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Kurz gefasst

Küsschen links, Küsschen rechts
Vom vergangenen Mittwoch bis Freitag war das niederländische Königspaar in Luxemburg zu Gast. Visitiert wurde fast alles was das Land zu bieten hat, von Belval bis Vianden. Natürlich standen auch Treffen mit Luxemburgs politischer Führungsriege auf dem Programm. Alles wirkte sehr harmonisch, was kaum verwundert, denn schließlich sind die Niederlande für Luxemburg so etwas wie der „gute Kumpel“ von nebenan. Das breite Publikum indessen scheint sich viel weniger zu großen Beifallsbekundungen hinreißen zu lassen. Bei einer Umfrage von unseren Kollegen vom Wort gaben 13 Prozent an, dass „Staatsbesuche ein Anachronismus sind“ und 39 Prozent störten sich an den hohen Kosten solcher Besuche.

Kampf dem Plastikmüll
Der Umwelt zuliebe will die EU in Sachen Plastikmüll endlich Nägel mit Köpfen machen und eine entsprechende Direktive verabschieden. Bis diese das Licht der Welt entdeckt – sprich gestimmt und umgesetzt ist – dürfte es noch Jahre dauern. Dabei handelt es sich vor allem um ein Riesenproblem. Vor allem in den Weltmeeren, wo heute in jedem Quadratkilometer der Meere hunderttausende Teile Plastikmüll schwimmen. „Eine derzeitige Schätzung geht von 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr aus. Das entspricht einer Lastwagenladung pro Minute“, schriebt der WWF.

Weniger kompetitiv
Im neusten „World Competitiveness Yearbook“ des schweizerischen Instituts IMD verliert Luxemburg drei Plätze und kommt auf Rang elf. So weit so ungut, oder? Die Idee an sich, solche Länder- und Standortrankings aufzustellen, ist nämlich schon seit längerem nicht mehr ganz unumstritten. Vor allem die Methodik und die empirische Relevanz schmecken verschiedenen Wirtschaftsexperten nicht und vor allem in Deutschland (Rang 15) scheiden – oder besagt streiten sich die Geister. Das „Competitiveness Yearbook“ reiht sich damit in die gleiche Reihe ein wie die PISA-Studie, deren wissenschaftliche Bedeutung regelmäßig angezweifelt wird. Aber irgendwie sorgt das Ganze dann doch immer für Schlagzeilen.

Turmes folgt auf Gira
Nach dem tragischen Tod von Staatssekretär Camille Gira mussten „déi Gréng“ einen Nachfolger für den Posten im Ministerium und als Spitzenkandidat für den Wahlbezirk Norden suchen. Die Wahl fiel auf den langjährigen Europaabgeordneten Claude Turmes (saß seit 1999 in Straßburg). Der 57-Jährige wird sich bei seiner Regierungsarbeit vor allem um den Energiebereich kümmern, ein Gebiet, in dem er als Experte gilt. Die Zeit richtig große Akzente zu setzen, wird ihm angesichts des Urnengangs im Oktober nicht bleiben. Tilly Metz wird ihn in Straßburg ersetzen.

Katholischer Wahlkampf
Die Springprozession ging traditionsgemäß am Pfingstdienstag über die Bühne. Auch dieses Jahr mit zahlreichen Pilgern, Schaulustigen, Musikkapellen und kirchlichen Würdenträgern, die sich passend zur Marsch-Polka den Weg durch die Abteistadt bahnten. Alles wie immer also? Nicht ganz, denn Erzbischof Jean-Claude Hollerich richtete ungewohnt scharfe Worte an das Publikum und sprach von einer „Sauerei“, weil nächstes Jahr der Pfingstdienstag nicht in die Schulferien fällt und es trotzdem landesweit kein schulfrei gäbe. Schüler könnten sich, wie auch für die Oktave, frei nehmen, aber es seien eben viele Prüfungen angesetzt. Das ist natürlich ein ziemliches Ammenmärchen, denn kaum ein Lehrer wird extra eine Prüfung ansetzen, wenn er weiß, dass viele Schüler fehlen (sollten) und wenn er will, kann Unterrichtsminister Claude Meisch es sogar untersagen. Es scheint vielmehr so, dass Hollerich die Kanzel und das große Publikum genutzt hat, um eine Art Wahlkampfrede zu halten… Schließlich ist irgendwie bald Oktober und die aktuelle Regierung hat, laut Verständnis der Kirche, ihr etwas zu sehr auf die Füße getreten – mit Werteunterricht, Abschaffung der Kirchenfabriken und Trennung von Kirche und Staat – so, dass Luxemburgs Oberhirte mal eben zum Rundumschlag ansetzte. Der Wahrheitsgehalt verkommt dann schnell zur Nebensache. Und wie fasste es Claude Meisch bei RTL zusammen: „Fräi fir jiddereen op Päischtdënschdeg, passt net méi an eis Zäit.“

Kollektivvertrag gekündigt
Im Bausektor hängt der Haussegen schief. Nach dem vergeblichen Versuch zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften eine Einigung in Bezug auf einen neuen Kollektivvertrag zu finden, ließen letztere verlauten, dass sie den Kollektivvertrag kündigen. Vor allem, weil das Patronat auf seiner Position verharre, ohne den Arbeitnehmern entgegen zu kommen. Die „Fédération des Entreprises de Construction et de Génie Civil“ hatte schon im Februar verlauten lassen, dass sie die gewerkschaftlichen Forderungen für utopisch hielte, angesichts der Tatsache, dass viele Firmen im Bausektor schwer unter finanziellem Druck stünden.

Fotos: Alain Rischard, Tania Feller, Didier Sylvestre (alle Editpress), Unsplash.com (2)

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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