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Kurz gefasst

VERBAND-008_preview-KopieSchlechte Ernte

Romain Schneider hatte keinen Grund zur Freude beim traditionellen Erntegespräch im neuen Gebäude der Luxemburger Saatbaugenossenschaft in Colmar-Berg. Der Agrarminister wusste: Die diesjährige Getreideernte war enttäuschend. Bei verschiedenen Produkten erbrachte sie – bei weitgehend zufriedenstellender Qualität – bis zu 40 Prozent weniger als in den Jahren zuvor. So verzeichneten die Landwirte bei der Wintergerste einen Rückgang von etwa 30 Prozent, also von 1,6 Tonnen pro Hektar Fläche. Beim Weizen waren es minus 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Raps und andere Produkte brachten weniger ein. So sprach Schneider von einem enttäuschenden Jahr. Schuld daran waren die schlechten Wetterbedingungen: Von September 2019 bis März 2020 fiel 25 Prozent mehr Regen als gewöhnlich, der Boden war also im Frühjahr durchnässt, Maßnahmen für die spätere Ernte hatten Verzug. Extremwetter gab es dann auch im Sommer mit der Trockenheit. Umso mehr soll künftig auf den Anbau trockenheitsresistenter Pflanzen wie Hirse, Soja und Sonnenblumen gesetzt werden.

Multilingual gegen Temposünder

Der belgische Sprachenstreit hat eine lange Geschichte. Von belgischen Strafzetteln wird seltener gesprochen. Dabei haben die Behörden des Nachbarlandes dieses Jahr gegen Fahrzeughalter aus dem Ausland schon fast eine Viertelmillion an Bußgeldern für Temposünder verteilt. Und dass dabei Sprachen keine Barrieren darstellen sollen, gibt es die Strafzettel in 20 verschiedenen europäischen Sprachen, zusätzlich zu den belgischen Landessprachen. Ein Service, über den man sich nicht unbedingt freut. Unter den ausländischen Temposündern in Belgien lagen die Luxemburger nach den Niederländern und Franzosen an dritter Stelle, noch vor den Deutschen.

Weitere Kritik an Joghurt-Fabrik

Die Gemeinde Bettemburg und die Vereinigung mehrerer Alzette-Anrainer-Kommunen haben die geplante „Fage“-Joghurt-Fabrik in der Industriezone Wolser stark kritisiert. In ihren Stellungnahmen zu dem umstrittenen Projekt monierten sie unter anderem die mangelnde Einbeziehung der Öffentlichkeit in den Entscheidungsprozess. und warfen Fragen zum Wasserverbrauch und zur Wassernutzung auf. Statt der Eigenüberwachung des Abwassers ziehe man die „konsequente Überwachung seitens einer vom Betrieb unabhängigen Kontrollinstanz“ vor. Außerdem übersteige die Abwassermenge die Aufnahmefähigkeit der Alzette.

GARE31-2_preview-KopieAufholjagd

Der Lockdown hat für die hiesigen Autohäuser erstmal einen gewaltigen Knockdown gebracht. So fiel die Zahl der Neuzulassungen im Frühjahr auf weniger als die Hälfte als 2019 (März 2.798 gegenüber 5.621; April 1.192 statt 5.642. Auch wenn sich die Verkaufszahlen erholten und im Juni auf 4.648 kletterten (2019: 5.199), im Juli dann sogar auf 5.509, was einer optimistisch stimmenden Aufholjagd gleichkam, bevor sie Ferienmonat August wieder auf 3.671 fielen, ist 2020 für die Autoverkäufer ein Jahr zum Abhaken. Immerhin hat sich der Marktanteil der Elektroautos erhöht. Zwar befindet er sich auf nach wie vor niedrigem Niveau von 6,18 Prozent (im August 227). Den bisherigen Höchststand hatte man im Juni 2020 mit 4,54 Prozent erreicht.

„Sichtbare“ Wohnungsnot

Viel wird über Wohnungsnot gesprochen, aber oft findet sie im Verborgenen statt. Wer seine Wohnung nicht mehr bezahlen kann oder unter prekären Verhältnissen lebt, schämt sich gar für seine Situation. Dass es zu einem lautstarken Protest kommt, hat Seltenheitswert. So machte der neue gegründete „Mieterschutz Lëtzebuerg“ auf die Lage von mehreren Mietern einer Residenz in der hauptstädtischen Glesenerstraße – laut „Tageblatt“ im Besitz einer Holding – aufmerksam, die kurz vor dem Rauswurf aus ihren Wohnungen stehen und noch keine neue Bleibe gefunden haben. Die Mieterschützer forderten eine Verlängerung der Mietvereinbarungen und konkrete Maßnahmen gegen Zwangsräumung.

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Alarmierender Ärztemangel

Der Mangel an Ärzten hat sich verschärft. Das stellte die Ärztevereinigung AMMD in ihrer Analyse der Corona-Krise fest. Außerdem moniert sie in ihrer Zwischenbilanz, dass es in den Kliniken zwar weitgehend gelungen sei, Covid-19-Patienten von anderen zu trennen. Aber im besten Fall sollten die Patienten, die nicht stationär aufgenommen werden müssen, gar nicht erst dort zirkulieren, sondern möglichst ambulant versorgt werden. Der Ärztemangel habe sich insofern verschärft, so die AMMD, weil ältere Ärzte Corona-bedingt entschieden hätten, ihre Aktivitäten frühzeitig zu beenden und jüngere ins Ausland zurückgeehrt seien. Höchste Zeit für eine weitere Verhandlungsrunde am „Gesondheetsdësch“, der aufgrund von Covid-19 unterbrochen worden war. Noch diesen Monat soll weiterverhandelt werden.

DSCF0316_preview-KopieAuf und Ab

Ein außerordentlich schwieriges Jahr mit Höhen und Tiefen erlebt der luxemburgische Tourismus. Diese Zwischenbilanz zogen Premierminister Xavier Bettel und Tourismusminister Lex Delles (beide DP) in einer eigens dafür ausgesuchten Location: dem Baggerweiher von Remerschen. Der Lockdown und die damit verbundenen Schließungen – eine der schwieristen Entscheidungen in seiner bisherigen Zeit als Regierungschef, so Bettel – habe die Reservierungen der Gäste auf null fallen lassen, so Delles. Danach hätten sie zwar wieder zugelegt, seien aber wieder eingebrochen, als das Großherzogtum zum Risikoland eingestuft wurde. Eine erfolgreiche Maßnahme war laut Delles die Ausgabe der 50-Euro-Gutscheine gewesen. Insgesamt seien 34.000 von ihnen bisher benutzt worden. Die Initiative hätte 1,7 Millionen Euro gekostet. Aber der Mehrwert für die Wirtschaft sei viel höher.

Fotos: Hervé Montaigu, Isabella Finzi, Didier Sylvestre, Claude Lenert (alle Editpress)

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

Author: Martine Decker

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