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#Lügenpresse

Die aktuelle Flüchtlingskrise zeigt – neben der Tatsache, wie erschreckend kompliziert und teilweise dilettantisch die Politik auf europäischer Ebene agiert und funktioniert – vor allem eins: Gezielt Menschen zu manipulieren war noch nie so einfach wie in Zeiten von Internet(-blogs) und sozialen Medien.

Facebook, Twitter und Co. sind nämlich längst für viele zur Hauptinformationsquelle geworden, deren Wahrheitsgehalt mangels kritischen Hinterfragens nur selten angezweifelt wird. Der gesunde Menschenverstand ist eh bei vielen Internetnutzern zur Nebensache verkommen. Unter der Maxime „Ich kommentiere, also bin ich“ wird fleißig die Trendsportart „Bitte-bitte-gebt-mir-ein-Like“, die bei frustbeseelten Intelligenzallergikern zurzeit besonders hoch im Kurs steht, ausgeübt.

Je abstruser die Verschwörungstheorie, je reißerischer das Hirngespinst, je undurchsichtiger und tief im Matsch des braunen Gedankenguts verankert die Quelle, umso attraktiver scheint es für manchen Zeitgenossen, dies als unwiderrufliche Wahrheit hinzunehmen. Stammtischpolemik war gestern und wurde längst von Internetdemagogie rechts überholt…

Stammtischpolemik wurde längst von Internetdemagogie rechts überholt…

Wer mitmischen und die Massen gezielt manipulieren will, der muss nicht mal besonders viel Kreativität bei seinen Hetz-Posts an den Tag legen. Ein Foto von Müll auf dem Bürgersteig vor der nächstbesten Filiale einer Fastfood-Kette reicht völlig aus, um das von der Wohlstandsgesellschaft verursachte Abfall-Chaos einfach mal den Flüchtlingen in die Schuhe zu schieben.

Generell freut sich die hetzsüchtige Masse unter dem „Das wird man wohl noch sagen dürfen“-Deckmantel dann pawlowartig wie Bolle, dass mal „einer sich traut, die Realität zu zeigen“, im Gegensatz zu der „staatlich finanzierten und der Politik hörigen Lügenpresse“, die alles verschweigt. Natürlich kann die „Lügenpresse“ – ein Wort, das bei den Nazis schon Propagandaminister Joseph Goebbels benutzte – dünnpfiffige Luftschlösser nicht einfach weitergeben. Der Grund dafür ist so einfach wie plausibel: Journalisten sind, falls sie ihren Beruf auch nur ansatzweise ernst nehmen, der Wahrheit verpflichtet.

Aber es scheint für viele attraktiver, dem Reiz der reißerischen Fehlinformation zu erliegen als sich bei seriösen und möglichst neutralen Quellen zu informieren und sich daraufhin seine eigenen Gedanken zu machen. Die, die genau dies tun, mutieren in den seltensten Fällen zu Verschwörungstheorien wiederkäuenden hirntoten Zombies.

Information ist bekanntlich Macht. Leider gilt dies in den heutigen Zeiten auch für Des- oder Fehlinformation und genau deshalb scheinen viele (Internet-)Populisten von rechtsaußen eines einfach nicht verstehen zu wollen: Der vehemente Kampf gegen Hasskommentare, Ausländerfeindlichkeit und hinterwäldlerische Verschwörungstheorien beruht grundlegend nur auf gegenseitigem Respekt und gesundem Menschenverstand. Linksextremismus ist es deshalb noch lange nicht…

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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