Gewinnen Sie
2 x 2 Tickets zum Bruce Springsteen Konzert
Jede Woche locken attraktive Preise. Gewinnen Sie 2 VIP-Tickets und 2 Tribünentickets für das Konzert mit “Bruce Springsteen & The E-Street-Band” am 5.7.2013 in Mönchengladbach Mehr…
Jede Woche locken attraktive Preise. Gewinnen Sie 2 VIP-Tickets und 2 Tribünentickets für das Konzert mit “Bruce Springsteen & The E-Street-Band” am 5.7.2013 in Mönchengladbach Mehr…
Kleintierzüchter gehören zu Luxemburg wie das Amen in der Kirche. Wir haben diese spezielle Leidenschaft unter die Lupe genommen und uns bei ein paar der fast 4.000 Mitglieder des Verbandes umgeschaut. Mehr…
21.05.2013, 13:10 –
Luxemburg im Frühjahr 2013: Die SREL-Affäre schwelt seit Monaten. Regelmäßig kommen Details ans Tageslicht, die so brisant sind, dass kein Teppich groß genug ist, um sie drunter zu kehren. Mehr…
03.08.2012, 14:24 –
Vor zehn Jahren rief „Lady Rosa of Luxembourg“ einen Sturm der Entrüstung hervor. Heute steht Sanja Ivekovics Skulptur im Mittelpunkt der höchst interessanten Ausstellung „Waiting for the Revolution“, und niemand nimmt mehr Anstoß an der schwangeren „Gëlle Fra“.
Frau sein ist nicht immer einfach. Damit, dass Sanja Ivekovic mit einem Kunstwerk den sozialen Frieden im eigentlich recht konsensorientierten Luxemburg aufs Spiel setzen würde, hatte die Kroatin indes nicht gerechnet. „Lady Rosa of Luxembourg“ heißt das Objekt des Anstoßes. Eine Replik der „Gëlle Fra“, die als „Monument du Souvenir“ an die Opfer der beiden Weltkriege sowie des Koreakriegs erinnert. Allerdings hat die 1949 in Zagreb geborene Künstlerin das Originaldenkmal in einigen Details verändert. So wird die vergoldete Frauenfigur als schwanger dargestellt, und die Gedenkschriften sind durch eine Reihe von englischen, deutschen und französischen Begriffen ersetzt worden. Neben Schlagwörtern aus dem Bereich Kultur – „Kitsch“, „Kapital“, „Kunst“ – stehen Beschimpfungen wie „Bitch“ und „Whore“, aber auch universelle Begriffe wie „La Résistance“, „La Liberté“ und „La Justice“. Der Titel der Arbeit seinerseits bezieht sich auf eine historische Gestalt: Rosa Luxemburg, deutsche Antimilitaristin und kommunistische Aktivistin.
Mit „Waiting for the Revolution“ unterstreicht Sanja Ivekovic die Geringfügigkeit der Rolle, die Frauen in der offiziellen Geschichtsschreibung spielen dürfen.
Bereits das Aufstellen der Skulptur im März 2001, rund 100 Meter von der „Gëlle Fra“ entfernt, löst einen Sturm der Entrüstung aus. In den folgenden Wochen und Monaten erscheinen in der luxemburgischen Presse über 700 Artikel und Leserbriefe zur „Affäre Lady Rosa“. Privatleute, Journalisten, Personen des öffentlichen Lebens, Verbände und politische Parteien erheben gleichermaßen die Stimme für oder gegen das Kunstwerk. Sogar als die Skulptur Ende Juni wieder aus dem Stadtbild verschwindet, kehrt keine Ruhe ein, denn das provisorische Koordinationskomitee „Nein zur Gëlle Fra 2“ fordert weiterhin den Rücktritt von Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges sowie eine klare Stellungnahme von Premier Jean-Claude Juncker und eine Entschuldigung der Ausstellungsverantwortlichen. Was die Künstlerin Sanja Ivekovic, die sich seit den frühen 1970er Jahren künstlerisch mit den Geschlechterrollen, den Medien und Fragen der Identität auseinander setzt, mit ihrer „Lady Rosa of Luxembourg“ zum Ausdruck bringen wollte, bleibt bei den äußerst heftigen Debatten fast völlig auf der Strecke. Es geht um das Leiden von Frauen in Kriegszeiten und darum, dass das weibliche Geschlecht in Sachen Kriegsdenkmäler kaum Beachtung findet. Die Retrospektive „Waiting for the Revolution“, die das Objekt des einstigen Anstoßes deutlich in den Vordergrund stellt, präsentiert allerdings nicht nur rückblickend die Chronik der beispiellosen Kontroverse, sondern zeigt vor allem, wie charakteristisch das Werk für das Schaffen der engagierten Künstlerin ist. So reflektieren schon erste Fotomontagen und Videos wie „Bitter Life“ und „Make Up-Make Down“ ihre Position als Angehörige der „Minderheit“ von Künstlerinnen in einer von ihr als patriarchalisch verstandenen Gesellschaft.
Schauen, tasten, zuhören und staunen: Die acht sehr unterschiedlichen Ausstellungen stellen mehr als nur einen Empfindungssinn auf die Probe.
„Ich bin keine Künstlerin, die Antworten gibt, sondern eine, die Fragen stellt“, erklärt Sanja Ivekovic ihre kritische Reaktion auf diverse „Ausnahmezustände“. Der Fall der Berliner Mauer und die Auflösung Jugoslawiens spielen in ihren Arbeiten zum Thema der kollektiven Erinnerung eine wichtige Rolle. Dabei ruft die Künstlerin vor allem verdrängte und vergessene Ereignisse wieder in Erinnerung: die Vernichtung von Roma und Sinti durch die Nationalsozialisten („Rohrbach Living Memorial“), das Gwangju-Massaker bei den Volksaufständen in Südkorea im Mai 1980 („On the Barricades“), der antifaschistische Widerstand in ihrer Heimat („Gen XX“). Die Bilder dieser Reihe wurden ursprünglich als Anzeigen in kroatischen Zeitschriften geschaltet. Logos und Slogans sind jedoch durch Namen und Kurzbiografien von Frauen ersetzt, die während der kommunistischen Zeit als „nationale Heldinnen“ bekannt waren und heute weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind. Die einzige Aufnahme, die kein Werbefoto ist, stellt die Mutter der Künstlerin dar, die zwei Jahre im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau interniert war.
Höchst aufschlussreich ist ebenfalls die Werkreihe „Women’s House (Sunglasses)“, die aus der Zusammenarbeit zwischen Sanja Ivekovic und Frauenhäusern in Luxemburg, Zagreb, Bangkok, Pristina und Utrecht entstanden ist. Dadurch, dass die erschreckend ähnlichen Aussagen misshandelter Frauen mit wunderschönen Bildern aus der Werbung kombiniert werden, auf denen die Dargestellten Sonnenbrillen tragen, bekommt dieses Accessoire eine vollkommen andere Bedeutung. Man sollte sich genügend Zeit für „Waiting for the Revolution“ nehmen und auch nicht davor zurückschrecken, eines der auf dem Boden liegenden Blätter aufzuheben. Es handelt sich dabei nämlich um Kopien des letzten Luxemburger Berichts, der im Rahmen der Konvention zur Aufhebung aller Formen von Unterdrückung von Frauen (CEDAW) verfasst wurde und bestätigt, dass Gewalt und Ausbeutung hierzulande durchaus ein Thema sind.
Neben der umfassenden Werkschau, die Sanja Ivekovic gewidmet ist, gibt es im Mudam aber auch weitere interessante Ausstellungen zu entdecken. Zum Entspannen lädt die britische Fotografin Emily Bates mit ihrer Bildergeschichte „The sky is glowing with the setting sun“ ein. Die Aufnahmen entstanden im Süden Japans, auf einer Reihe von zerklüfteten und dicht mit tropischen Wäldern bewachsenen Inseln. Dort ist die Künstlerin einigen älteren Frauen begegnet, welche die Lieder ihrer Vorfahren singen, um das Meer zu besänftigen, giftige Schlangen zu bannen und reiche Ernten zu erbitten. Die Räume sind von den Klängen traditioneller Trommeln erfüllt. Von den Stimmen der Hüterinnen eines jahrhundertealten Wissens. Und von der Ruhe der Natur, die leider immer häufiger von Touristen gestört wird. Staunen wird der Besucher im Henry J. und Erna D.-Pavillon, wo die New Yorker Künstlerin Sarah Sze – auf Einladung des Mudam – eine eigenwillige Konstruktion aus Glühbirnenschachteln, Topfpflanzen, Bürolampen, bunten Fäden und vielen anderen alltäglichen Gegenständen geschaffen hat. Was bei „Fixed points finding a home“ wie zufällig zusammengewürfelt aussieht und jeden Augenblick einzufallen droht, ist mit größter Präzision ausgewählt und zusammengefügt worden. Meist für wenig beachtete Orte wie Treppenhäuser, Fensternischen oder Raumecken geschaffen, stellen die luftigen und gleichzeitig komplexen Installationen allgemeine Fragen nach der Maßstäblichkeit, nach groß und klein, schwer und leicht, nah und fern sowie nach dem Aufwand ihrer Herstellung und nach ihrer Vergänglichkeit.
Für unerwartete Abwechslung sorgt im Mudam das von den Designerinnen Céline Merhand und Anaïs Morel konzipierte Projekt „Sensorium“. Statt bloß zu schauen, darf der Besucher schnuppern, essen, berühren, die Schuhe ausziehen und sich auf ein verwirrendes Spiel zwischen Sehen und Fühlen einlassen. Begleitet wird diese Ausstellung von mehreren Workshops, in deren Mittelpunkt jeweils einer der fünf Geschmackssinne steht: sehen, schmecken, hören, tasten und riechen. „Les détours de l’abstraction“ mit diversen Werken aus der Sammlung des Museums, mehrere Filme von Filipa César, grafische Arbeiten von Simon Evans und Steven C. Harveys düstere Visionen einer apokalyptischen Zukunft runden das Sommerprogramm des Mudam ab. Ein Besuch bei Regen ist nicht zu empfehlen, denn – wie bei jeder Frau – bringt vor allem das Sonnenlicht „Lady Rosa of Luxembourg“ so richtig zum Glänzen.