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Knickerbockers und Spendierhosen

Ehe der Kiwanis Club die Sache in diesem Jahr zum ersten Mal übernimmt, war das „History Vehicles Lasauvage“ so eine Art riesige Rockabilly-Sause mit Stoßfängern aus Chrom. Zwölf Jahre lang wurde es von der umtriebigen Antinori-Familie mit Hingabe und unter dem Einsatz von viel Ellbogenschmalz organisiert.

Dann ist die Familie schließlich ausgestiegen und der Stab musste an einen Nachfolger überreicht werden. Mit der Übernahme und Umgestaltung der Veranstaltung durch den Escher Kiwanis Club ist die Fete jetzt noch deutlich größer und komplexer geworden. Die Grundidee ist geblieben.

Das neue Organisationskomitee besteht im harten Kern aus vier Personen. Lasauvage sei einfach „ein schöner Ort“, sind sich die Vier bei unserer Unterhaltung einig gewesen. Spaß haben mit Autos sei zwar noch immer der Dreh- und Angelpunkt, aber der eigentliche Zweck im Hintergrund sei jetzt das Sammeln von Geld für den guten Zweck, deren ausdrückliche Zielgruppe wie bei Kiwanis üblich vornehmlich die Kinder seien. Mit Spannung erwartet werden am Wochenende des 31. August und 1. September der Autokorso des Télévie mit mehr als 200 Wagen. Am Samstag, den 31. August trifft die LOF Télévie Oldtimer Tour demnach ganz offiziell in Lasauvage ins Ziel. Drum herum wird es eine ganze Menge Unterhaltung in Blech, Chrom, Farbe und Musik geben. Es soll ein Fest für die ganze Familie geben, darauf besteht man mit Nachdruck.

Es soll ein Fest für die ganze Familie geben, darauf besteht man mit Nachdruck.

In der hübschen wenn auch desakralisierten Kirche wird es eine Ausstellung des in Differdingen geborenen Künstlers André Depienne geben, der zu diesem Anlass eine Serie mit dem Titel „Les murs qui parlent“ zusammengestellt hat, die sich mit 50 Beispielen klassischer gemalter Hauswand-Werbung beschäftigt. Ein anderer, in der Oldtimer-Szene gut bekannter Künstler – Robert Brandy, um ihn nicht zu nennen – wird voraussichtlich mit u.a. einem VW T1 Bulli seine Aufwartung machen. Die ihrerseits ebenfalls als Autonarren bekannten Busunternehmer Schandeler und Carbon werden mit modernen und antiken Bussen vor Ort sein und für den Transport der Besucher zwischen den Parkplätzen am Rande und dem Fest in Zentrum sorgen.

Man wolle, erklärte man uns auf Anfrage, eine neue Dynamik starten und keineswegs eine exklusive Party im Stile eines Goodwood Revivals oder gar einer Schmalspur-Villa d’Este kreieren, bei der sich vornehmlich die Reichen und die Schönen im Glanze ihrer selbst tummeln, vielmehr gehe es um den guten Zweck und eine möglichst angenehme Art, das Mittel zu diesem Zweck bereitzustellen. Das „Carreau de la mine“, ein Areal in Staatsbesitz, wurde zur Verfügung gestellt, an die fünfzig Buden und Stände mit Modellautos, Kleidern und Fressalien sollen die Besucher bei (Spendier-)Laune halten. Beim „Roudenhaff“, an der Kreuzung zwischen rue de Rodange und rue de Lasauvage wurde ein ganzes Feld als Auffang-Parkplatz zur Verfügung gestellt. Neben diversen „Food Trucks“, Würstchenbuden und Getränkeständen, den Spezialisten für Vintage-Nippes und schönem Tand aus alten Ölkannen und Reisetaschen, Lederhandschuhen und auf Retro getrimmten Schiebermützen für den vermeintlichen Gentleman Driver, werden auch ein paar themenbezogene Stände vor Ort sein, wie zum Beispiel eine Ausstellung mit Exponaten aus dem Polizeimuseum. Die Oldtimer-Föderation LOF, der Fiat 500 Club, ein auf klassisches Vinyl spezialisierter Schallplattenladen, die Modell-Truck Freunde aus Differdingen sowie der Restaurationsbetrieb von Benoît Karmann aus Grosbliederstroff bei Sarreguemines, der live und in Farbe vor dem Publikum eine Kostprobe seiner Kunst zum Besten geben wird, werden für sehr abwechslungsreiche Unterhaltung sorgen. Darüber hinaus kann sich der Besucher auch tätowieren oder die Haare schneiden lassen, beziehungsweise den Klängen diverser Doppelgänger von Liza Minelli über Edith Piaf bis Amy Winehouse hingeben. Am Sonntag besteht dann nach dem obligatorischen, geselligen Breakfast auch die Möglichkeit, gegen eine milde Gabe an einer so genannten „balade caritative“ an Bord eines auf Hochglanz polierten Oldtimers teilzunehmen. Viel schöner und vornehmer kann man sich gar nicht von seinem lieben Geld trennen.

Es wird eine ganze Menge Unterhaltung in Blech, Chrom, Farbe und Musik geben.

Die Anreise gestaltet sich viel folgt: Klassische Automobile, die vor 1989 gebaut wurden, dürfen aus eigener Kraft ins Zentrum von Lasauvage vordringen, wo ihre Besitzer am Treffpunkt Kirche ein paar Dokumente in Empfang nehmen und gegen das Entrichten einer Spende von 10 Euro aufwärts mit charmanten Damen gar für ein Foto posieren können. Für alle jüngeren, sprich nicht-historischen Modelle, gilt die Devise, auf dem Parkplatz „Roudenhaff“ Position zu beziehen, um dann mit der „Navette“ den letzten Kilometer bis ins Hauptquartier zurückzulegen. Gäste aus Frankreich können selbigen Ablauf vom Gelände der Firma Casola in Saulnes aus bestreiten.

Also: Kind und Kegel einpacken, Portemonnaie nicht vergessen, am Vorabend für gutes Wetter beten und viel, viel gute Laune mitbringen. Und dann nix wie hin, der Rest erledigt sich nämlich von selbst.

Die offizielle Eröffnung ist am Samstag, 31. August um 11 Uhr, das Event selbst erstreckt sich von samstags 11 bis 19 Uhr und sonntags von 10 bis 19 Uhr. Weitere Informationen unter
www.history-vehicles.lu.

Fotos: Kiwanis Club Esch-sur-Alzette

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

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Author: Martine Decker

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