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Kostbares Blut

Anfang 2018 wurden hierzulande 13.758 Blutspender gezählt. Mit jedem Bluttropfen retten sie Leben oder verbessern die Lebensbedingungen kranker Menschen. Doch was sind die Voraussetzungen, um Spender zu werden, und was motiviert die Erstspender?

„Ungefähr zehn Liter Blut habe ich in den letzten zehn Jahren gespendet“, verrät ganz stolz Martine Decker. Der 28-Jährigen wurde im Oktober letzten Jahres, zusammen mit weiteren 400 freiwilligen Blutspendern, die „Médaille du Mérite de la Croix-Rouge“ für ihr Engagement von Großherzogin Maria-Teresa überreicht. Etwas mehr als 20 Mal hat die junge Frau seit ihrem 18. Geburtstag bereits Blut gespendet. Ein schmerzloser Stich, der Leben rettet, aber auch für den Spender eine persönliche Genugtuung ist.

„Es kostet mich nur wenig Zeit, und vor allem habe ich jedes Mal nach der Spende ein gutes Gewissen“, erklärt Martine. „Ich bin mir bewusst, dass ich etwas Gutes mache, indem ich anderen Menschen helfe. Natürlich weiß ich nicht, wer mein Blut bekommen wird, aber das Gefühl, jemandem geholfen zu haben, ist unbeschreiblich.“ Laut eines rezenten Tätigkeitsberichts des Luxemburger Roten Kreuzes gibt es hierzulande 13.758 Blutspender, davon 1.626, die 2017 eine Spendenzulassung bekamen. Allein letztes Jahr wurde 21.364 Mal Blut gespendet. Man geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben eine Bluttransfusion zu benötigen, bei 70 Prozent liegt.

„Ohne Blutspender geht überhaupt nichts“, betont Andrée Heinricy, „Médecin responsable prises“ beim Roten Kreuz. „Ohne Blutspender gibt es keine Bluttransfusion, und verschiedene Behandlungen können nicht mehr durchgeführt werden. Das gilt zum Beispiel bei Unfällen, Krebstherapien und verschiedenen Operationen.“ Hauptziel ist es, den Bedarf Luxemburgs an Blut zu decken, denn Blut kann weder künstlich hergestellt noch durch ein anderes Element ersetzt werden. Kontinuierlich ist das Luxemburger Rote Kreuz deshalb auf der Suche nach neuen Spendern.

Blut wird auf freiwilliger Basis gespendet. Niemand kann einen dazu zwingen, und es handelt sich um eine unbezahlte Tätigkeit. Andrée Heinricy, „Médecin responsable prises“ beim Luxemburger Roten Kreuz

„Ab 18 Jahren kann man Blutspender werden“, erklärt Ärztin Heinricy. „Das obere Limit liegt bei 60 Jahren. Wenn man allerdings schon Spender ist, kann man sein Blut bis 71 Jahre spenden, insofern die eigene Gesundheit dies zulässt.“

Der 42-jährige Giovanni Patri hat sich, zusammen mit revue, entschieden, den ersten Schritt zum Blutspender zu unternehmen. Eine gewisse Aufregung sieht man ihm schon an, vermischt mit einer doch sehr großen Motivation. „Ich bin Vater von zwei Kindern“, erklärt er. „Ich möchte ein Beispiel für sie sein und ihnen vermitteln, dass es wichtig ist, etwas Gutes für andere Menschen zu tun.“

Zuerst aber muss er die Annahmekriterien erfüllen. Diese dienen einerseits dazu, den Empfänger als auch den Spender zu schützen. Allein letztes Jahr wurden 84 von insgesamt 1.710 neuen Kandidaten nicht zur Blutspende zugelassen. Das entspricht 4,9 Prozent der neuen Blutspender, die sich 2017 beim Luxemburger Roten Kreuz gemeldet haben. „Darüber hinaus können auch Spender temporär oder permanent ausgeschlossen werden. Im Durchschnitt kommen zehn Prozent der Leute vorübergehend nicht für eine Blutspende in Frage“, erklärt Andrée Heinricy. „Natürlich sind sie dann enttäuscht. Es ist dann an uns ihnen zu erklären, welche Kriterien sie nicht erfüllen.“

Ich möchte ein Beispiel für meine Kinder sein und ihnen vermitteln, dass es wichtig ist, etwas Gutes für andere Menschen zu tun. Giovanni Patri, Erstspender

Es kann sich hier um Personen handeln die zum Beispiel nicht bei guter Gesundheit sind, bestimmte Medikamente zu sich nehmen, ein zu geringes Körpergewicht haben oder gerade von einer Auslandsreise zurückgekehrt sind. Es handelt sich aber meistens hier nur um eine zeitweilige Sperre. Personen, die sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt mehr als zwölf Monate in Großbritannien aufgehalten haben, beziehungsweise sich dort einer Operation oder Transfusion unterzogen haben, werden permanent als Blutspender ausgeschlossen.

Giovanni wird erstmal zu einer Blutabnahme gebeten. Diese dient unter anderem zur Bestimmung seines Hämoglobinwerts. Auf dem Blutentnahmesessel füllt er sich allerdings nicht ganz wohl.
„Ich bin aufgeregt“, meint er. „Bei mir haben die Krankenschwestern immer Probleme eine Vene zu finden.“ Schlussendlich klappt aber alles wie es soll. Giovanni ist erleichtert.

„0,8 Prozent unserer Blutspender können unter Unwohlsein leiden“, verrät Ärztin Heinricy. „Es kann ihnen schwindelig werden, oder sie werden in ganz seltenen Fällen sogar ohnmächtig.“ Nach der Blutprobe muss jeder Erstspender dann einen Fragebogen ausfüllen, und auch bei den folgenden Spenden muss jedes Mal ein Formular ausgeführt werden. Es handelt sich hier um Fragen zum persönlichen Gesundheitszustand. Dieses Formular steht jedem in Form eines Musters auf der Internetseite des Luxemburger Roten Kreuz zur Verfügung. Doch wie können die Ärzte sicher sein, dass die Antworten des Kandidaten auch der Wahrheit entsprechen?

„Die Blutspender wollen helfen“, betont die Ärztin. „Blut wird auf freiwilliger Basis gespendet. Niemand kann einen dazu zwingen, und es handelt sich um eine unbezahlte Tätigkeit. Warum würde jemand lügen wollen? Die Menschen, die zu uns kommen, wollen etwas Gutes tun und zur Sicherheit der Spende beitragen.“

Giovanni wird nun zu einem ausführlichen Gespräch mit einem Arzt gebeten, der dann schlussendlich entscheidet, ob die Aufnahmekriterien erfüllt wurden. Wir dürfen bei diesem streng vertraulichen Gespräch nicht dabei sein. Aber Martine Decker erinnert sich noch ganz genau an den Tag, als sie im Besprechungsraum vom Arzt aufgeklärt wurde.

Es ist nicht easy-peasy. Man muss sich schon an verschiedene Regeln halten. Es steckt eine gewisse Disziplin dahinter. Martine Decker, Blutspenderin

„Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Angst“, erinnert sie sich. „Es ist nicht easy-peasy. Man muss sich schon an verschiedene Regeln halten. Es steckt eine gewisse Disziplin dahinter. Von Vorteil ist dann das sehr zuvorkommende Personal, das einen beruhigt und einem alles ganz genau erklärt.“

500 Milliliter werden bei jeder Spende entnommen, und in weniger als einer Viertelstunde ist alles vorbei. Eine Abnahme von 500 Millilitern ist für einen Erwachsenen mit einem Mindestgewicht von 50 Kilogramm vollkommen ungefährlich. Gesunde Frauen dürfen alle vier Monate Blut spenden, gesunde Männer alle drei Monate. Viele glauben leider noch zu oft, eine Blutspende wäre ein langwieriger und komplizierter Vorgang. Seit Jahren probiert Martine in ihrem Umfeld, Leute dazu zu motivieren, auch Blutspender zu werden. Keine einfache Aufgabe. Laut der 28-Jährigen machen es sich viele einfach im Leben zu bequem oder sind ganz einfach nicht interessiert, weil sie keinen Profit daraus schlagen können.

„Junge Leute haben mir schon oft gesagt, im Ausland würde man Geld für Blutspenden bekommen. Meiner Meinung nach darf Geld aber nie eine Rolle spielen, wenn es darum geht Leben zu retten. Entweder man spendet Blut aus Überzeugung, oder man lässt es lieber sein.“

Überzeugt ist auch Giovanni, doch das reicht leider nicht für eine sofortige Spendenzulassung. Ein Tattoo hat ihm einstweilen einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich habe mich vor drei Monaten tätowieren lassen“, verrät er. „Ich muss jetzt noch einen Monat abwarten und dann kann ich endlich Blut spenden.“ Beim Tätowieren können Viren wie Hepatitis und HIV übertragen werden, deshalb müssen Blutspender vier Monate warten bis sie sich wieder Blut abnehmen lassen dürfen.

Fußballspieler Cristiano Ronaldo hatte also nicht unbedingt recht, als er italienischen Journalisten verriet: „Ich bin nicht tätowiert, weil ich sonst kein Blut spenden könnte.“ Der Beweis, dass weiterhin eine gute Aufklärung wichtig ist, um neue Spender zu motivieren.

www.croix-rouge.lu/sauvez-une-vie, Tel.: 27 55-4000, transfusion.secretariat[at]croix-rouge.lu

Jeden Tag ist auch ein mobiles Blutspende-Team in vielen Orten des Landes unterwegs.

Fotos: Philippe Reuter

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Philippe Reuter

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