Home » Home » Mann fürs Auffällige

Mann fürs Auffällige

Einige renommierte Galerien haben sein Talent schon vor Jahren entdeckt und stellen seine Werke permanent aus. Die individuellen Schmuckstücke von Claude Schmitz bestechen durch ihre außergewöhnlichen Formen. (Foto: Patrick Muller)

„Ein Massenprodukt finde ich nicht sexy. Dageht es nur ums Konsumieren. Das hasse ich“, betont Claude Schmitz. Modeschmuck, eine Art billige Eintagsfliege, ist ihm deshalb ein Dorn im Auge. „Für mich soll Schmuck etwas ganz Besonderes sein. Ein Unikat, das rar ist und eine Wertigkeit besitzt“, verrät der 42-Jährige beim Treffen. Zudem sollen seine Kreationen die Persönlichkeit des Besitzers unterstreichen.

Nur eine Tür im Erdgeschoss trennt sein Atelier von seiner Wohnung im hauptstädtischen Bahnhofsviertel. Die kleine Werkstatt ist an diesem Nachmittag perfekt aufgeräumt. Alles ist minimalistisch-modern in Weiß gehalten. Dass der Schmuckdesigner hier täglich zu Techno-, House- und Elektroklängen lötet, hämmert, walzt und so seinen Werken den letzten Schliff verleiht, kann man sich nur schwer vorstellen. „Ich bin ein Perfektionist. Deshalb mag ich es gerne aufgeräumt“, schmunzelt der Ausnahme-Kreative, der sich selbst als Schmuckdesigner und Künstler bezeichnet. Die Grenze zwischen Kunst und Design sei eben fließend.

„Ein Massenprodukt finde ich nicht sexy. Da geht es nur ums Konsumieren.“

An einem Finger trägt er einen goldenen Rollring, natürlich selbstkreiert. Was der kostet? „Darüber schweige ich mich am liebsten aus“, lächelt er. Dass diese verschlungenen Schmuckstücke seine Verkaufsbestseller sind, macht ihn stolz. Das Prinzip habe er zwar nicht erfunden, doch seine Kundschaft schätzt das fantasievolle, moderne Design und das angenehme Tragegefühl. Alle anderen hochwertigen Pretiosen, die das Atelier des Luxemburgers verlassen, sind dagegen handgemachte Unikate und auf die Ewigkeit gut vorbereitet. Denn ausgezeichnete Qualität – das gilt sowohl für die verarbeiteten Steine und Edelmetalle sowie für die Verarbeitung – ist für Claude Schmitz das Nonplusultra.

Angefangen hat sein Faible für das Schöne in der Kindheit. „Meine Oma war Schneiderin und hat immer sehr viel Wert auf Qualität gelegt. Das hat mich mitgeprägt.“ Außerdem sei Kultur stets ein wichtiges Thema in seinem Elternhaus gewesen. Darüber, dass seine zwei Brüder als Ingenieure so gar nichts mit seiner Branche gemein haben, muss er unweigerlich schmunzeln. „Sie verfolgen aber meine Arbeiten und unterstützen mich“, so der selbstständige Designer.

Dabei wäre er fast in einem ganz anderen Metier gelandet. Zwei Jahre lang hat er nämlich Innenarchitektur an der Fachhochschule in Trier studiert. „1995 habe ich mein Studium abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass ich mich nicht richtig selbst verwirklichen kann.“ Die Leidenschaft für Edelmetalle und Steine ist in dieser Zeit entstanden. Und so entschließt sich Claude Schmitz dazu, zeitgenössische Metall- und Schmuckgestaltung an der Kunstakademie in Antwerpen zu studieren. Anschließend zieht es ihn weiter an die renommierte „Royal College of Arts“ nach London, wo er 2001 seinen Masterabschluss macht. „Ich habe ein Stipendium bekommen. Die hohen Studiengebühren hätte ich sonst nie bezahlen können“, erinnert sich der Schmuckkreateur, der Ende der 90er Jahre als erster Luxemburger den Sprung in die englische Eliteschule schaffte.

Aus privaten Gründen kehrt der Künstler 2001 in seine Heimat zurück und wagt den Sprung in die Selbstständigkeit. „Mir war von Beginn an klar, dass ich hier keinen eigenen Laden eröffnen will. Auftragsarbeit oder ständig neue Kollektionen – diesen Stress möchte ich mir ersparen.“ Nur hin und wieder macht er für Stammkunden eine Ausnahme. Viel lieber setzt er auf die freie Arbeit, die er anschließend in der hauptstädtischen Galerie Orfèo ausstellt und zum Verkauf anbietet. So kann Claude Schmitz einzigartige Kreationen ganz nach seinem Geschmack kreieren: Und das sind vor allem voluminöse und auffällige Pretiosen. Schmuck soll man schließlich wahrnehmen. Am liebsten stellt der Designer Broschen her. Diese Objekte der Begierde lassen sich wegen ihrer Größe gut kombinieren und bieten ihm unzählige Gestaltungsmöglichkeiten.

Doch Claude Schmitz hat nicht nur hier im Land seine Ideen „versilbert“, sondern fast in der ganzen Welt. So ist er momentan der einzige Luxemburger Schmuckkünstler, der seit einigen Jahren international anerkannt ist und in sechs bekannten Galerien im Ausland permanent ausstellt – in New York, Tokio, Barcelona, Nijmegen, München und Lissabon. „Der hiesige Markt ist zu klein. Davon kann man allein kaum leben“, sagt er. Dennoch sei er nicht der Typ, der für seine kreativen Werke Klinken putzen geht. Momentan ist der Schmuckmacher in der komfortablen Lage, dass die Galeristen auf ihn zukommen.

Bei so viel Anerkennung fragt man sich, wovon der Künstler noch träumt. „Von weißen Vasen der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Diese Exemplare aus den 60er Jahren sammele ich schon lange. Das ist meine zweite Leidenschaft.“

Die Kreationen sind in der Galerie Orfèo ausgestellt, weitere Infos unter www.galerie-orfeo.com und www.claudeschmitz.com

Rings,-Palladium-white-gold,-blue-topaze,-golden-berylcut

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?