mit dem neuen Coronavirus infizieren. Das heißt, mehr als die Hälfte wird wahrscheinlich sowieso krank. Jetzt soll aber versucht werden, dass nicht alle auf einmal krank werden. Das wäre nämlich für die Menschen schlimm, bei denen die Krankheit sehr schwer verläuft. Wenn viele Menschen auf einmal schwer krank sind, kann es sein, dass es nicht genügend Platz in den Krankenhäusern gibt. Das soll verhindert werden.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

Author: Martine Decker

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