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Kunst kaufen und Gutes tun

Aus der 2015 geborenen Initiative „Art2Cure“ ist in kürzester Zeit ein fester Bestandteil der Luxemburger Kunstszene geworden. Nach einem Ausflug in die New Yorker Feldman Gallery macht die diesjährige Fundraising-Ausstellung erneut in der Galerie L’Indépendance Station.

JBK Fletcher

Am Prinzip hat sich nichts geändert. Es geht nach wie vor darum, Spendengelder für die Forschung zu sammeln und gleichzeitig die nationale Kunstszene zu fördern. Bis vor zwei Jahren haben sich der Biologe Philippe Lamesch und der Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Gilles Weidig dabei in keinem rechtlichen Rahmen bewegt. Es gab keine Statuten, nicht einmal ein Konto. Daher wurde 2016 eine Vereinigung ohne Gewinnzweck gegründet. Nun sei alles geregelt. War auch nötig, denn seit der ersten „Art2Cure“-Ausstellung in der Escher Kulturfabrik wächst nicht nur die Zahl der Künstler, die mitmachen, sondern gleichzeitig auch die Summe der Spenden. Wobei präzisiert werden muss, dass nur die Hälfte des Verkaufspreises eines Werks in den Spendentopf wandert, während die anderen 50 Prozent dem Künstler zugutekommen. Was wiederum zur Folge hat, dass man fast schon Schlange steht, um dabei zu sein. Worüber sich die die „Art2Cure“-Initiatoren selbstverständlich freuen. Zumal das steigende Interesse an der Ausstellung deren Qualität nur nützlich sein kann.

Mit dem gesammelten Geld wird in diesem Jahr u.a. die Sensibilisierungskampagne des „Plooschter Projet“ gefördert.

Nina Tomàs

Doch nun zur aktuellen Ausgabe: Ein Thema gibt es nicht, und von den 22 Künstlern sind lediglich acht Wiederholungstäter. Neben bekannten Namen wie Robert Brandy, Carine Kraus und Tom Flick stehen die Namen junger Leute. Unter ihnen Sandra Biewers und Sandra Lieners. Letztere hat im vergangenen Sommer, im Rahmen eines „Residency“-Programms der School of Visual Arts in New York, einen Monat lang in einem ihr zur Verfügung gestellten Atelier arbeiten und gleichzeitig Einblicke in die Kunstszene von Manhattan bekommen können. Dass die „Art2Cure“-Verantwortlichen im Mai mit sechs Luxemburger Künstlern ebenfalls in die Stadt am Hudson River reisten, hat jedoch nichts mit ihr zu tun. „Mir schaffen enk mat der Columbia University zesummen“, erklärt Philippe Lamesch, Fundraiser für das Luxembourg Centre for Systems Biomedicine. Zudem hat er einige Zeit im Big Apple gearbeitet und kennt jemanden, der in der dortigen Ronald Feldman Gallery tätig und von den „Art2Cure“-Aktionen in Luxemburg begeistert ist. So kam der Kontakt zustande. Eine knappe Woche lang waren Werke von Martine Pinnel, Jhemp Bastin, Graffiti-Künstler STICK, Roland Quetsch, Sergio Sardelli und Joachim Van der Vlugt im Szeneviertel Soho ausgestellt. „Eng eemoleg Erfahrung.“

Was die Auswahl für die diesjährige Ausstellung in der Galerie L’Indépendance betrifft, bleibt man dem Konzept der vorherigen Ausgaben treu: keine Ausschreibung, kein Wettbewerb. Stattdessen behält man das nationale Kunstgeschehen im Auge, um einen spannenden Mix aus Newcomern und „usual suspects“ (im positiven Sinn) zusammenzustellen. „Bis haut hu mir nach ni eng Ofso kritt“, betont Gilles Weidig. Er und seine Frau sammeln seit Jahren Kunst, kennen sich in der nationalen und der internationalen Szene gut aus. „Et ass och net sou, datt d‘Kënschtler eis Wierker fir auszestelle ginn, déi si zënter Joeren an hiren Ateliere leien hunn. Eis eenzeg Bedingung ass, datt d’Wierk net réischt virun engem Mount an enger Galerie gewise gouf.“ Meist handelt es sich also um rezente, mitunter sogar um eigens für die Ausstellung gefertigte Arbeiten. Die Preise reichen von 500 bis 8.000 Euro und richten sich an alle, die in Kunst investieren und gleichzeitig eine gute Sache unterstützen möchten.

Et ass net sou, datt d’Kënschtler eis Wierker fir auszestelle ginn, déi si zënter Joeren an hiren Ateliere leien hunn. Eis eenzeg Bedingung ass, datt d’Wierk net réischt virun engem Mount an enger Galerie gewise gouf. Gilles Weidig

Mit dem gesammelten Geld wird in diesem Jahr unter anderem die Sensibilisierungskampagne des „Plooschter Projet“ gefördert. Ein Projekt, das eng mit dem Leichtathleten Yannick Lieners verbunden ist. Als er 25 Jahre alt ist, wird bei ihm eine chronische myeloische Leukämie diagnostiziert. Eine Erkrankung des Knochenmarks, die mit Pillen behandelt werden kann, sodass der leidenschaftliche Sportler wahrscheinlich nie auf eine Stammzellen- oder Blutspende angewiesen sein wird. Patienten, die hingegen an einer schwereren Form der Leukämie leiden, müssen eine Chemotherapie nach der anderen hinnehmen, falls kein passender Spender gefunden wird. Was in Luxemburg leider bei jedem Dritten der Fall ist. Weil nicht genug Menschen registriert sind. Daher hat Yannick Lieners, der Bruder der erwähnten Künstlerin Sandra Lieners, das „Plooschter Projet“ ins Leben gerufen.

Sali Muller


Chantal Maquet


Henri Goergen

Dass „Art2Cure“ sich für dieses Projekt entschieden hat, macht Sinn. Stammzellenspender zu werden, ist nämlich einfach – vorausgesetzt, dass man zwischen 18 und 40 Jahre alt ist, mehr als 50 Kilogramm wiegt, gesund ist und als Frau höchstens zwei Schwangerschaften gehabt hat. Man kann sich zu Hause oder in einem Labor registrieren lassen. Dass potenzielle Spender ihre Spende zudem mit einem konkreten Krankheitsfall in Zusammenhang bringen können, ist ebenfalls ein cleverer Schachzug. Aber darum geht es nicht. „Et geet ëm méi“, so Gilles Weidig. Darauf angesprochen, dass die nicht kommerziellen Ausstellungen des „Cueva“-Künstlerkollektivs um Théid Johanns in künstlerischer Hinsicht ein ähnliches Ziel verfolgen, betont der Kunstliebhaber, dass die „Sichtbarkeit“ in der Galerie L’Indépendance der BIL eine ganz andere sei. Dasselbe gilt wahrscheinlich für das Publikum.

Fotos: Art2Cure / Aufmacher: Arny Schmit

Bis zum 14. September in der Galerie L’Indépendance der BIL in Luxemburg-Stadt, werktags geöffnet von 8-18 Uhr, www.art2cure.com

Die Teilnehmer
Laurent Antunes, Sandra Biewers, Justine Blau, Robert Brandy, Serge Ecker, Eilo Elvinger, JBK Fletcher, Tom Flick, Henri Goergen, Danielle Grosbusch, Diane Jodes, Carine Kraus, Sandra Lieners, Chantal Maquet, Franck Miltgen, Françoise Ley, Boris Loder,
Sali Muller, Moritz Ney, Jim Peiffer, Arny Schmit, Nina Tomàs

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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