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Kurz gefasst

China mischt bei Luxemburger Energiewende mit
Encevo (früher Enovos) ist der größte Strom- und Gasanbieter in Luxemburg und spielt eine große Rolle bei der Energiewende des Landes hin zu erneuerbaren Energien. Unter seinen Aktionären sind Unternehmen wie die Post, die BCEE und SNCI (zusammen knapp ein Drittel) sowie der luxemburgische Staat, der mit 28 Prozent der Anteile den größten Batzen besitzt. Nun spielt ein weiterer staatlicher Betrieb im Konzert der Großen mit – und zwar ein ganz Großer aus einem ganz anderen Staat: Die „China Southern Grid Company“ kauft der französischen Gesellschaft Ardian ein Aktienpaket von 25,5 Prozent für 400 Millionen Euro ab. Der luxemburgische Staat machte von seinem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch.

„Day Orange“
Immer wieder enden Seereisen von Flüchtlingen tödlich. Einmal mehr hat das zuständige Hilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR darauf aufmerksam gemacht, dass die Zahl der Toten bei den Überfahrten über das Mittelmeer gestiegen ist. Seit Jahresbeginn sind mehr als 1.500 Flüchtlinge auf hoher See ums Leben gekommen. Zugleich kommen immer weniger Menschen, die auf der Flucht sind, an den Küsten Europas an. Letztes Wochenende wurde deshalb in mehreren europäischen Städten – unter anderem in Frankfurt am Main, Köln und Paris – für eine humanere Flüchtlingspolitik demonstriert. Die Organisatoren hatten die Aktion in Anlehnung an die orangefarbenen Rettungswesten den „Day Orange“ genannt.

Luxemburg als Schutzmacht
Dass das Großherzogtum in Sachen Militärausgaben kein Streber ist, zeigt sich anhand von Zahlen. Während US-Präsident Donald Trump von den NATO-Mitgliedern einen Beitrag von zwei Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandprodukts für Armee und Rüstung als Beweis der Bündnistreue fordert, dümpelt Luxemburg bei 0,4 Prozent. Was zu begrüßen ist. Zwar ist bis 2020 eine Erhöhung auf 0,6 Prozent geplant. Auch dass das Land ein Prozent seines Bruttonationaleinkommens für die öffentliche Entwicklungshilfe ausgibt – und damit Nummer zwei hinter Schweden ist. Wie ist nun aber das Abkommen zu erklären, das Verteidigungsminister Etienne Schneider mit Carlos de Almeida Fonseca (hier mit Großherzog Henri bei dessen Besuch auf dem Archipel im Jahr 2015) unterzeichnete, dem Präsidenten von Kap Verde? Bis 2023 will Luxemburg dem Inselstaat 2,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen, die in den Ausbau der maritimen Überwachung fließen sollen, mit Satellitentechnologie und vier Militärlastwagen. Damit sollen Drogenhandel, Piraterie und Schwarzfischerei bekämpft und die Sicherheit des Ziellandes der Luxemburger Kooperationspolitik gewährleistet werden.

Die Hitze und ihre Folgen
Seit zwei Wochen gilt hierzulande Waldbrandgefahr, vor knapp einer Woche hat es dann tatsächlich gebrannt: in einem Waldstück zwischen Schlindermanderscheid und Goebelsmühle. Die Feuerwehr rückte mit mehr als 130 Einsatzkräften an, rund 30 Löschfahrzeuge waren vor Ort. Menschenleben waren dabei nicht in Gefahr. Die Hitzewelle führte zudem zu einer erhöhten Ozonbelastung. Weil die Ozonwerte während einer Stunde die Grenze von 160 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten, wurde auf den Autobahnen die Höchstgeschwindigkeit auf 90 Kilometer reduziert. Nicht jeder hält sich an das Tempolimit – und riskiert ein Bußgeld von 145 Euro und zwei Punkte.

Statistik und Armut
Was ist ein menschenwürdiges Leben? Wie wird es definiert? Das staatliche Statistikamt Statec zumindest versteht darunter, dass die Grundbedürfnisse wie Wohnen, Nahrung und Kleidung erfüllt sind und dass eine Familie genügend Geld zur Verfügung hat, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der Statec geht davon aus, dass eine Familie mit zwei Kindern, die in der Nähe der Hauptstadt in einer Hundertquadratmeterwohnung lebt, dafür gut viertausend Euro benötigt. Ein Paar ohne Kinder braucht demnach etwa 2.700 Euro im Durchschnitt, eine alleinerziehende Person mit einem Kind ungefähr genauso viel. Ein Single hingegen kommt mit knapp 2.000 Euro zurecht. Doch was ist, wenn unvorhergesehene Ausgaben hinzukommen? Reparaturen, ein Schicksalsschlag? Diese sind in keiner Statistik registriert. Nicht zu vergessen, dass die Zahl derer, die an der Armutsgrenze leben, zugenommen hat: 2016 waren 19,7 Prozent der Einwohner Luxemburgs armutsgefährdet – also Personen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen.

Kreislauf statt Schrottexport
Jedes Jahr werden hunderttausende Tonnen von Elektroabfall illegal von Europa nach Afrika oder Asien transportiert, wo sie unter anderem durch Kinderarbeit zerlegt werden. Wie kann das verhindert werden? Mit Wiederverwertung und Kreislaufwirtschaft. Acht luxemburgische Organisationen schlossen sich auf Initiative von Ecotrel zu einem Cluster zusammen, um mehr Elektroabfälle wiederzuverwerten. Das Projekt wurde vergangene Woche bei der Entsorgungsfirma Lamesch in Bettemburg vorgestellt. Dort können Firmen wie Privatleute ihre Computer und Telekommunikationsgeräte, Laptops und Smartphones entsorgen. Claude Turmes, Staatssekretär im Nachhaltigkeitsministerium, wies darauf hin, dass dabei auch der Datenschutz eine Rolle spiele: Auf den Geräten gespeicherte Daten werden vernichtet.

Fotos: Carole Reckinger (revue Archiv), Isabella Finzi, Anne Lommel, Tanja Feller (alle Editpress), Pixabay

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: Philippe Reuter

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