Gastronomie
Köchin im Netz
09.02.2012, 12:04 –
Was haben Tartelette, Chili und Ciabatta mit Küchenlatein gemeinsam? Hier handelt es sich um Food-Blogs, die von Kochwütigen aus aller Welt betrieben werden. Revue hat die luxemburgische Food-Bloggerin Paule Schram besucht, um sich ein Bild von diesen kulinarischen Web-Tagebüchern zu machen.
Wie viele Kochbücher ich genau habe, weiß ich gar nicht“, lacht Paule Schram. „Sie liegen überall verstreut durch die Wohnung.“ Aber eines weiß sie genau, nämlich wann die Kochlust sie zum ersten Mal packte. „Ich habe mit meinen Eltern und Großeltern zusammen in einem Drei-Generationen-Haus gewohnt und konnte so meiner Oma beim Kochen und Backen zusehen. Damals habe ich, wenn mir langweilig war, kein Fernsehen geschaut, sondern einen Kuchen gebacken“, erklärt die 40-Jährige aus Helmsingen. Heute kocht und backt sie für ihren Mann Aleksandar, den sie – wie all die Männer der Food-Bloggerinnen – fast ein bisschen bedauert. Aber Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.
Bei Paule kommt kein Fertiggericht auf den Tisch. Fast schämt sie sich ein bisschen als sie mir Cheesecake-Marroni-Küchlein anbietet, deren Boden sie aus gekauften Keksen gemacht hat. „Ich versuche so weit es geht alles selbst herzustellen. Mein Traum wäre es, Selbstversorger zu sein – mit Gemüsegarten und Milchkuh“, grinst sie. „Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.“
„ Mein Traum wäre es, Selbstversorger zu sein – mit Gemüsegarten und Milchkuh.“ Paule Schram
Doch manchmal passieren die Dinge doch schneller als es einem lieb ist. Diese Erfahrung hat sie mit ihrem Blog gemacht. Angefangen hat alles ganz zufällig vor drei Jahren. Ihr Mann, Informatiker von Beruf, reservierte ihr die Domain „paules.lu“. Lange Zeit wusste die gelernte Grafikerin aber nicht genau, was sie damit anfangen sollte. Zuerst dachte sie an eine normale Homepage. Doch dann gefiel ihr die Idee von einem Blog besser. So setzte sie ein paar Rezepte online und war ganz überrascht über die vielen Kommentare. Dies stachelte ihren Ehrgeiz an, und so wurde aus ein paar zufällig geposteten Rezepten ein Blog mit zahlreichen Anhängern und über 200 verschiedenen Gerichten.
„Ich versuche pro Woche ein Gericht online zu setzen. Das genügt mir, denn die Qualität meiner Rezepte und Fotos ist mir doch sehr wichtig.“ So möchte die talentierte Hobbyköchin nicht über jedes noch so unwichtige Ereignis in ihrem Leben berichten, sondern ihren Blog nur den köstlichen Speisen widmen, die sie in ihrer kleinen, aber feinen Küche zaubert. Die Fotos macht sie natürlich auch selbst – und darauf ist sie mit Recht ein bisschen stolz. Bei gutem Wetter fotografiert sie in ihrem kleinen Garten, momentan baut sie sich aber ein Mini-Studio in ihrem Schlafzimmer auf. Einen Stuhl, ein paar Holzplatten, Reflektoren aus Styropor und ein Stativ, mehr braucht sie nicht dazu. Die eigentlichen Stars sind die Muffins und andere Köstlichkeiten. Obwohl ihr Blog viele Leser anzieht, war sie doch ganz überrascht, als letztes Jahr eine Nominierung zum Brigitte Food-Blog-Award in ihren Briefkasten flatterte. Ihre Freude war groß. „Normalerweise werden wir Blogger nur belächelt und nicht von den Printmedien anerkannt“, erklärt sie. Die Zeitschrift Brigitte nominierte 2011 fünf Food-Blogs pro Monat, für die die Leser dann online abstimmen konnten. Unter den Finalisten der jeweiligen Monate ermittelte dann die Jury den Gewinner des Awards. Hauptgewinn war eine Rezeptstrecke, die in den Brigitte Kochstudios gekocht und in der Zeitung abgedruckt wurde. Dies hätte Paule natürlich gereizt, aber leider wurde sie beim Kopf-an-Kopf-Rennen im Monat November „nur“ Zweite. „Aber das ist ok, denn der Gewinner hat wirklich eine tolle Seite“, lächelt sie. „Allein schon die Nominierung ist eine riesige Bereicherung für mich und meinen Blog.“
Nur denkt nicht jeder Food-Blogger so wie sie. Neid ist ein großes Thema in dieser „Szene“. „Man kann es nicht jedem recht machen“, erklärt sie. Negative Reaktionen oder unangebrachte Kommentare hat sie auch schon erlebt. „Wir sitzen alle in einem Boot. Dennoch arbeiten viele gegeneinander und gönnen dem anderen nichts.“ Aber Gott sei Dank sind die negativen Reaktionen auf Paules Blog eher rar, denn den Meisten gefällt, was sie tut. Und so wird sie oft auf ihren Blog angesprochen und nach Rezepten gefragt. Viel Zeit für andere Hobbys hat Paule aber nicht. Abends sitzt sie normalerweise auf dem Sofa mit dem Laptop auf den Knien und werkelt an ihrer Seite oder inspiriert sich in Kochbüchern und -zeitungen. Zum Fernsehen hat sie wenig Zeit und Lust. Nur selten sieht sie sich Kochshows an. Aber das braucht sie ja auch nicht, denn beim Kochen kann man ihr nicht so schnell was vormachen.
Rezepte
Makkaroni mit Taleggio und Brokkoli
Ierbsebulli – Erbseneintopf nach Großmutters Art
Bananen-Pancakes mit Passionsfrucht-Butter
Mini-Möhrenkuchen mit Glasur und viel Liebe



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