Fairtrade
Das kleine Plus
15.02.2012, 10:28 –
Seit 20 Jahren setzt sich „Fairtrade Lëtzebuerg“ für einen fairen Umgang mit Produzenten ein. Beim Besuch bei Kaffeebauern im Norden Nicaraguas wird schnell klar, wieso der Kampf für einen gerechteren Handel mit den Produzenten immer noch wichtig ist.
Drei Dinge gehören zu einem guten Kaffee: erstens Kaffee, zweitens Kaffee und drittens nochmals Kaffee. Dies behauptete zumindest Alexandre Dumas. Auch heutzutage ist die Aussage des französischen Schriftstellers nicht falsch, sie müsste eigentlich nur um eine vierte Komponente erweitert werden, denn neben dreimal hochwertigen Bohnen sollten mittlerweile auch faire Handelsbedingungen zu einem guten Kaffee gehören. Eine Tatsache, die auch 2012 noch keine Selbstverständlichkeit ist, und dies obwohl Organisationen wie „Fairtrade Lëtzebuerg“ sich seit mittlerweile 20 Jahren vehement für einen fairen Handel einsetzen. Der Besuch im Dezember 2011 in der nördlichen Kaffeeregion Nicaraguas rund um die Stadt Jinotega verdeutlicht allzu schnell, wie wichtig dieser Einsatz sowie die Unterstützung der Kaffeebauern durch konkrete Projekte ist.
Jinotega liegt an der „ruta del café“ und gilt als „Kaffeehauptstadt Nicaraguas“. Ende Dezember ist in dieser Region die Kaffeeernte in einem der ärmsten Länder der Welt in vollem Gange und vor dem Hauptsitz von Soppexcca (eine Kooperative von rund 600 Kaffeebauern, die im fairen Handel aktiv ist) trudeln in unregelmäßigen Abständen mit Kaffeesäcken voll beladene Lastwagen ein. Die kostbare Fracht stammt aus den entlegenen Kaffeeanbaugebieten rund um die 50.000-Einwohner-Stadt. Wer verstehen will, wieso der faire Handel mit einer Fairtrade Prämie, die über dem Doppelten des Weltmarkts liegt, so enorm wichtig ist, der geht am besten direkt auf Tuchfühlung mit den Bauern in den Anbaugebieten.
Es ist schon fast symbolträchtig, dass die Mitglieder von „Los Alpes“ mit den Prämien des fairen Handels eine Schule errichtet haben.
Knappe 40 Kilometer von Jinotega entfernt liegt das Büro der zu Soppexcca gehörenden Kleinbauernkooperative „Los Alpes“, keine riesige Entfernung und doch sind knappe zwei Stunden nötig, um das auf 1.500 Meter gelegene Dorf mit dem Jeep zu erreichen. Mit dem öffentlichen Bus verdoppelt sich die Anreisezeit über die holprigen und staubigen Wege locker ums Doppelte und eine Hin- und Rückfahrt mutiert gut und gerne zur Tagesreise. Um das Leben in diesen Regionen ein bisschen unbeschwerlicher und einfacher zu gestalten, hat „Fairtrade Lëtzebuerg“ parallel zum fair gehandelten Kaffee, unter der Mithilfe und -arbeit der Supermarktkette Cactus und der „Coopération luxembourgeoise“, in drei solchen Regionen kleine Verkaufsstellen mit Lebensmitteln errichtet. Rund 300 Familien wird dank dieses Entwicklungsprojektes somit der Zugang zu Basisprodukten vereinfacht.
Ganz im Sinne von Nachhaltigkeit und Kampf gegen Armut und Landflucht werden die Verkaufsstellen von 58 jungen Leuten betrieben, die sich in der Kooperative „Chirinahualt“ (ebenfalls vollwertiges Mitglied bei Soppexcca) zusammengeschlossen haben. Den Mitgliedern von „Chirinahualt“ werden durch die Dachorganisation Soppexcca Mikrokredite gewährt, mit denen sie sich ein eigenes Grundstück zum Kaffeeanbau kaufen können. Ein kleiner wirtschaftlicher Kreislauf schließt sich auf diese Art und Weise. „In die Jugend zu investieren bedeutet in die Zukunft zu investieren und damit wiederum in die Gemeinschaft“, sagt der Vorsitzende von „Fairtrade Lëtzebuerg“ Jean-Louis Zeien bei der offiziellen Einweihung der Verkaufsstelle „Los Alpes“. Auch wenn er dabei nicht explizit an den Bau der Schule gedacht hat, so ist es doch schon fast symbolträchtig, dass die Mitglieder von „Los Alpes“ mit den Prämien des fairen Handels hier eine Schule errichtet haben. Vielleicht handelt es sich bei all diesen Aktionen nur um kleine Tropfen auf einen heißen Stein, doch angesichts der Lebensbedingungen sind es enorm wichtige Tropfen. Dies merkt man spätestens, wenn einem die nicaraguanische Gastfreundschaft entgegenschlägt…
Wenn Sie das Interview mit dem Vorsitzenden der Organisation Jean-Louis Zeien interessiert, klicken Sie bitte hier.



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