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„Männer sind empfindlicher“

Die Fußballwelt schaut auf die Europameisterschaft der Männer in Frankreich. Auch das Luxemburger Frauen-Nationalteam. revue sprach mit einigen Spielerinnen über ihre Sicht auf das Spektakel.

Text: Sabrina Backes, Stefan Kunzmann / Fotos: Philippe Reuter

Es regnet in Strömen. Die Spielerinnen des Fußball-Nationalteams sind länger als üblich in der Umkleidekabine des Institut National des Sports geblieben. Sie haben noch eine Unterredung mit ihrem Trainer Ray Pye. Zwei Tage zuvor hat es eine haushohe Niederlage gesetzt. Das Testspiel in Metz war eine schmerzhafte Erfahrung und muss erst einmal verdaut werden. Setzt es eine Standpauke? Jedenfalls hat der Nationalcoach ein paar ernste Worte zu sagen. Dann schickt er die jungen Frauen in den Regen. Die Saison ist fast vorbei, doch die Fußballspielerinnen haben noch einiges auf dem Programm. Am Wochenende stand ein Freundschaftsspiel mit der Elf der Vereinigten Arabischen Emirate auf dem Programm. Zwischendurch schauen sich die luxemburgischen Auswahlspielerinnen die Matches der Männer-EM in Frankreich an.

Jessica Birkel

Jessica Birkel

Verfolgen Sie die EM? Schauen Sie sich viele Spiele an?
Lisa Wengler: Klar. Ich schaue sie mir immer in meiner Freizeit an, wenn ich grad kein Training habe.
Jessica Birkel: Natürlich. Wir sind ja Fußballerinnen. Für jede hier ist die EM mehr als interessant. Zudem hat jede ihren persönlichen Favoriten. Ich finde, dass es sogar nur relativ wenige Mädels gibt, die die EM nicht mitverfolgen. Ich kann mir aus zeitlichen Gründen leider nicht alle Spiele ansehen, wenn es aber um den eigenen Favoriten geht, dann muss ich mir das Spiel einfach ansehen.

Wenn Sie Fußball schauen, fühlen Sie sich dann eher als Fan oder als Spielerin, die etwas dazulernen möchte, oder als Expertin?
Lisa Wengler: Da sich meine gesamte Familie mit Fußball befasst, bin ich eher kritisch. Ich vergleiche gerne, um mir meine eigenen Fehler einzugestehen, und so merke ich dann, dass ich zum Beispiel verschiedene Pässe hätte besser machen können. Mir fällt während des Beobachtens viel auf, und ich kommentiere das dementsprechend auch. Natürlich soll mir das Zuschauen auch behilflich sein, nicht nur, um Fehler zu sehen, sondern auch um einiges nachzuahmen.
Co-Trainerin Pia Juchem: Ich bin eher als Expertin mit dabei und schaue mir die Spiele öfters an, um zu sehen, wo die neusten Trends liegen und welche taktischen Aspekte herausstechen. Dabei verfolge ich keine spezifische Mannschaft, sondern bleibe ganz allgemein. Ich schaue mir beispielsweise den Trainer und seine Reaktionen während der Halbzeit an. Ich befasse mich damit, was er unternimmt, damit das Spiel in der zweiten Hälfte besser läuft.

Amy Thompson

Amy Thompson

Spielt es auch beim Training mit den Kolleginnen eine Rolle D.h., wird darüber gesprochen, was die Taktik angeht?
Lisa Wengler: Ja. Ich spiele jetzt in Bitburg, und der Trainer fragt oft, ob wir dies oder das im Fernsehen gesehen haben. Dann bauen wir das schon mal als Beispiel ein. Hier in der National-Equipe ist dies weniger der Fall, weil wir uns nicht so oft sehen.
Amy Thompson: Verschiedene von uns sehen sich die Spiele auch gemeinsam an. Danach diskutieren wir über das Geschehen. Was war gut? Was haben wir genauso gemacht? Was könnte man anders machen?
Co-Trainerin Pia Juchem: Es ist schön und gut, sich diese Taktiken anzusehen, aber man sollte immer auf sich selbst und seine eigenen Fehler achten. Außerdem sollte sich jedes Team bewusst sein, welches Material es überhaupt zur Verfügung hat und welche Taktik es anwenden kann.

Auf welcher Position spielen Sie? Schauen Sie sich dann diese Position während eines Spiels an?
Lisa Wengler: Hinten rechts. Ja, mein Auge liegt schon ein bisschen auf dieser Position, aber nicht nur. Das Spiel in seiner Gesamtheit interessiert mich einfach.

Sophie Maurer

Sophie Maurer

Haben Sie einen Favoriten bei der EM?
Lisa Wengler: Hauptsächlich Deutschland, aber gegen einen Sieg von Belgien hätte ich nichts. Ich würde es einer kleineren Mannschaft wirklich gönnen.
Jessica Birkel: Also meiner Meinung nach ist es dieses Jahr sehr schwierig, um einen genauen Favoriten nennen zu können. Meiner ist jedoch die deutsche Mannschaft.
Tamara Cardoso: Ich finde, wir haben uns bereits alle ein wenig getäuscht, da die eher kleinen Mannschaften sich sehr gut gegen die größeren schlagen. Zudem schwächeln größere Mannschaften. Mein persönlicher Favorit ist Portugal.
Sophie Maurer: Meiner ist Frankreich. Die französische Mannschaft dieses Jahr ist schwer zu schlagen. Jedoch bin ich auch der Meinung, dass sich die vermeintlich schwächeren Teams beträchtlich weiterentwickelt haben. Sie lassen sich nicht mehr so einfach abschießen, wie es noch früher der Fall war.
Jessica Berscheid: Es gibt noch keinen klaren Favoriten. Bis jetzt sind noch nicht viele Tore gefallen und auch die kleinen Mannschaften schlagen sich nicht schlecht, was viele Leute überhaupt nicht gedacht haben. Wir sind erst am Anfang und es können immer noch Überraschungen kommen. Schließlich ist noch alles offen.
Anna Jacobs: Mein persönlicher Favorit ist die deutsche Mannschaft. Allerdings drücke ich den Belgiern ebenso die Daumen. Überraschend finde ich die Qualifikation von dem unscheinbaren Island, das in der Qualifikation kein einziges Spiel verloren hat. Ich bin gespannt, wie weit sie es schaffen werden.

Tamara Cardoso

Tamara Cardoso

Finden Sie es nicht schade, dass so viel Augenmerk auf die Männer gelegt wird, und dann immer noch verhältnismäßig wenig auf Frauenwettkämpfe?
Lisa Wengler: Ich finde es schon schade, aber ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich mir lieber Männer- als Frauenfußball anschaue. Man hat ja beispielsweise auf Eurosport immer mal die Möglichkeit, sich Damenfußball anzusehen, aber im Fernsehen interessiert es mich nicht wirklich, außer es handelt sich zum Beispiel um das DFB-Pokal-Finale. Das hab ich mir live angesehen. Wenn aber jetzt die Männer zeitgleich mit den Frauen spielen, dann tendiere ich doch eher dazu, mir das männliche Spiel anzusehen.
Amy Thompson: Ich finde nicht, dass der Frauensport vernachlässigt wird. Ich hab mir die EM live in Schweden angesehen, sowie die WM in Deutschland, und ich muss sagen, dass dort viele Zuschauer waren. Frauenfußball wird immer beliebter, unter anderem in den USA.

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Claudia Veloso

Claudia Veloso

Was ist für Sie der große Unterschied in der Spielanlage?
Lisa Wengler: Ich würde sagen, die Schnelligkeit vom Spiel, die Taktik, das „Robustere“. Ich finde aber, dass Männer mehr schauspielern als Frauen.
Amy Thompson: Meiner Meinung nach sind Männer empfindlicher als Frauen. Während die Männer sich schreiend vor Schmerz auf den Boden werfen, stehen wir Frauen wieder auf und machen weiter, ohne ein großes Drama aufzuführen. Männer führen sich einfach theatralischer auf.
Sandy Sauber: Ich denke, dass Frauen „sauberer“ Fußball spielen, deutlich weniger aggressiv als Männer. Wenn Frauen foulen, dann auch anders, beispielsweise mit den Ellbogen.
Jessica Birkel: Ein größerer Unterschied ist noch immer das bestehende Klischee: Frauen können doch überhaupt kein Fußball spielen. Männer sind darin besser, beherrschen den Sport wesentlich besser. Wir können aber jedem beweisen, dass dies nicht der Fall ist und dass wir weitaus mehr können als nur einen Ball zu passen. Leider fehlen uns noch immer die nötige Anerkennung und die Gleichberechtigung in dieser Sportart.

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Lisa Wengler

Wie oft sehen Sie sich im Kader der FLF?Wie sind Sie zum Fußball gekommen? Und wie ins Nationalteam?
Lisa Wengler: Durch die Familie. Mein Vater ist Trainer, meine Mutter, mein Bruder und mein Opa spielen bzw. spielten Fußball. Es ist einfach eine Familiensache bei uns. Ich wurde schon mal im frühen Jugendalter nominiert, so mit 13 oder 14, und da war das eher schwierig, mit meiner Mutter und dem ganzen Hin- und Herfahren von Rosport nach Monnerich. Wenn man dann erst einmal den Führerschein hat, dann ist das schon eine einfachere Sache. Auch nach einer Motivationsflaute hab ich jetzt wieder richtig Spaß am Sport.
Claudia Veloso: Ich bin bereits seit Kindesalter mit dabei, mein Vater hat mich sofort in die Jungenmannschaft gesteckt. Am Anfang hat Fußball mir überhaupt nichts gesagt, ich wollte immer Ballett tanzen, doch mit der Zeit hat das sich geändert, heute bekommt mich keiner mehr davon abgehalten. Die Jungs in meiner Mannschaft haben sich immer Späße gemacht, danach habe ich mich aber durchgesetzt und es allen zeigen können.
Anna Jacobs: Ich habe mit fünf Jahren angefangen. Bei mir ist die ganze Familie im Fußball involviert: Vater, Bruder,… Ich habe bis 14 Jahre in der Jungenmannschaft gespielt, was von Vorteil ist, man lernt sich, wie Claudia bereits gesagt hat, gegen das männliche Geschlecht durchzusetzen!
Amy Thompson: Im Gegensatz zu Claudia habe ich mit Ballett angefangen, doch daran habe ich schnell die Freude verloren. Ich habe lieber vor den Proben eine Runde Fangen gespielt. Daraufhin habe ich mit dem Tanzen aufgehört und mit dem Fußball in der Jungenmannschaft angefangen. Dann, mit 14 Jahren, bin ich zur Damenmannschaft übergegangen.
Lisa Wengler: Jetzt im Moment zwei bis drei Mal die Woche, weil wir Vorbereitung auf die Spiele gegen die Emirate haben. Ansonsten haben wir dann auch schon mal ein paar Wochen Spielpause oder trainingsfrei.

Das erste Testmatch gegen die Vereinigten Arabischen Emirate in Stegen haben die Luxemburger Fußballerinnen verdient mit 6:0 gewonnen. Die roten Löwinnen waren von Beginn an deutlich besser. Das Team von Trainer Ray Pye beherrschte die Gäste von der arabischen Halbinsel in allen Belangen. Sie hatten die klar bessere Spielanlage. Nur in der Chancenauswertung haperte es. Was bei dem hohen Sieg letztendlich keine Rolle mehr spielte.

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Author: Philippe Reuter

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