Mehr Mut

Wenn uns die Corona-Krise etwas eindeutig gezeigt hat, dann ist es die Tatsache, dass alles Schlechte auch etwas Gutes hat. Bei der Corona-Pandemie samt Lockdown ist es sicherlich die Tatsache, dass viele Menschen sich selbst, ihren Lebenswandel und vor allem auch ihr Konsumverhalten infrage gestellt haben. Leider sind die meisten Menschen längst wieder in alte Verhaltensmuster verfallen und die Idee nachhaltiger, saisonaler und regionaler zu konsumieren, schon wieder aus den Köpfen vieler verschwunden.

Natürlich ist der wirtschaftliche Schaden noch nicht endgültig einzuschätzen und die Frage bleibt, wie viele Betriebe Corona-bedingt am Ende auf der Strecke bleiben werden und wie hoch die Arbeitslosenquote wird. Aber wenn man diese noch nicht absehbaren menschlichen Schicksale und den wirtschaftlichen Schaden mal ganz bewusst ausklammert, so hat der Lockdown eins gezeigt: Wenn drastische Schritte erforderlich sind, ist ein großer Teil der Bevölkerung bereit, Einschränkungen zu akzeptieren, vorausgesetzt die Politik hat den Mut, diese auch konsequent durchzuziehen.

Selbstverständlich will kein Mensch einen zweiten Lockdown, allerdings schreien Themen wie Klimawandel und Naturschutz geradezu nach progressiven und drastischen Lösungsansätzen, etwas wozu aktuell der politische Mut fast vollständig fehlt. Allerdings gibt es auch Länder und Städte, welche schneller und radikaler vorgehen. Kopenhagen zeigt sich zum Beispiel als ziemlich ambitiös und will bis zum Jahr 2025 CO2-neutral werden. Und es läuft alles darauf hinaus, dass die dänische Hauptstadt mit innovativen Denkansätzen, unter anderem in Sachen Energieerzeugung und -verbrauch, diesen Schritt sogar schaffen wird. Eine wichtige Rolle spielen in dieser Entwicklung Windräder – die vielerorts, auch hierzulande für Diskussionen sorgen. Rund 80 Prozent der Energie kommt in Kopenhagen aktuell schon aus der Windkraft. Obendrein fährt schon jetzt jeder zweite Einwohner mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zur Schule.

Wenn man sich vor Augen führt, dass Kopenhagen rund 632.000 Einwohner hat und damit durchaus von der Einwohnerzahl her mit Luxemburg vergleichbar ist, dann kann man nur hoffen, dass auch im Großherzogtum schnell riesige Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gemacht werden.

Sich eine Maske vor die Nase und den Mund zu binden, ist nämlich im Grunde genommen eigentlich Kinkerlitzchen, im Vergleich zu den Herausforderungen und Einschränkungen, die wir im Bereich Umweltschutz auf uns nehmen müssen, oder besser gesagt sollten, damit wir den Klimawandel, der längst dabei ist Realität zu werden, ausbremsen. Aber diese Einschnitte werden dauerhafter sein, als das Tragen besagter Maske. Die Frage ist, sind wir bereit dafür?

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

Login

Lost your password?