Interview

Design für alle

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bild von Design verändert: Designer, aber auch die Gesellschaft, nehmen es in einem neuen Licht wahr. Der „Design Friends“-Präsident Silvano Vidale über den Sinn der unelitären Community.

Revue: Herr Vidale, was ist eigentlich Design?
Silvano Vidale: Design ist etwas, was uns das Leben vereinfacht. Es hat seine Daseinsberechtigung, weil es ein bestimmtes Problem löst. Ein Designer findet für ein dieses Problem eine Antwort. Als Grafikdesigner erstelle ich zum Beispiel für eine Firma eine eigene Identität. Kunst ist dagegen immer nur die Idee etwas umzusetzen. Design spielt im alltäglichen Leben und damit in der breiten Öffentlichkeit eine immer größere Rolle.

Was verbirgt sich hinter Design Friends?
Wir wollen Design-Interessierte zusammenbringen – mit dem Ziel, ihre Begeisterung für Design zu teilen und sie für das Thema Kreativität zu sensibilisieren. Wir organisieren regelmäßig Ausstellungen und Konferenzen zu verschiedenen Themen rund um Design. Im gleichen Kontext kreiert und veröffentlicht unser Verein mehrmals jährlich verschiedene Kataloge. Dabei kooperieren wir häufig mit dem Mudam, das uns seine Räume für unsere Konferenzen mit bekannten Designern zur Verfügung stellt. Aber auch mit den CarréRotondes oder dem Casino Luxembourg arbeiten wir zusammen.

Wie ist der Non-Profit-Verein entstanden und mit welchem Ziel?
Eine Hand voll Leute, die im Großherzogtum im Bereich Design arbeiten, haben 1995 den Berufsverband Design Luxembourg ins Leben gerufen. Zwischen 2004 und 2007 haben wir unter anderem verschiedene kulturelle Veranstaltungen organisiert, um erstmals professionelle Lobbyarbeit für die Designer im Land zu machen. Leider fanden die Konferenzen jedoch unregelmäßig statt, da die finanziellen und personellen Mittel eines Berufsverbandes aufgrund seiner eingeschränkten Mitgliederzahl sehr begrenzt sind. Deshalb haben wir im April 2009 als Ableger die Interessengemeinschaft Design Friends gegründet. Hier ist unsere Mission, gutes Design in seiner Vielfalt in konkreten Anwendungen vorzustellen und einem breiten Publikum näher zu bringen.

Sie bieten Interessierten eine Mitgliedschaft an…
Ja, und die kostet derzeit 30 Euro pro Jahr, Studenten bezahlen jedoch die Hälfte. Wer bei uns Mitglied wird, bekommt zusätzlich vier Kataloge zu Designthemen, die von verschiedenen Luxemburger Grafikdesignern oder Grafikstudenten selbst kreiert werden. Die so genannten „Goldmitglieder“ zahlen 100 Euro pro Jahr. Sie unterstützen unseren Verein stärker, engagieren sich mehr und halten ihn finanziell auch über Wasser. Ohne sie und unsere Partnersponsoren, die uns finanziell unter die Arme greifen, würde es schwer werden.

Wie angesagt ist Design Friends?
Momentan haben wir rund 200 Mitglieder, davon sind 36 Goldmitglieder. Seit Dezember letzten Jahres versuchen wir auch speziell Studenten zu fördern und zu unterstützen. Hochschüler können für ihren Mitgliedsbeitrag bei uns ihr eigenes Portfolio auf unserer Internetseite veröffentlichen und so auf sich und ihre Arbeiten aufmerksam machen. Das ist eine prima Werbeplattform für sie. Leider nehmen dieses Angebot derzeit nur wenige Studenten wahr, was sicher auch damit zu tun hat, dass es hier an der Uni Luxemburg noch kein Designstudium gibt. Natürlich wünschen wir uns für die Zukunft noch mehr interessierte Mitglieder aus allen Bereichen.

Viele verbinden mit Design einen gewissen elitären Touch. Wie ist das bei Design Friends?
Wir sind nicht elitär und haben auch keine bestimmte Zielgruppe. Wir sind wirklich offen für alle. Design Friends hat Mitglieder jeden Alters. Anfangs dachte ich, dass wir mit unserer Community überwiegend hauptberufliche Designer anziehen. Das hat sich jedoch nicht bewahrheitet, denn heute kommen die meisten unserer Mitglieder gar nicht aus dem Designbereich. Das hat mich zuerst etwas erstaunt, doch inzwischen finde ich diese Mischung aus Designern und Nichtdesignern sehr konstruktiv und interessant.

Und wie sehen Sie als Grafikdesigner Design made in Luxembourg heute?
Im Großherzogtum gibt es derzeit viele Designstudios und viele selbstständige Designer – und das in fast allen Bereichen. Vor zehn Jahren hatte ich dagegen den Eindruck, dass wir hierzulande in Sachen Design hinterherhinken. Das sehe ich heute nicht mehr so, denn es gibt immer mehr gute Nachwuchsdesigner, die nachrücken. Natürlich gibt es aber auch schlechtes Design im Land. Das hängt aber damit zusammen, dass einige Leute falsch beraten werden, keinen professionellen Rat annehmen oder sogar selbst als Laie an bestimmten Designbereichen herumbasteln. Seit der Verbreitung des weltweiten Internets sind auch designtechnisch viel mehr Möglichkeiten entstanden, die für (fast) jeden jederzeit zugänglich sind.


Event Infos

Design Friends organisiert vom 7. bis 26. Februar die Möbelausstellung „Thonet Essence a Selection of Chairs & Furniture“ im Cercle Ratskeller des hauptstädtischen Cercle Cité, geöffnet von 11 bis 19 Uhr, freier Eintritt. Im Rahmen der Expo findet zudem am 16. Februar um 18.30 Uhr ein Vortrag des deutschen Designers Stefan Diez statt, der mit „Review & Preview“ einen Ausschnitt aus seinen Arbeiten zeigt.

Weitere Infos: www.designfriends.lu.

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Design für alle

Eric Chenal, Jessica Theis, ART+COM

Silvano Vidale, 36, diplomierter Grafikdesigner und Partner im hauptstädtischen Designbüro „Vidale-Gloesener“, ist seit 2009 Präsident der Luxemburger Non-Profit-Vereinigung „Design Friends“. Sein Designbüro erhielt unzählige bekannte Auszeichnungen im In- und Ausland.

Eric Chenal, Jessica Theis, ART+COM

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Eric Chenal, Jessica Theis, ART+COM

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