Lesereise Georgien
Chatschapuri mit Spinatfüllung essen, im Nachtzug nach Batumi fahren und auf einen freien Blick auf den heiligen Berg Kasbek warten – Georges Hausemer war mal wieder unterwegs. Diesmal in einem geradezu magischen Land.
Foto: Georges Hausemer
Als Literaturnobelpreisträger John Steinbeck und Magnum-Gründer Robert Capa 1948 in die Sowjetunion reisen, um das Leben der einfachen Leute zu dokumentieren, sind sie Russen begegnet, die tatsächlich gehofft haben, nach einem anständig und tugendhaft geführten Leben nicht in den Himmel, sondern nach Georgien zu kommen. Auch Georges Hausemer ist begeistert von dem kleinen Land, das zwischen Europa und Asien liegt, auf eine jahrtausendealte Kultur zurückblicken kann und wo Prometheus einst an den Berg Kasbek gekettet war. Als Strafe dafür, dass er den Göttern das Licht gestohlen und den Menschen das Feuer gebracht hatte. Täglich soll ein Adler von seiner Leber gefressen haben, die nachts jedoch immer wieder nachwuchs. Das Tolle an den (meisten) Picus-Lesereisen ist, dass der Leser nicht nur Wissenswertes über die Geschichte, die Mythen und vergangene Helden der besuchten Länder und Städte erfährt, sondern dass man auch das Leben und die Menschen von heute kennen lernt. Zumindest in „Zum Tschatscha in den zweiten Himmel“. Es sind die Begegnungen des Autors mit der Direktorin des Sanatoriums in Zchaltubo, in dem einst Stalin Kurgast war, um sich von dem leicht radioaktiven Wasser der heißen Quellen seine schwache Wirbelsäule und seine anfälligen Kniegelenke umspülen zu lassen, oder mit einem finnischen Touristenquartett, das im Nachtzug nach Batumi mit Verzweiflungstränen um ihr Abteil kämpfen, die dem Buch eine Lebendigkeit einhauchen, die man bei üblichen Reiseführern vermisst. Und die einem nach 17 Geschichten das Gefühl geben, etwas Faszinierendes verpasst zu haben: eine Reise nach Georgien. Aber zum Glück gibt es Reisebüros, die einem den zweiten Himmel näher bringen.
Erschienen bei Picus, 14,90 Euro.






