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Kreationen zum Anbeißen

Es ist die größte Veranstaltung für Amateure des braunen Goldes in Belgien. Zum Start der sechsten Brüsseler Schokoladenmesse sind Haute Couture und Schokolade wie ineinander verschmolzen. revue war auf der Schokoladen-Modeschau mit dabei.

Früher war es das braune Gold der Azteken. Sie benutzten die Kakaobohnen als sichere Einkommensquelle. Heute ist es eher zu einer süßen Verführung geworden, der Millionen Naschkatzen weltweit nur schwer widerstehen können. Kein Wunder, dass der Andrang rundum den Catwalk, während der Eröffnungsfeier der Schokoladenmesse in Brüssel, so riesig ist. 4.000 Besucher warten mit großer Ungeduld auf die angekündigte Show, denn in nur wenigen Minuten wird die belgische Schokolade ihre langjährige Führungsrolle unter Beweis stellen.

Der „Salon du Chocolat“ ist das Event, auf dem alle Facetten des Kakaos zu entdecken sind. Neben zahlreichen Verkostungen, gibt es auch unzählige Informationen über die neuesten Trends in Sachen Schokolade und es gibt Meisterkurse neben vielen spektakulären Vorführungen. Auf 8.000 Quadratmetern, setzten mehr als 130 Teilnehmer ihr langerlerntes Know-how der belgischen Schokolade zur Schau. Jedes Jahr nehmen immer mehr Erzeugerländer an der Messe teil, um die Qualität ihrer Rohstoffe hervorzuheben.

Es sind zwei Franzosen, Sylvie Douce und François Jeantet, die 1994 den „Salon du Chocolat“ in Paris ins Leben riefen. Seither haben sie fast 300 Messen dieser Art auf allen Kontinenten organisiert. In Zahlen ausgerechnet sind das mehr als 10 Millionen Besucher weltweit – und das geht von Tokyo bis nach Moskau und von New York bis nach Hong Kong.

Wir haben kleine Schokoladenstücke hergestellt und dann auf den Stoff genäht. Genau wie auf dem Kleidermuster geplant. Frederic Blondeel, Chocolatier

Nach einer kurzen Eröffnungsrede von Philippe Close, dem Bürgermeister von Brüssel, kann die so lang erwartete Show endlich beginnen. Das ganze unter dem Motto „Tous les goûts sont dans la nature“. 15 außergewöhnliche Kreationen aus Schokolade werden präsentiert. Eine Kollektion, die man problemlos als avantgardistisch bezeichnen kann und die sich mit dem Thema „Natur“ befasst. Jedes Kleid ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit zwischen einem Chocolatier und einem Modedesigner. Eine sehr bunte Modeschau, mit vielen Blumen und pflanzlicher Inspiration. Einfach erfrischend. Auch die Tierwelt hat für Geistesblitze gesorgt. Die süßen Kreationen lassen fast Frühlingsgefühle hochkommen.

Dieses Jahr steht Peru aber im Mittelpunk der Messe. In diesem Zusammenhang wird ein Modell ganz besonders erwartet: das des peruanischen Designers Ricardo Davila. Er ist spezialisiert auf Trachten aus seiner Heimat. Zusammen mit dem Schokoladenhersteller Frederic Blondeel haben beide eine kunstvolle Kreation entworfen. „Es ist ein sehr traditionelles Kleid“, erklärt Frederic Blondeel. „Die Tradition der belgischen Schokolade wurde mit der peruanischen Modetradition vermischt. Das Ergebnis gefällt mir sehr gut. Es wurde nicht zu viel Schokolade benutzt und ist ein Kleid, das im Gegensatz zu anderen Kreationen, auch wirklich getragen werden kann.“

Die Tradition der belgischen Schokolade wurde mit der peruanischen Modetradition vermischt. Frederic Blondeel, Chocolatier

„Amazing“, schreit eine Journalistin, als das Meisterwerk auf dem Laufsteck erscheint. Es erinnert an die Tracht einer Göttin, die aus der archäologischen Stätte Machu Picchu stammen könnte. Sicher hat sich Davila von Mama Killa inspiriert, die als Mondgottheit in der Mythologie der Inka bekannt ist. „Wir haben kleine Schokoladenstücke hergestellt und dann auf den Stoff genäht. Genau wie auf dem Kleidermuster geplant“, verrät Blondeel. „Glücklicherweise gibt es hier Leute, die wissen, wie man näht, denn ich kann es nicht“, gibt er lachend zu.

Blondeel wurde letztes Jahr vom Gault & Millau zum „Chocolatier of the Year“ gekürt. Von 144 Schokoladenfabriken aus der Stadt Brüssel, wurden rund siebzig von den Experten genauer unter die Lupe genommen. Er war schlussendlich der Beste. Frederic Blondeel gehört zu denen, die wie früher Kakaobohnen rösten und die Qualität ihrer Schokolade von Anfang bis Ende beherrschen, von der „bean to bar“, was so viel bedeutet wie, von der Bohne bis zum Riegel. Für den Chocolatier ist es eine Ehre, an dem „Salon du Chocolat“ teilzunehmen. Er gibt auch gerne zu, dass er sich geschmeichelt fühlte, als er gebeten wurde, etwas zu der Show beizutragen. Er betont: „Ich hatte die Gelegenheit, einen sehr kreativen Moment mit dem Designer Ricardo Davila zu teilen. Ein fantastischer Mann.“

Dieses Jahr haben fast 18.000 Menschen in Brüssel den „Salon du Chocolat“ innerhalb von drei Tagen besucht. Ein Erfolg. Die nächste Schokoladenmesse findet im Oktober in Moskau statt. Anfang November empfängt der „Salon du Chocolat“ seine Gäste in Paris.

Fotos: Philippe Reuter

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Philippe Reuter

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