Ein fast stummer Kurzfilm über Freddie Mercury, in dem der Queen-Sänger sich selbst als Todgeweihtem begegnet – hinter diesem Wagnis stecken Andy Bausch als Regisseur und Nilton Martins als Produzent und Hauptdarsteller von „Freddie“.
Fotos: Govinda van Maele, Patricia Peribañez
ls Freddie Mercury im November 1991 an den Folgen der Immunschwäche AIDS stirbt, ist Nilton Martins noch ein Knirps. Heute ist er 33, hat den legendären Rockstar in der Maskénada-Produktion „Frittparade 2000“ parodiert und geht seitdem mit der Idee schwanger, einen Kurzfilm über den Frontmann von Queen zu produzieren. Den jungen Drehbuchautor Cédric Kieffer muss er nicht überzeugen. Auch Tänzer Gianfranco Celestino und Coach Pit Diego sind sogleich mit von der Partie. Was indes fehlt, ist ein Regisseur, der bereit ist, sich für ein Vorhaben zu engagieren, bei dem es keinen Cent zu verdienen gibt.
Bei einem Casting-Treffen erzählt der Schauspieler, der zum Herumtrödeln nicht geboren ist, Andy Bausch, mit dem er bereits mehrmals zusammengearbeitet hat, ganz nebenbei von dem Projekt. Und dieser, in den 1970er Jahren ein Queen-Fan, ist ebenfalls begeistert: „Ech hunn dem Nilton du gläich gesot, datt hien net méi no engem Regisseur soll sichen!“ So kommt „Freddie“ ins Rollen. In relativ kurzer Zeit gelingt es Nilton Martins, eine erstaunlich professionelle Filmcrew zusammenzustellen, die bereit ist, für das Projekt aufs Honorar zu verzichten. Nilton selbst speckt zehn Kilo ab und lässt sich einen Schnurrbart wachsen sowie eine Zahnprothese anfertigen, um der Rocklegende (noch) ähnlicher zu sehen. Lediglich die Brusthaare müssen etwas verstärkt werden. Die beiden ersten Drehtage im vergangenen Dezember in der Escher Kulturfabrik verlaufen nahezu perfekt. Anschließend steht erneut eine Diät an. Weitere sechs Kilo sollen purzeln, damit Nilton Martins genauso ausgezehrt aussieht wie Freddie Mercury kurz vor seinem Tod.
„Freddie“ spielt 1981 in der Garderobe der Band Queen, wo Freddie Mercury beim Warten auf seinen Auftritt eine gespenstische Begegnung macht.
Andy Bausch hat mittlerweile am Script gefeilt, verschiedene Szenen entdramatisiert und die Entscheidung getroffen, den fünfminütigen Kurzfilm in Schwarzweißbildern zu drehen. „Well et méi wouer wierkt.“ Die Geschichte spielt 1981 in der Garderobe der Band, wo Freddie Mercury auf seinen Auftritt wartet. Zuerst ist der Raum proppenvoll, dann werden alle Roadies, Groupies und Businessleute hinaushofiert, weil sich der Sänger routinemäßig konzentrieren will. In diesem stillen Moment taucht sein Double auf. Der Mann, der er in zehn Jahren sein wird: ein von Krankheit und Tod Gezeichneter. Der wahre Freddie Mercury hat nur ungern über seine Erkrankung gesprochen. Sogar seine Bandkollegen soll er erst spät eingeweiht haben. Wie sehr er in den letzten Jahren jedoch darauf gedrängt hat, neue Songs einzuspielen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er gewusst haben muss, dass er nicht alt werden würde.

Teamwork: Bei „Freddie“ ist Mitmachen das Wichtigste.
„Am Film geet et ëm Muecht. Et ass am Fong eng Zort Alpdram“, erklärt Andy Bausch, der eigentlich lieber nichts verraten würde. Der Spannung wegen. Trotzdem sickern Details durch. Gesungen wird in „Freddie“ nicht, so viel steht fest. Es wird auch sehr wenig gesprochen. „Den Nilton huet net d’Stëmm vum Freddie Mercury.“ Umso wichtiger sind – wenn Dialoge fehlen – die Tonkulisse und das Sounddesign. Auf die Frage, wo und wann der Kurzfilm zu sehen sein wird, gibt es noch keine klare Antwort. Allerdings jährt sich in diesem Jahr der Todestag zum 25. Mal. Für die Finanzierung der Postproduktion hofft das Team auf die Unterstützung zusätzlicher Sponsoren und des „Filmfong“. Was die Programmierung in den Kinosälen betrifft, gibt sich Andy Bausch zuversichtlich. Spätestens wenn seine Senioren-Komödie „Rusty Boys“ fertiggestellt ist und dem Publikum vorgestellt wird, läuft „Freddie“ im Vorprogramm.









