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Leben auf der Schueberfouer

Sie sind ständig auf Reisen. Von Kirmes zu Kirmes. Und begeistern mit ihren Fahrgeschäften Groß und Klein. Aber wie sieht das Leben auf dem Rummelplatz zwischen Karussell und Wohnwagen wirklich aus?

„Schausteller ist kein Beruf. Es ist eine Berufung“, betont der „Happy Sailor“-Kapitän Manfred Howey. „Du musst eine Liebe dazu hegen“. Mit seiner Seesturmbahn geht er dieses Jahr in die 40. Saison. Es ist sein ganzer Stolz, doch die Karriere des 75-Jährigen macht ihn schon fast zu einer Rummelplatz-Legende. Festplätze und Karussells gehören schon seit der Kindheit zu seinem Alltag. „1920 hat meine Mutter angefangen, Eisspezialitäten zu verkaufen, und als Kind habe ich in ihrem Eiswagen schon ausgeholfen. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Er ist 1944 in Italien gefallen“, verrät Manfred. „Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich auf Reisen, und seit meinem 19. bin ich selbstständig.“

„Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich auf Reisen, und seit meinem 19. bin ich selbstständig.“ 
Manfred Howey, Schausteller

Den größten Teil des Jahres lebt er deshalb, wie viele Schausteller, in einem Wohnwagen, zusammen mit seinem treuen Vierbeiner Felix. „Der ist mir gestern ausgebüxt. Ich musste ihn bei der Polizei abholen“, erzählt er amüsiert. Im Wohnwagen fallen sofort die goldene Tapete auf und der Glastisch mit dem goldenen Schwann neben der blauen Ledercouch. An der Wand hängt ein beeindruckender, auch in Gold, verzierter Spiegel. „Seitdem ich die Schlösser der französischen Könige besucht habe, hat Gold-Deko es mir angetan. Ich habe alles nach meinen Wünschen eingerichtet.“ Die Wohnfläche von achteinhalb Metern Länge und fünf Metern Breite ist voll ausgestattet, mit einem geräumigen Bad und einem gemütlichen Schlafzimmer. Sogar eine Einbauküche gibt es. „Das ist alles noch jungfräulich, denn ich koche meistens nur Teewasser“, verrät Howey. Der gebürtige Bremer ist Kunstliebhaber, und wenn die Zeit es ihm erlaubt, besucht, er hier in Luxemburg während seines „Fouer-Aufenthalts“ ab und zu den Wochenmarkt oder am Sonntag den Trödelmarkt vor dem Rathaus. „Da habe ich einen aus Eisen gegossenen Frauenkopf gekauft“, erzählt er ganz begeistert. „Den habe ich sandstrahlen und vergolden lassen. Er hängt zu Hause in meiner Gästetoilette.“ Ganz stolz zeigt er einen Award, der ihm 2014 als bestes Fahrgeschäft auf der Cranger Kirmes überreicht wurde. Man sieht dem 75-Jährigen die Begeisterung an. Dieser Mann lebt für seinen Beruf. Ob er irgendwann mal an die Rente gedacht hat, scheint als Frage schon fast unangemessen.

Zwischen Ende Dezember und Ostern haben die Segelschiffe des „Happy Sailor“ aber Pause, und dann verbringt Manfred Zeit in seinem Mehrfamilienhaus in Deutschland: eine 100-Quadratmeter-Wohnung, in der er sich dann richtig erholen kann. „Es ist eine Insel der Ruhe. Wir haben nämlich ein stressiges und arbeitsreiches Leben.“

In seinem fahrbaren Zuhause verbringt er jedoch nicht so viel Zeit. Die Tage sind lang und anstrengend. „Ich sitze den ganzen Tag an der Kasse und begrüße die Gäste“, erklärt Manfred. Sein 14,5 Meter langes Kombifahrzeug besteht aber nicht nur aus einem luxuriösen Wohnbereich. Im hinteren Bereich gibt es noch Stauraum für die 20 Schiffsgondeln seines Karussells.

In seinem fahrbaren Zuhause verbringt er nicht viel Zeit. Die Tage sind lang und anstrengend.

„Diesen Wohnwagen habe ich mir vor 25 Jahren zu meinem 50. Geburtstag geschenkt. Bis dahin hatte ich einen Campingwagen“, verrät der Schausteller aus Bremen. „Der Preis liegt bei dem eines Einfamilienhauses.“ Ein durchdachtes und praktisches Detail sind die ausfahrbaren Elemente, über die der imposante Wohnwagen verfügt. So ist das Wohnmobil auf dem Stellplatz größer, als wenn es unterwegs ist. „Hier passt keine Maus mehr rein, wenn das Ding zusammengeklappt ist“, betont Manfred Howey. Seit fast 40 Jahren ist er mit dem Familienkarussell „Happy Sailor“ unterwegs. Eine Seesturmbahn auf der es rasant auf und ab, vor- und rückwärts geht. Eine Art Dauerbrenner, den nur die wenigsten nicht kennen. Zwischen sieben und acht Mitarbeiter beschäftigt Howey bei seinem Familienkarussell.

„Ich habe das Fahrgeschäft 1979 von der Firma Mack anfertigen lassen. Gesamtkosten: 1,25 Millionen D-Mark.“ Die Firma Mack ist ein Familienunternehmen bei Freiburg, das vor 238 Jahren mit dem Bau von Fuhrgeschäften begann und seit 1921 Achter- und Wasserbahnen herstellt. Heutzutage betreibt die Firma den Europa-Park, den größten Freizeitpark Deutschlands.

„Schausteller ist kein Beruf. Es ist eine Berufung.“
Manfred Howey, Schausteller

„Die Luxemburger sind sehr volksfestfreundlich“, weiß Howey. „Und Luxemburg war schon immer ein Garant für gute Kassen.“ Jedes Jahr finden über zwei Millionen Besucher den Weg auf das größte Volksfest Luxemburgs. Und auch dieses Jahr bietet die „Fouer“ ihren Gästen noch bis zum 11. September 180 verschiedene Geschäfte an. 33 Prozent der Schausteller auf der Schobermesse kommen aus Luxemburg, 35 Prozent aus Frankreich, 16 Prozent aus Belgien und 14 Prozent aus Deutschland.

Fotos: Philippe Reuter

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: Martine Decker

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