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Komm tanz mit mir

Seit der Veröffentlichung ihres Albums „Unsterblich“ lebt Schlagersängerin Marisa Donato gewissermaßen im Standby. Denn jederzeit könnte sie eine Einladung zur Live-Show „Immer wieder sonntags“ bekommen. Vielleicht sogar einen Anruf von Florian Silbereisen.

Freitag, 19. Juli. Marisa Donato ist leicht nervös. Um zehn Uhr wird auf dem digitalen TV-Sender „Deutsches Musik Fernsehen“ ihr Album vorgestellt. Ob ihr bewusst sei, dass Elvis Presley vor genau 60 Jahren mit der Veröffentlichung seiner ersten Single „That’s All Right“ seine Weltkarriere begonnen hat, will Moderator Michael Niekammer von der Luxemburgerin wissen. Der 19. Juli sei jedenfalls ein gutes Omen. Fast gleichzeitig wird auf Radio VHR das Lied „Dabei liebe ich euch beide“, eine Neuinterpretation von Andreas Jürgens‘ Hit, gespielt. Ehemann Nicolas Mujzer und auch ich sind irgendwie begeistert, und wäre es nicht noch etwas zu früh für ein Gläschen Sekt gewesen, wir hätten gern auf diese überaus erfolgreiche Geburt von „Unsterblich“ angestoßen. Die Sängerin selbst gibt sich bescheiden.

„Et ass alles sou séier gaang“, erklärt sie ihre Befangenheit. Das erste Treffen mit Musikproduzent Christian Geller liegt zwar schon zwei Jahre zurück, aber nachdem sie im Februar dieses Jahres mit u.a. Schlagerstar Bernhard Brink vier Konzerte in Ostdeutschland gegeben hat, geht alles irgendwie Schlag auf Schlag. Die Single „Unsterblich“, ein echter Gute-Laune-Schlager mit Ohrwurmqualitäten, wird im Juni veröffentlicht. Gut einen Monat später erscheint das gleichnamige Album. Bei „Planet RTL“ ist Marisa Donato bereits zu Gast gewesen. Ihren Job als Apotheken-Assistentin hat sie mittlerweile gekündigt. Weil sie täglich damit rechnen muss, in den ZDF-Fernsehgarten oder nach Rust in den Europa-Park eingeladen zu werden, wo jeden Sonntag die Live-Show „Immer wieder sonntags“ für Unterhaltung und jeder Menge Spaß sorgt. Für Fans der Schlagerwelt, versteht sich. Für Marisa Donato, die in Luxemburg schon in vielen Coverbands gesungen hat und zuletzt mit Sergio Morocutti als „Simply 2“ aufgetreten ist, könnte die ARD-Sendung das Sprungbrett für eine deutschlandweite Karriere sein. „Ech muss awer nach e bëssje Gedold hunn.“ Noch seien die Sterne nicht zum Greifen nah.

Marisa Donatos optimistische Art kommt in jedem einzelnen Track zum Ausdruck.

„Wir können unsterblich sein, wenn wir nur wollen“, lautet der Refrain ihres ersten Hits. Und eigentlich weiß die Sängerin auch ganz genau, was alles möglich ist, wenn man fest an sich glaubt. Obwohl fünf Lieder des Albums Neuinterpretationen von Songs des vor zwei Jahren verstorbenen Schlagerstars Andrea Jürgens sind, trägt jeder Titel klar die Klangschrift der Luxemburgerin. Im Pressetext heißt es, dass „sie es durch ihre ruhige und gefühlvolle Stimme schafft, jedes einzelne Wort und jeder Strophe für die Zuhörer glaubhaft zu machen“ – stimmt hundertprozentig. Vor allem in den Refrains beeindruckt Marisa Donato mit druckvollem und kräftigem Gesang.

Damit, dass es möglicherweise zwei bis drei Jahre dauern wird, bis Carmen Nebel oder Florian Silbereisen auf sie aufmerksam wird und sie eine Einladung in eine ihrer Shows erhält, kann die 47-Jährige leben. Worüber sie gestaunt hat und immer noch staunt, ist die Professionalität, mit welcher bei der Plattenfirma Telamo gearbeitet wird. „Do gëtt näischt dem Zoufall iwwerloos“, so Marisa Donato. Die kleine Namensänderung von De Donato in Donato, das Fotoshooting, der Zeitpunkt der Albumveröffentlichung, die Präsenz in den Medien, die Vermarktung… alles folgt einem bestimmten Plan. Die Luxemburgerin ist zwar nicht so sehr der Helene-Fischer-Typ, sondern kann mit ihrem südländischen Aussehen und Temperament eher mit der bodenständigeren Andrea Berg verglichen werden. Das Heile-Welt-Image der Schlagerwelt bedient sie indes perfekt. Stets positiv nach vorn schauen, den Moment leben und genießen, seine Träume niemals aufgeben – dieser Optimismus durchzieht den gesamten Longplayer als roter Faden.

Neben der bereits erwähnten Coverversionen gibt es auf „Unsterblich“ zwei Lieder, die Nicolas Mujzer (Text) und Erny Delosch (Musik) für sie geschrieben haben: „Ohne dich“ und die Ballade „Ich will leben“. Bei letzterer würde sie selbst immer noch Gänsehaut bekommen, beteuert Marisa Donato. Dafür, dass ihr Ehemann gleichzeitig ihr größter Fan ist und sie von Anfang an bei ihrem spannenden Abenteuer begleitet hat, ist ihm die Sängerin natürlich dankbar. „Am Marisa senger Stëmm ass alles, mee ech si vläit net objektiv genuch.“ Allerdings ist Bernhard Brink gleichermaßen vom Facettenreichtum der Stimme der Luxemburgerin überzeugt und berührt gewesen, und diese Meinung ist Marisa Donato sehr wichtig. Mit Volksmusik hat ihre Musik übrigens nichts zu tun. Discofox oder Schlagerpop ist die richtige Bezeichnung für die Songs, die zum Tanzen und Mitsingen einladen.

Irgendwann wird auch Florian Silbereisen auf die facettenreiche Stimme der Luxemburgerin aufmerksam werden.

Wie es jetzt weitergeht? Abwarten auf die Verkaufszahlen und die Chart-Platzierungen. Das Video „Unsterblich“ ist bereits über 15.000 Mal aufgerufen worden. „Fir mäi Produzent ass d’Lidd ‘Wolke Nummer 7’ besonnech hitverdächteg.“ Dass sie sich nun voll und ganz auf ihre Laufbahn als Schlagersängerin konzentrieren muss und hierzulande seltener im Rampenlicht stehen wird, tut Marisa Donato hin und wieder leid, aber die tollen Erfahrungen, die sie bislang gemacht hat, machen sämtliche Zweifel wett. Ein Duett mit dem deutsch-italienischen Musiker Giovanni Zarrella, der als Sänger der Band Bro’Sis bekannt wurde, oder Eloy de Jong wäre derzeit für sie das Allerschönste. „A firwat net mam Eros Ramazotti?“, scherzt Nicolas Mujzer. Wir lachen. „Ech wëll mir keen Drock maachen“, beteuert die Sängerin. Das Singen und Auftreten müssten ihr weiterhin Spaß machen. Dass sie bis vor fünf Jahren bei der „Revue“ des „Lëtzebuerger Theater“ mitgespielt und durchaus schauspielerisches Talent hat, ist ein weiteres Plus für Marisa Donato. Wäre sie ein paar Jährchen jünger, würde sie eine Musical-Ausbildung in Angriff nehmen. Aber halt, ist der Blick zurück nicht tabu? „Dach, well ech sinn am Moment immens frou an zefridden mat deem, wat ech erreecht hunn.“ Also darf sie getrost noch eine Weile auf Wolke sieben schweben.

Fotos: Sascha Erbach

Erhältlich im Fachhandel und auf den üblichen Streamingdienstportalen.
Am 17. August von 14-17 Uhr Autogrammstunden in der Belle Etoile.
Live-Auftritt auf dem Oktoberfest in Lamadelaine
am 18. Oktober (Kartenvorbestellung: 691 812 845).

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Martine Decker

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