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KinoKritik: Yesterday

„When I was younger, so much younger than today / I never needed anybody’s help in any way / But now these days are gone, I’m not so self-assured / Now I find I’ve changed my mind and opened up the doors / Help me if you can, I’m feeling down / And I do appreciate you being round / Help me get my feet back on the ground / Won’t you please, please help me /And now my life has changed in oh so many ways / My independence seems to vanish in the haze / But every now and then I feel so insecure / I know that I just need you like I’ve never done before…”

Dieser Text des Beatles-Songs „Help“ aus dem Jahr 1965 fasst den Film ziemlich perfekt zusammen. Als der sympathische Supermarktangestellte Jack Malik (Himesh Patel) nach einem weltweiten Stromausfall und dem Zusammenstoß mit einem Bus feststellt, dass es die vielleicht wichtigste Popband aller Zeiten anscheinend gar nicht gegeben hat und er der einzige Mensch ist, der sich an Songs wie „All You Need Is Love“ oder „Let It Be“ erinnert, wittert der bislang erfolglose Straßenmusiker seine große Chance. Und sogleich nimmt „Yesterday“ Fahrt auf. Von ersten lokalen Gigs über das Engagement, im Vorprogramm von Ed Sheeran (der sich selbst sehr selbstironisch spielt) aufzutreten, bis hin zu einem Albumvertrag in L.A. – der junge Brite indischer Herkunft wird tatsächlich über Nacht vom Nobody zum Weltstar. Ein tolles und sorgfältig umgesetztes Märchen, das gleichzeitig die Mechanismen des zeitgenössischen Musikbusiness aufs Korn nimmt und sich mit der moralischen Frage auseinandersetzt, wohin geklauter Ruhm und unverdiente Lorbeeren eigentlich führen sollen.

Weswegen Ellie (Lily James) auf den Plan gerufen wird. Sie verkörpert in gewisser Hinsicht ein himmlisches Wesen, von Gott auf die Erde verbannt, um Gutes zu tun. Als Managerin glaubt sie felsenfest an Jack Malik und sein nicht vorhandenes Talent zum Songschreiben. Als seine beste Freundin vergöttert sie ihn. Als verliebte junge Frau nimmt sie alles in Kauf, damit er auf Wolke sieben schwebt und weiterschweben darf. Da Richard Curtis („Four Weddings And A Funeral“) das Drehbuch geliefert hat, wird aus dem interessanten Gedankenexperiment (Was wäre, wenn es die Beatles nie gegeben hätte) eine leicht kitschige Love Story, die die Liebeserklärung an die Musik der Fab Four leider in den Hintergrund drängt.

Wer mit Eleanor Rigby aufgewachsen ist und sämtliche Songs der Pilzköpfe aus Liverpool auswendig mitsingen kann, wird 120 Minuten lang mit andächtiger Gänsehaut gesegnet sein (auch wenn einige Coverversionen mitunter misslungen sind). Wer Verlierergeschichten mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Zudem beweist Kultregisseur und Oscarpreisträger Danny Boyle („Trainspotting“, „Slum Dog Millionaire“) ein weiteres Mal, dass er (britischen) Humor hat. Aber: Trotz aller Ironie und obwohl Newcomer Himesh Patel seine Sache recht gut macht, hätte man dem Film mehr Schwere, den Figuren mehr Dimensionen und der Inszenierung mehr Verrücktheit gewünscht. Weil dies jedoch nicht der Fall ist, bleibt „Yesterday“ eine federleichte Musical-Komödie zum irren Sound der Beatles. Mit Happy End selbstverständlich. Ellie und Jack heiraten, bekommen Kinder, führen ein glückliches Leben. Und wenn sie nicht eines Tages sterben müssten…

Yesterday ★★★★★
Regie: Danny Boyle, mit Himesh Patel, Lily James, Ed Sheeran, GB 2019, 120 Minuten, Kinepolis

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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