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Lernen mit Spass

Zwar machen die Schulen gerade Ferien, trotzdem wird fleißig weitergelernt. Wie bei einem Französisch-Sprachcamp für Kinder und Jugendliche am Stausee. revue hat es besucht.

Text: Jil Baustert (revue@revue.lu) / Fotos: Tania Feller/Editpress

Ein sonniger Dienstagnachmittag am Stausee in Lultzhausen. Am gut gefüllten Strand genießen die Menschen das Sommerwetter. Aber manche der Anwesenden sind nicht nur hier, um sich zu sonnen und ein bisschen im Wasser zu planschen. Unter ihnen ist auch eine 36-köpfige Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die an diesem idyllischen Ort an einem Sprachcamp teilnehmen.

Im Jahr 1878 gründete der Lehrer Maximilian Berlitz die Berlitz-Sprachschule, nachdem er einen neuen Assistenten eingestellt hatte, der ihm beim Unterrichten zur Hand gehen sollte. Leider konnte dieser junge Mann kein Englisch und sprach ausschließlich Französisch – ein scheinbarer Nachteil an einer Schule im US-amerikanischen Providence, Rhode Island. Doch die improvisierte Methode des jungen Franzosen, nur Französisch mit den Schülern zu reden und Unverständlichkeiten mit Händen und Füßen zu erklären, wies innerhalb kürzester Zeit Erfolge und Begeisterung auf: Die Kinder lernten schneller. Ein neues Konzept war geboren.

„Nach drei Tagen verstehe ich schon sehr viel.“ Sarah, zehn Jahre alt

Diese Methode lebt bis heute in der internationalen Berlitz-Schule weiter. Mittlerweile wurde das Angebot der Sprachschule erweitert, unter anderem mit Sprachcamps in den Ferien. Hier lässt sich das Erlernen einer Sprache mit Urlaub verbinden. Eines dieser Camps findet zurzeit in Lultzhausen statt, in unmittelbarer Nähe zum Stausee. Lultzhausen ist neben Echternach, Vianden, Schengen und Luxemburg-Stadt der fünfte Standort eines Berlitz-Sprachencamps in Luxemburg, und – laut Campleiterin Aidée Rosin – auch der beste (siehe auch unser Kurzinterview). Sie empfindet den kleinen Ort im Nordwesten des Landes als optimal, um den Teilnehmern eine naturnahe und entspannte Atmosphäre zu bieten.

Neben dem Sprachenunterricht steht vor allem Sport auf dem Programm der Kinder im Alter von acht bis 16 Jahren. Für die sportlichen Aktivitäten ist der Nachmittag reserviert, der Vormittag gehört ganz dem Sprachenunterricht. Der Tag beginnt um 8 Uhr. „Es ist ein bisschen wie in der Schule“, gesteht der fünfzehnjährige Alois aus Belval, „wir stehen um 8 Uhr auf und dann gibt es Frühstück. Ab 9 Uhr haben wir Sprachenunterricht, der aus Schreiben, aber vor allem aus praktischen Übungen besteht.“

Der Fokus des Unterrichts liegt auf dem mündlichen Aspekt der Sprache. Um den Kindern das Lernen zu erleichtern, stehen vor allem Lernspiele auf dem Programm. Wie schon 1878 der Assistent von Berlitz reden die Betreuer während des Unterrichts nur Französisch mit den Kindern. Fehler sind erlaubt und werden nicht so streng wie in der Schule behandelt, sondern nur nett verbessert. Die Teilnehmer sollen den Vorschlag der Betreuer nochmals richtig wiederholen. „Ich bedanke mich sogar immer, wenn mich jemand verbessert“, sagt Alois und lacht. Er erzählt auch, dass es ihm trotz jahrelangen Französischunterrichts immer noch schwer fällt, die Sprache zu sprechen. Als seine Eltern ihn auf das Lerncamp aufmerksam gemacht haben, sah er es als tolle Möglichkeit, seine Schwierigkeiten auszubügeln.

Auch während der Sportaktivitäten wird nur Französisch gesprochen.

Unter den Teilnehmern sind nicht nur luxemburgische Kinder, sondern auch belgische und deutsche. So wie die zehnjährigen Freundinnen Sarah und Ymilia aus Flandern. Auch sie sind durch ihre Eltern hier gelandet. Ymilias Vater ist der Meinung, ein Lerncamp sei die angenehmste Art, eine Sprache zu lernen. Und weil Französisch eine wichtige Sprache ist, schien es den Eltern der belgischen Mädchen auch wichtig, sie an einem solchen Sprachenurlaub teilnehmen zu lassen. Den beiden gefällt es hier sehr gut. Es ist ihre erste Teilnahme an einem solchem Camp und überhaupt das erste Mal, dass sie im Großherzogtum auf Besuch sind. Im Gegensatz zu den meisten Kindern konnte Sarah kein Französisch als sie hier ankam. „Aber jetzt nach drei Tagen verstehe ich schon sehr viel und kann sogar schon ein bisschen reden“, erzählt sie. Ymilia, die schon etwas Französisch konnte, meint, dass ihre Aussprache besser geworden sei und es ihr leichter fallen würde, zu verstehen, was andere sagen.

Drei Fragen an Aidée Rosin

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Das Berlitz-System verspricht viel Erfolg. Sehen Sie dies bei jedem Kind?
Jedes Kind macht erhebliche Fortschritte, aber das ist bei jedem anders. Manche Kinder sprechen auch nach einer Woche noch immer nicht ganz flüssig, aber sie verstehen schon viel mehr. Das liegt daran, dass wir alles strikt auf Französisch machen, auch die Sicherheitsanweisungen. Außerdem müssen sie auch mit uns und untereinander Französisch reden.

Momentan ist ideales Wetter für Aktivitäten am See. Was hätten Sie bei schlechtem Wetter gemacht?

Das mit dem Sport hat sich hier so ergeben. Falls es geregnet hätte, hätten wir auf andere Mittel zurückgreifen müssen. Jeder Betreuer hat sich etwas überlegt, um mit den Kindern eine Art Workshop zu machen. Alain hatte beispielsweise vorgesehen, Armbänder zu flechten. Das wäre aber nur der Fall gewesen, wenn es geregnet hätte. Aber Gott sei Dank ist gutes Wetter.

Wie teilen Sie die Gruppen ein?
Am ersten Tag schreiben wir die Teilnehmer alle ein, danach machen wir einen schriftlichen und einen mündlichen Test, die es uns erlauben, die Kinder ihrem Niveau entsprechend einzuteilen. Das Alter wird dabei nicht berücksichtigt.

Aidée Rosin, 25, Leiterin des Berlitz-Camps in Lultzhausen

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Allen voran gefallen den Kindern die Sportaktivitäten sehr gut. Diese werden von ihnen selbst ausgesucht. Die Teilnehmer haben sich heute für Basketball, Fußball, Badminton und Tischtennis entschieden. Auch das am Stausee fast obligatorische Schwimmen und Kajakfahren stehen auf dem Programm. Das gute Wetter lädt ja auch förmlich dazu ein. Auch während der Sportaktivitäten reden die Betreuer ausschließlich Französisch und verständigen sich im Notfall mit Händen und Füßen, wie einst schon Berlitz‘ Assistent. So wird das Angenehme endgültig mit dem Nützlichen verbunden.

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Obwohl die Kinder während der Nachmittagsaktivitäten auch weiterhin Französisch reden sollen, freuen sie sich besonders auf diese Beschäftigungen. Aber der Nachmittag beschränkt sich nicht nur auf Sport auf dem Gelände der Jugendherberge. Auch eine Wanderung entlang des Skulpturenwegs und ein Ausflug ins Schwimmbad nach Strassen stehen auf dem Programm.

Die Berlitz-Camps dauern in der Regel eine Woche, auf Wunsch können Teilnehmer bis zu drei Wochen bleiben. Je nachdem, wie gut sie am Anfang der Woche schon sprechen und schreiben können, werden sie in unterschiedliche Lerngruppen eingeteilt. Am Ende jeder Woche sei bei fast jedem Kind ein deutlicher Fortschritt zu erkennen, meint Aidée. So verspricht die Lehrmethode, die der Assistent von Berlitz durch Zufall entdeckte, auch nach 137 Jahren immer noch Erfolge.

Und weil auch der Spaßfaktor in Lultzhausen nicht zu kurz kommt, scheinen die 36 Kinder sehr glücklich in ihren Lernferien zu sein.

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Author: Martine Decker

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