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Lang oder länger?

60 Tonnen schwer. 25 Meter lang. Zwei Zahlen, mit denen die Gigaliner, Megaliner oder 60-Tonner, wie sie bezeichnet werden, beeindrucken. Über den Einsatz von „Lang-LKWs“, die vor allem in Nordamerika schon seit geraumer Zeit fest zum Straßenbild gehören, wird in Europa immer wieder diskutiert.

Bereits 2013 wollte die EU-Kommission die Richtlinie für LKW-Maße und – Gewichte abändern, um grenzüberschreitende Fahrten der 60-Tonner zu legalisieren. Dieser Schritt hätte mittelfristig den Einzug der Gigaliner ins europäische Straßenbild bedeutet. Doch das Europäische Parlament machte 2014 einen Strich durch die Pläne der Kommission und verlangte eine Folgenabschätzung einer solchen Entscheidung.

Während auf EU-Ebene demnach weiterhin über lang oder länger debattiert wird und noch nichts beschlossene Sache ist, haben sich schon mehrere Länder, wie Großbritannien, Österreich und die Schweiz, gegen die überlangen Lastwagen ausgesprochen. In anderen Staaten, wie in Schweden, Finnland und in den Niederlanden, rollen sie indes bereits. Besonders die Position der Niederlande ist für Luxemburg von Interesse, denn in Anbetracht der ausstehenden EU- Entscheidung wird auf Benelux-Ebene gegenwärtig über ein mögliches Abkommen für die Gigaliner diskutiert.

Der DP-Abgeordnete Gusty Graas, der Luxemburg im Benelux-Parlament vertritt, hatte in dem Zusammenhang Ende Januar eine parlamentarische Anfrage an Transportminister François Bausch (déi gréng) gerichtet. Dessen offizielle Antwort steht noch aus, doch gegenüber dem Tageblatt hat er sich als „entschiedenen Gigaliner- Gegner“ ausgesprochen. Bausch plädierte erneut dafür den Gütertransport vermehrt auf die Schiene statt auf die Straße zu bringen. Das Grünen-Mantra von „mehr Schiene“ ist durchaus nachvollziehbar, schließlich ist das dicht befahrene Straßennetz in Europa größtenteils ungeeignet für diese Riesenbrummis.

Nicht nur aus ökologischer Sicht bringen die Megaliner keinesfalls Fortschritt.

Alleine das Anpassen des Verkehrsnetzes für die 25-Meter-Kolosse würde Milliarden verschlingen. Die Megaliner-Lobby argumentiert zwar, dass größere Brummis pro Fahrt mehr Fracht transportieren könnten, was Fahrten allgemein und CO2 im Spezifischen einsparen würde. Studien haben gezeigt, dass mehr Kapazität auf der Straße auch eine Verlagerung des Gütertransports in diese Richtung bedeutet.

In den Niederlanden rollen die Megaliner vor allem aus einem Grund: Durch die Lobbyarbeit der Verbände des niederländischen Transportwesens, die alles andere als grüne Samariter sind. Ihnen geht es weniger um den Umweltschutz, als vielmehr um den schnöden Mammon. Größere LKWs sparen Kosten. Nicht nur, aber vor allem beim Personal.

Und genau dort drückt der Schuh: Schon jetzt stehen LKW-Fahrer unter Druck und sind schlecht bezahlt (siehe auch unser Hintergrund S.12 in der aktuellen Ausgabe). Das Transportieren von mehr Fracht nach dem „just in time“-Prinzip wird den Stress für die Fahrer nochmals erhöhen. Demnach wären Riesen-LKWs nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus sozialer Sicht keinesfalls ein Fortschritt.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Georges Noesen

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