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Langschläfergipfel

Bringen Klimagipfel etwas? Rio, Kopenhagen, Johannesburg, Kyoto – die Liste erinnert an das Programm für eine Weltreise, auf die sich Umweltpolitiker und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen in schöner Regelmäßigkeit per Kerosinschleuder begeben. Es wird viel geredet und wenig gehandelt. Das Ergebnis ist meist mager.

Derweil erklingen Weckrufe wie zum Beispiel von der Weltorganisation für Meteorologie. Diese meldete in ihrem jüngsten Bericht, dass die Konzentration klimaschädlicher Treibhausgase in der Erdatmosphäre einen neuen Höchststand erreicht hat. Doch die Reaktionen auf die Weckrufe sind ungefähr so wie die eines Langschläfers auf das Klingeln des Weckers. Der Langschläfer hört es, schaltet den Wecker aus und schläft weiter.

Wie war es letzte Woche in New York? Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs kamen zum Klimagipfel der Vereinten Nationen. Luxemburg war durch die grüne Umweltministerin Carole Dieschbourg vertreten. Sie erwartete, dass Gelder in konkrete Projekte fließen. Mit dem UN-Klimafonds wollen die Industrieländer den Entwicklungsländern im Kampf gegen den Klimawandel helfen. Bis Jahresende sollen es zehn Milliarden US-Dollar sein. Magere 2,3 Milliarden sind es  bislang. Luxemburg zahlt 6,8 Millionen Dollar ein.

Es ist Zeit zu handeln und nicht, mit Emissionen zu dealen.

Auch wenn US-Präsident Barack Obama ankündigte, eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu übernehmen und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon von einem „historischen Tag“ sprach, gab es außer positiven Signalen und vielen Versprechen
nicht viel Neues. Außer Spesen nichts gewesen? Immerhin wollen die USA ihre Kraftwerke modernisieren, China setzt auf erneuerbare Energie, und die Konzerne feilen daran, wie am besten vom Klimaschutz zu profitieren ist.

Und Luxemburg? Im Rahmen des Kyoto-Protokolls hatte sich das Großherzogtum das Ziel gesetzt, seinen Kohlendioxidausstoß im Vergleich zu 1990 um 28 Prozent zu verringern. Bis 2011 gelang es nur um 8,1 Prozent. Statt auf eigene
Reduzierung setzte man auf den Kauf von Emissionsrechten. Doch der Spielraum für diesen Freikauf, eine Art Ablasshandel, ist enger geworden. Es ist also Zeit zu handeln und nicht, mit Emissionen zu dealen. Das grüne Team um Carole
Dieschbourg, Camille Gira und François Bausch steht vor großen Herausforderungen. Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet die Weltklimakonferenz in Paris statt. Dann hat Luxemburg die EU-Ratspräsidentschaft inne, und dann soll der Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll mit verbindlichen Zielen vereinbart werden. Ein weiterer Zwischenstopp für Gipfel-Hopper wäre verlorene Zeit.

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: Georges Noesen

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