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KinoKritik: Long Shot

Fred Flarsky ist ein Trampel, Charlotte Fields eine Göttin. Über desaströse Dates und falsche Entscheidungen könnte er (obwohl er ein sehr intelligenter Mensch sein soll, noch dazu ein talentierter Polit-Journalist) wahrscheinlich mehrere Bücher schreiben. Sie macht alles richtig. Er sieht in seinen Klamotten, die ein anderer längst in die Altkleidersammlung gegeben hätte, wie das Gegenteil von George Clooney aus. Sie ist in ihren eleganten Designeroutfits (fast) so schön wie Grace Kelly. Er gerät in extremen Situation sogleich in Panik, sie bewahrt Ruhe. Im realen Leben hätten die beiden nie und nimmer zueinander gefunden. Im Kino schon. Und genau das ist das Problem von „Long Shot“.

Es heißt zwar, dass Gegensätze sich anziehen. Und es wäre auch wirklich bezaubernd gewesen, wenn sich die gebildete und versierte Außenministerin der Vereinigten Staaten tatsächlich in den Nerd verliebt hätte. Doch so sehr man sich als unbeteiligter Zuschauer auch anstrengt, man nimmt Seth Rogers und Charlize Theron ihre Rollen nicht ab. Was allerdings weniger mit der Tatsache zu tun hat, dass nichts die ehrgeizige Politikerin und den eigensinnigen Tölpel verbindet – außer dass sie vor Jahren seine Babysitterin war und die gleiche Musik mag –, eher damit, dass Jonathan Levine weder den passenden Ton noch einen Rhythmus für seine Romantic Comedy findet. Ähnlich wie Peter und Bobby Farrely in „There’s something about Mary“ verlässt er sich auf die typische Situationskomik einer Screwball-Komödie und schreckt nicht vor Geschmacklosigkeiten zurück. Es gibt zwar keine Tortenschlachten und keine Massenprügeleien, stattdessen masturbiert Fred Flarsky vor laufender Handy-Kamera.

Was daran witzig ist? Keine Ahnung. Im Nachhinein landet das Video im Netz, um Charlotte Fields zu diskreditieren – und was geschieht? Die Frau bekennt sich in der Öffentlichkeit zu ihrem ungeschliffenen Liebhaber, und alles wird gut. „Long Shot“ ist ein modernes Aschenputtel-Märchen mit umgekehrten Parts. Schade nur, dass Drehbuchautor Dan Sterling sich nicht zugetraut hat, alles auf die Schiene der Karikatur zu setzen. Die Bilder, die er von dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau und dem US-Präsidenten zeichnet, sind in ihrer Lächerlichkeit nämlich ungemein witzig. Darauf hätte aufgebaut werden können. Aber wahrscheinlich mussten Kompromisse eingegangen werden, um „Long Shot“ mainstreamtauglich zu machen. Eine reine Parodie ohne Slapstick-Einlagen hätte das Popcorn-Publikum möglicherweise überfordert.

Zu seicht fallen ebenfalls die „Botschaften“ des Films aus. Wer liebt, soll seinen Partner als ganzer Mensch wahrnehmen. Darüber hinaus muss man stets ehrlich sein. Vor allem mit sich selbst. Betrachtet man die Geschichte unter diesem Blickwinkel, ist Loser Fred Flarsky „der“ Gewinner. Weil er als hässliches Entlein nicht bereit ist, sich der Liebe wegen in einen wunderschönen Schwan zu verwandeln. Er wird auch als „First Mister“ an der Seite der ersten Präsidentin der USA ein Depp bleiben und nach wie vor seine blöden Witzchen machen, während sie ihn anhimmelt und gleichzeitig die Welt zu retten versucht. Und solange die beiden nicht gestorben sind, werden sie weiterhin guten Sex haben, sich regelmäßig besaufen und zu nostalgischen Motown-Hits tanzen.

Long Shot ★★★★
Regie: Jonathan Levine, mit Charlize Theron, Seth Rogers, USA 2019, 124 Minuten, Kinepolis.

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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