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Mein Team – Test F1 2020 (PS4)

Einmal Chef eines Formel-1-Rennstalls sein und gleichzeitig verheißungsvoller Newcomer-Pilot des eigenen Teams auf dem Weg zum Weltmeistertitel? Das ist nicht länger ein Traum.

Genre: Renn-Simulation / Studio & Publisher: Codemasters / Termin: erhältlich / Plattform: PS4, Xbox One, Windows, Stadia /Preis: zirka 69,00 € / Altersempfehlung: 0

Ayrton Senna, Alain Prost, Nelson Piquet, Gerhard Berger, Nigel Mansell; Das sind nur einige Namen, bei denen betagteren F1-Fans die Ohren schlackern. Seit jener Zeit ist mein persönliches Interesse an dieser Rennsportklasse über die Jahre hinweg langsam aber sicher verschwunden. Doch kürzlich wurde meine Leidenschaft für eben diese wieder neu entfacht. „Schuld“ daran ist Codemasters letzter Lizenz-Coup.

Ganz neu bei „F1 2020“ ist ein Modus, der sich „My Team“ schimpft und den Karrieremodus darstellt. Anders als bisher mimt man nicht nur den Fahrer in einem der offiziellen Teams, sondern gründet seinen ganz eigenen Rennstall, managt diesen und bestreitet die Rennen auch selbst. Zu Beginn erstellt man seinen Fahrer, sucht sich eine Karosserie und einen Motorenlieferanten aus, dann werden der Bolide, die Overalls und der eigene Helm mitsamt eigenem Logo designt. Je nach Farbgebung der Designs verändert sich auch die Teamzentrale. Genial! Seinen Zweit-Fahrer darf man auch nicht vergessen. Obendrein ist man für die Public Relations verantwortlich. In TV-Interviews ist es bedeutend, wie man dem Reporter antwortet. So kann es sein, dass die eigenen Mitarbeiter die Antworten als hilfreich für die Forschung empfinden, oder sie fühlen sich beleidigt. Ebenso kann man mit der richtigen oder falschen Aussage das Ansehen beim Publikum positiv oder negativ beeinflussen. All dies stützt den Erfolg des Teams.

Die toll animierte Boxencrew bereitet sich auf unseren Reifenwechsel vor.

Die toll animierte Boxencrew bereitet sich auf unseren Reifenwechsel vor.

Vor jedem Rennwochenende sollte man seine Agenda pflegen. Events dienen zur eigenen Publicity und dem Sponsoring, verschiedene Testveranstaltungen tragen der Weiterentwicklung des Teams und der Wagen bei, vielfältige Trainings-Varianten verbessern die Fähigkeiten der Fahrer. Man sollte es allerdings auch nicht übertreiben und den Kalender überladen, das zerrt nämlich an der Moral und beeinflusst somit den Verlauf der eigentlichen Rennen negativ. Am Rennwochenende darf man dann selbst ans Lenkrad. Jede Veranstaltung besteht aus drei Trainingstagen, dem Qualifying und natürlich dem abschließenden Rennen. Je nach abschließender Platzierung der beiden Piloten erntet das Team mehr Punkte, Geld und die Aufmerksamkeit neuer Sponsoren. Auf diese Weise wird die Kapazität des eigenen Stalls weitergebracht und die Konkurrenzfähigkeit gesteigert. Und es macht einfach einen Heidenspaß. Codemasters ist es auf sehr unterhaltsame Weise gelungen, die Rennaction mit den Management-Einlagen aufzulockern und so die gewisse Prise Salz ins mittlerweile fade, alljährliche Rennspielsüppchen zu geben.

Jeder Pitstop ist pingelig genau animiert, was das Rennsport-Feeling ungemein stärkt.

„F1 2020“ läuft sehr flüssig, was dem Gameplay zugutekommt. Die Autos sind nämlich extrem schnell und agil, so ist es wichtig, dass es die Steuerung auch ist. Leider wirkt die Grafik leicht verwaschen, wahrscheinlich musste die Auflösung zugunsten der Bildwiederholungsrate etwas runtergeschraubt werden. Allerdings ist das zu keinem Zeitpunkt störend, wir begrüßen diese Entscheidung sogar. Es wurde nicht gespart an Spielereien wie Partikeleffekten, durch die Luft schwebende Pollen, wegfliegende Gummiteile von den Reifen und Funken am Unterboden sowie Hitzeflimmern über der Strecke an heißen Tagen. „F1 2020“ fährt sich einfach toll und sieht wunderbar aus. Nur hätten einige Ladezeiten etwas kürzer ausfallen dürfen.

Klanglich überzeugt Codemasters, denn sowohl die Boliden als auch die Umgebungsklänge sind fantastisch umgesetzt. All dies vermittelt auf beeindruckende Weise richtig authentisches Rennflair und verschafft sogar den langweiligeren Strecken eine sehr atmosphärische, fast greifbare Tiefe. Wenn man sich der Zielgeraden nähert, hört man das Publikum jubeln, man vernimmt die Geräusche aus der Boxengasse, um die Strecke sind riesige Bildschirme platziert, welche das aktuelle Geschehen zeigen, über dem Parcours kreisen die Fernseh-Hubschrauber… Ja sogar in der Boxengasse ist jedes Team dargestellt, jedes Mitglied agiert authentisch und hat – wie in der echten Formel-1 – eine ihm zugewiesene Aufgabe. Jeder Pitstop ist pingelig genau animiert, was das Rennsport-Feeling ungemein stärkt.

Die Gegner verhalten sich sehr real, und je nach Einstellung geht ihr Vorgehen von passiv bis hin zu aufdringlich aggressiv. Je nach Geschmack kann sich der Rennspiel-Enthusiast in den Spieleoptionen austoben, auch die Fahrzeugschäden und deren Konsequenzen, Reifenverschleiß und Benzinverbrauch, Hilfslinie, dynamisches Wettersystem… die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr umfangreich. Dazu kommen noch die Einstellungen am Wagen selbst, mithilfe derer man die Performance noch etwas steigern kann. Diejenigen, die wenig mit dem ganzen Drumherum anfangen können, dürfen es auch gerne ignorieren und alles auf „automatisch“ stellen.

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„F1 2020“ überzeugt auf ganzer Linie und dürfte sowohl Einsteiger als auch Rennprofis für sehr lange Zeit an den Bildschirm fesseln.

Neben dem „My Team“-Modus gibt es noch die klassische Meisterschaft, Einzelrennen, Spezialevents und natürlich einen Multiplayer-Modus. All dies kann man in den aktuellen Boliden der Formel-1, in einer schönen Auswahl historischer Wagen sowie Autos der F2-Klasse bestreiten. Übrigens darf auch lokal im Splitscreen gewetteifert werden. Letzter Punkt ist sehr lobenswert, da diese Option die letzten Jahre von den Entwicklern komplett ignoriert wurde. Während den Zweier-Rennen ist die Grafikperformance stark runtergeschraubt, trotzdem – oder gerade deswegen – bleibt es aber sehr gut spielbar. „F1 2020“ überzeugt auf ganzer Linie und dürfte sowohl Einsteiger als auch Rennprofis für sehr lange Zeit an den Bildschirm fesseln.

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Neben der normalen Edition gibt es auch noch die „Schumacher Deluxe Edition“ zum Aufpreis von zirka 10 Euro. Den Schumi-Fan erwarten 4 historische Wagen, die der Deutsche selbst gefahren hat (Jordan 191, Benetton B194, Benetton B195 und Ferrari F1-2000), sowie verschiedenste Skins für die Boliden, die Rennanzüge und Helme. Zu guter Letzt kann man Michael als Fahrermodell auswählen.

Daniel Paulus

Grafiker

Multimedia, Game Reviews

Author: Martine Decker

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