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Kurz gefasst

Walferbicherdeeg07-KopieBücherwurmstichig
Zig Schriftsteller, Verleger und Aussteller, dazu unzählige Bücher vom antiquarischen Fundstück bis zur frisch gedruckten Neuerscheinung − die Bücherwürmer hierzulande sind in Scharen zu den 25. Walfer Bicherdeeg gepilgert, die dieses Jahr mit Daniel Kehlmann als Stargast aufwarteten. Letzterer las aus seinem Schmöker „Tyll“. Der Luxemburger Buchpreis in der Kategorie Belletristik ging dieses Jahr übrigens an Tom Reisen für „Les Bulles“, in der Kategorie Sachbuch an die Anthologie „Mit den Haien streiten“ und bei den Kinder- und Jugendbüchern an Christiane Kremer und Vincent Biwer für „So mol, Lobo“. Den Publikumspreis holte der frühere revue-Direktor Gaston Zangerlé für „Dizzy on the Road“ von éditions revue mit den formidablen Fotos von Rom Helbach.

Startlöcher
Der Start von Jean-Claude Junckers Nachfolgerin ist bekanntlich auf 1. Dezember verschoben worden und hing zuletzt nach wie vor in der Schwebe. Während die neue Europäische Kommission von EU-Chefkommissarin Ursula von der Leyen nicht aus den Startlöchern kommt und womöglich in einem Brüsseler Stau festsitzt, harkt sich der einstige Senkrechtstarter Emmanuel Macron mit der NATO. Nachdem der französische Präsident dieser in der Vorwoche den „Hirntod“ diagnostiziert hatte und dafür Schelte u.a. von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte einstecken müssen, legte er nach. Macron, der eine militärische Stärkung Europas fordert, bezeichnete auf dem Pariser Friedensforum die Kritiken „scheinheilig“, oder genauer ausgedrückt sagte er: „Zimperlichkeit und Scheinheiligkeit funktionieren nicht.“ Auch von der Leyen warb bei dem Forum für eine stärkere Rolle Europas und ein „effektiveres multilaterales Handeln“. Durchaus sinnvoll, wenn ihre EU-Kommission dann mal aus den Startlöchern kommt.

20191113_EDITPRESS_JG_03-KopieChronischer Rassismus
Wer selbst schon mal Opfer von rassistischer Diskriminierung geworden ist oder Freunde und Bekannte hat, die es geworden sind, musste nicht erst in die Konferenz „Being Black in Luxembourg“ im Cercle Cité vergangene Woche gehen, um zu erfahren, dass Rassismus hierzulande keine Seltenheit ist. Die Diskussionsrunde (auf dem Foto Antonia Ganeto, Michael O’Flaherty, Michel-Edouard Ruben) zeigte jedoch, dass das Problem größer ist, als viele je gedacht hatten. Wer meinte, Rassismus sei in Luxemburg nicht so augeprägt wie anderswo, wurde eines Besseren belehrt, auch Integrationsministerin Corinne Cahen, die sagte, sie hätte nie gedacht, dass hierzulande noch so viele Vorurteile herrschen. Wo die Politikerin wohl in den vergangenen Jahren gelebt habe, fragte daraufhin eine Frau. Ob in Schulen oder am Arbeitsplatz, in Behörden, auf der Straße oder auf dem Sportplatz − das Spektrum reicht von Vorurteilen, versteckt in angeblich harmlosen Witzen und Stereotypen, von oft verstecktem bis zu offenem Rassismus. Dass jeder zweite Mitbürger dunkler Hautfarbe in den letzten fünf Jahren rassistisch beleidigt wurde, ist erschreckend. Dabei ist die Gesellschaft angeblich so offen, tolerant und vorurteilsfrei! Jedenfalls tut mehr Sensbilisierung gegen Rassismus Not.

GARE18-2-KopieMobilitätsfrust
Auch wenn der Handelskammer-Direktor Carlo Thelen meint, es gebe keine Alternative zum Wachstum, dessen Symptome sind allgegenwärtig: Nicht enden wollende Blechlawinen auf den Autobahnen und Zufahrtsstraßen zur Hauptstadt − der totale Verkehrskollaps. Die zahlreichen Baustellen sorgen für Chaos. Die Umorganisation der Buslinien hat alles noch überboten. Dass einerseits mit dem öffentlichen Personentransport die Lage verbessert werden soll und nächstes Jahr ab März dieser gratis sein soll und andererseits Parkhäuser renoviert oder ausgebaut bzw. neue entstehen sollen, will niemandem so recht einleuchten. Und der Autor dieser Zeilen, der letzte Woche auf dem Trottoir der Avenue de la liberté einmal mehr sah, dass in der Mehrzahl der Autos nur jeweils eine Person saß, versteht die Mobilitätswelt nicht mehr und muss sich an die eigene Nase fassen. Wenn es stimmt, wie Carlo Thelen sagt, dass wöchentlich pro 250 neue Jobs 150 zusätzliche Pkw kommen, dann ist kein Ende des Mobilitätsfrusts in Sicht.

490_0008_14232266_31_07_2015_Editpress_034880-KopieWare oder öffentliches Gut
Statt „Sekt oder Selters“ nun „Hahn oder Flasche“? Das Recht auf Leitungswasser für alle − so lässt sich die Petition 1319 von fünf Personen zusammenfassen − hat vergangene Woche den Petitionsausschuss des Parlaments beschäftigt. Das Anliegen ist so klar wie frisches Mineralwasser. Das Ziel: der schonende Umgang mit den Ressourcen. Der linke Abgeordnete Marc Baum sprach dem Trinkwasser den Warencharakter ab. Schließlich sei es als öffentliches Gut wie z. B. Atemluft zu betrachten. Herauskam nur, dass eine Sensibilisierungskampagne geplant wird − dagegen müssen die Gäste von Cafés und Restaurants weiter auf trinkbares Leitungswasser verzichten.

490_0008_15159245_10_03_2019_Editpress_460060-KopieSpace Actrice
Wer wird angesichts der nationalen Mobilitätslage gleich in die luft gehen? Die Entdeckung des Weltalls ist jedenfalls nicht mehr ein Privileg der Großmächte. Dies zeigen die Aktivitäten Luxemburgs in den vergangenen Jahren in diesem Sektor. Luxemburg strebt dabei eine führende Rolle an. Nicht nur hat es ein Gesetz über den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden, sondern auch eine eigene Weltraumagentur. 2016 gründete das Großherzogtum die Initiative spaceresources.lu, außerdem ist es Mitglied des UN-Ausschusses zur friedlichen Nutzung des Weltraums. Nun will die Regierung enger mit den Vereinten Nationen kooperieren. So unterzeichneten Kooperationsministerin Paulette Lenert und Simonetta Di Pippo, Direktorin des UN-Büros für Weltraumfragen (UNOOSA), einen Vertrag für das neue UNOOSA-Programm „Space Law for New Space Actors“. Mit dessen Hilfe sollen u.a. Entwicklungsländer bei der Ausarbeitung nationaler Weltraumstrategien unterstützt werden. Lenert sagte, dass 40 Prozent der Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN auf der Nutzung von Satelliten basieren.

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

Author: Philippe Reuter

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