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Mär sinn Escher

Auf Initiative des Luxemburger Fotografen Patrick Galbats und der Kulturfabrik ist in Esch/Alzette ein künstlerisches Projekt geboren worden, das sich mit dem Thema der Integration von Flüchtlingen auseinandersetzt und beweisen soll, dass alle Menschen gleich sind.

Fotos: Patrick Galbats

Es geht auch anders. In Argentinien, zum Beispiel. In der Verfassung des südamerikanischen Landes werden seit 1853 „alle Menschen, die den argentinischen Boden bewohnen wollen“ willkommen geheißen. Noch erstaunlicher ist es, dass ein neues Gesetz, welches Zuwanderern den gleichen Zugang zu sozialen Rechten garantiert und jede Diskriminierung aufgrund eines Migrationsstatus’ ausdrücklich untersagt wird, in einer Zeit verabschiedet wurde, in der sich das Land in einer tiefen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krise befand und die Fremdenfeindlichkeit – angeheizt durch Politiker und Medien – zugenommen hatte.

In Luxemburg herrschen vergleichsweise paradiesische Zustände. Dennoch werden populistische Stimmen mitunter laut, werden demokratische Regierungen als zu tolerant mit „nichtwestlichen“ Kulturen kritisiert und Flüchtlinge als Bürger zweiter Klasse behandelt. Daher gilt es, Zeichen zu setzen. Die breite Öffentlichkeit darüber aufzuklären, dass die Millionen Menschen, die derzeit auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und schlimmster Armut sind, weder Schmarotzer noch Kriminelle sind, sondern Männer und Frauen wie wir. Ein anderes Beispiel: Rosaire. Der Mann aus Kamerun lebt – als mittlerweile anerkannter Flüchtling – im Escher Grand-Rue-Foyer und hat an den Fotoateliers teilgenommen, die Patrick Galbats in der Kulturfabrik organisierte. Nachdem ihm und weiteren elf Asylantragstellern die Grundlagen der Digitalfotografie näher gebracht worden sind, durften die Projektteilnehmer mit einer Kamera losziehen und ihre Impressionen von dem Land, das ihre neue Heimat werden soll, in Bildern festhalten. Es hätte ihm sehr geholfen, Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen, so Rosaire. Und genau das war und ist das Ziel von „Mär sinn Escher“. Es ging in erster Linie darum, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen. Zudem hatten die Amateurfotografen den Auftrag, durch ihre Fotos Erinnerungen an ihre Herkunftsländer zum Ausdruck zu bringen.

„Mär sinn Escher“ ist ein wichtiger Beitrag zur Integration von Migranten in die Gesellschaft und die Kultur.

Da auf den rund 8.000 Aufnahmen viele Vögel zu sehen sind, taufte Patrick Galbats die Ausstellung einer Auswahl von Arbeiten kurzerhand „Birds“. Gleichzeitig sei der Titel eine doppelte Anspielung auf die Zugvögel, die fast ständig unterwegs sind, und die Stadtvögel, die im urbanen Raum gefangen sind, so der Luxemburger Fotograf. Das Kulturprojekt beschränkt sich allerdings nicht nur auf diese Fotoausstellung, sondern umfasst mehrere Veranstaltungen: die Filmvorführung von „Wallah – Je te jure“ (17. November), das Theaterstück „Welcome to Paradise“ (21. November), die Ausstellung „We have seeen“ (bis Ende 2017 auf der Place de la Résistance) und das Tanzstück „Wanderer“ (25. November), in dem Künstler aus Syrien, Deutschland, Luxemburg, Italien, China, Frankreich, Irland und Brasilien sich auf die Suche nach gemeinsamen Wurzeln machen.

Auf der Pressevorstellung von „Mär sinn Escher“ betonte Vera Spautz, dass das Bild, das sich Neu-Escher über ihre Mitbürger machen, viel von letzteren abhängt. Die Minettemetropole hätte zwar den Vorteil, dass die Stadt seit jeher eine Einwanderungsstadt sei, aber dennoch sei es wichtig, weiterhin daran zu arbeiten, die Integration der Migranten in die Gesellschaft, den Arbeitsmarkt und die Kultur voranzutreiben und besser zu organisieren. Denn nur mit Hilfe von Inklusion und Gerechtigkeit kann der soziale Zusammenhalt gefördert werden. In diesem Sinne ist das von Patrick Galbats und der Kulturfabrik initiierte Kulturprojekt ein höchst lobenswerter Beitrag gegen Ausgrenzung und Missachtung. Eins steht nämlich fest: Neue Menschen sind da. Und ihnen muss geholfen werden. Wir können und dürfen jetzt nicht zurück.

Mehr Infos zum Programm: www.kulturfabrik.lu

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Martine Decker

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