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La vie en rosé

Leichter als ein Rot-, kräftiger als ein Weißwein: Roséweine sind auf Luxemburgs Terrassen überaus beliebt – ob aus der Provence, Apulien oder dem Douro-Tal. Und wie wäre es mit einer prämierten, lokalen Variante?

Fotos: Philippe Reuter

Rosé „made in Luxembourg“ gibt es nicht? Gibt es doch. Insbesondere in Frühling und Sommer findet die Weinsorte großen Anklang, auch beim weiblichen Publikum. Nun hat der Verein „Lucilivines“ einen heimischen Wein zu seinem Favoriten erkoren. Mitglieder des Verbands, der seit 2012 besteht, sind exklusiv Frauen. Viele von ihnen sind Winzerinnen, Sommeliers oder frühere Weinköniginnen. Andere sind einfach nur Weinliebhaberinnen, oder sogar Neulinge, wie Präsidentin Tess Burton erzählt. „Ziel von ‚Lucilivines‘ ist es, luxemburgische Weine zu fördern und die hiesigen Winzer zu unterstützen“, sagt sie. Lokale Weine seien zwar beliebt, dennoch werde oft zu ausländischen Pendants gegriffen. Hinzukommt, dass die Mosel hauptsächlich für die Produktion von Weißweinen bekannt ist, ob nun als Still- oder Schaumweine. Rebsorten wie Elbling, Pinot blanc, Riesling, Rivaner, Auxerrois und Pinot gris dominieren die Anbauflächen. Daneben gibt es einige Rotweine, die überwiegend aus den Rebsorten Gamay, Saint Laurent und Pinot noir hergestellt werden. Besonders letzterer gewinnt derzeit an Bedeutung, und das nicht zuletzt, weil Pinot noir als Grundwein für Crémant und Rosé verwendet werden kann.

Bewertet wurden vor allem drei Kriterien: Geruch, Farbe und Gesamtharmonie.

Immerhin 18 luxemburgische Roséweine schafften es in die Vorauswahl von „Lucilivines“ – der Vereinsname ist übrigens ein Wortspiel aus den Begriffen „Lucilinburhuc“ und „vines“ (englisch für „Reben“). Rund 35 Mitglieder erklärten sich bereit, die Weine unter professionellen Bedingungen im „Institut viti-vincole“ (IVV) in Remich zu probieren und zu bewerten. „Die Verkostung war einmalig: Ausschließlich Frauen haben daran teilgenommen“, erklärt Burton. „Uns war dabei wichtig, eine ganz persönliche Wahl zu treffen. Bei einem Restaurantbesuch sind es meistens die Männer, die entscheiden, welcher Wein zu Tisch getrunken wird. Der von uns ausgewählte Rosé wird hingegen von Frauen für Frauen empfohlen“. Beurteilt wurden vor allem drei Kriterien: Geruch, Farbe und Gesamtharmonie. Abgestimmt wurde pro Tisch, eine vierköpfige Jury sowie die „Lucilivines“-Präsidentin segneten das Ergebnis ab. Als Sieger ging der Pinot Noir Rosé 2018 der „Caves Berna“ hervor. Der Wein des Privatwinzers darf nun als erster die Auszeichnung „Sélection Lucilivines – Femmes et Vins de Luxembourg“ tragen. Noch ist das Siegel neu. In den kommenden Jahren könnte es jedoch an Bedeutung gewinnen.

„Die Rosé-Verkostung war einmalig. Ausschließlich Frauen haben daran teilgenommen.“ 
Tess Burton, Präsidentin von „Lucilivines“

Ein Äquivalent von „Lucilivines“ existiert ebenfalls in Deutschland. Dort heißt die Plattform „Vinissima“. Hier stehen Wissensaustausch, Gemeinschaft, Weiterbildung und Förderung genauso im Mittelpunkt, wenn auch nur für Frauen, die professionell in der Weinbranche tätig sind. Das Konzept hat sich in den vergangenen Jahren bewährt, das Netzwerk wächst beständig – so wie das in Luxemburg. Seit der Gründung vor sieben Jahren kann Tess Burton einige Veränderungen feststellen: „Unser Komitee ist sehr jung. Außerdem werden immer mehr Frauen in diesem Bereich aktiv. Sie entscheiden sich sogar, Weinbau und Önologie beispielsweise in Neustadt oder Geisenheim zu studieren.“ Vorreiterinnen seien hierzulande Frauen wie Anouk Bastian, Isabelle Gales, Laurence Duhr und viele andere. Der Elan sei jedenfalls da. Selbst wenn es hie und da noch etwas an „weiblicher Perspektive“ fehle. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Einführung einer Prämierung ist jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.

Tess Burton
Jahrgang 1985, ist seit 2018 Präsidentin von „Lucilivines“, arbeitet im Verlagshaus der „Muselzeidung & Sauerzeidung“, das ihr Vater vor rund 30 Jahren gründete. Daneben führt Burton einen Dekorationsartikel-Laden und ist Präsidentin des Geschäftsverbands von Grevenmacher. Die 34-Jährige ist zudem Präsidentin der Agrarkommission und hat seit 2013 einen Sitz als Abgeordnete (LSAP) in der Chambre des Députés inne.

Françoise Stoll

Journalistin

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

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Author: Martine Decker

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