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Meister des Mixens

Cocktailmeister Kevin Wafflart holte die erste Goldmedaille für das Großherzogtum. Was sich seit seinem Sieg verändert hat und wonach er strebt, verrät der 28-jährige Franzose im Interview.

Herr Wafflart, in Taiwan wurden Sie für Ihre Cocktailkreation mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Das stimmt. Am 30. November ging ich bei der „Gang-Dou Asia Cocktail Competition“ in Kaohsiung für Luxemburg an den Start und konnte die Jury dort mit meinem „Overproof Family Team Dudelange“-Cocktail überzeugen. Die Widmung hat wohl Glück gebracht. Der „OFTD“ sollte eine kleine Hommage an die Stadt Düdelingen als ehemaliger Sitz der „Association Luxembourgeoise des Barmen“ (ALB) sein. Daneben ist das „Overproof“ eine Anspielung auf einen bestimmten Rum, den meine Freunde sehr mögen, um eine lange Geschichte kurzzufassen (grinst).

Haben Sie damit gerechnet, zu gewinnen?
Nicht unbedingt. An der „Gang-Dou Asia Cocktail Competition“ nehmen internationale Profis teil. Die Mitglieder der „International Bartenders Association“ (IBA) zählen zu den besten der Welt. Sich gegen solche Gegner durchzusetzen, heißt schon etwas. Ganz ehrlich? Aufs Podium wollte ich es schon schaffen. Der erste Platz war dann doch eine Überraschung.

Wie sind Sie mit dem Druck fertiggeworden?
Der Stresslevel lag schon sehr hoch. Wie gesagt war das Können meiner Mitstreiter nicht zu unterschätzen. Außerdem ging ich als erster Barmann für Luxemburg ins Rennen. Das Großherzogtum in der Welt zu repräsentieren, war eine große Ehre und eine genauso große Herausforderung.

Warum haben Sie sich entschieden, Luxemburg zu vertreten?
Weil ich hier lebe. In den vergangenen Jahren habe ich das Großherzogtum schon bei einigen Wettbewerben repräsentiert. Als Vize-Präsident der ALB geht es mir darum, mich für die Anerkennung des Metiers des Barkeepers im In- und Ausland einzusetzen und neue, internationale Bande zu knüpfen. Spezifische Marken vertrete ich nicht. Davon abgesehen sind die Wege in Luxemburg etwas kürzer (lacht). In Frankreich werden die Barmen je nach Region ausgewählt. Hierzulande machen wir keine langen Vorselektionen. Auf der nationalen Meisterschaft entscheidet sich, wer das Land auf den „World Cocktail Championships“ (WCC) – 2018 in Tallinn – vertreten darf.

Luxemburg in der Welt zu repräsentieren, war eine große Ehre und eine genauso große Herausforderung. Kevin Wafflart

War Ihr Erfolg in Taiwan ein Karriere-Booster?
Auf jeden Fall. Ich bin nicht fest in einer bestimmten Bar oder einem Restaurant beschäftigt, sondern werde für Privatevents gebucht. Seit November sind deutlich mehr Anfragen hereingeschneit, aber das ist nicht alles: Durch Taiwan haben sich einige Türen geöffnet. Ich war in Portugal und Russland unterwegs. Ich wurde sogar nach Singapur eingeladen.

Wollten Sie eigentlich immer Barmann werden?
Jein. Für mich kamen zwei Dinge in Frage: Entweder Profischwimmer zu werden oder in Richtung Hotellerie zu gehen. Mit 14 Jahren ist der Groschen gefallen. Ich habe eine Hotelfachschule in Frankreich besucht, wo ich vieles über Gastronomie, Konditorei und Mixologie lernen konnte. Nach einem Jahr war für mich klar, dass ich mich auf letzteres spezialisieren würde.

Wie kann man sich Ihren Berufsalltag vorstellen?
Ich arbeite viel und schlafe wenig (lacht). Neben diversen Events setzte ich mich für Jungtalente ein. Ich unterstütze Schüler der Hotelfachschule in Diekirch, die denselben Weg gehen möchten wie ich. Mit einer Schülerin habe ich kürzlich für den „Concours Bartolomeo Scappi“ in Italien trainiert. Ich bin aktiv auf der Suche nach Newcomern und möchten sie auf ihrem Bildungsweg begleiten. Die Ausbildung im Alexis-Heck konzentriert sich weniger auf die Sparte „Bar“ als es etwa in Frankreich der Fall ist. Barschulen sind in Europa ohnehin sehr selten. Hier könnten wir uns ein Beispiel an Taiwan nehmen. Dort gibt es eine Schule mit 4.000 Schülern, die staatlich subventioniert wird.

Wie steht es um die Branche hierzulande?
Sie hat sich in den letzten fünf bis sechs Jahren sehr entwickelt. Die Bars sind dabei sich zu verändern. Dennoch ist Barkeeping für viele eher ein Hobby als ein Beruf. Nur sehr wenige Luxemburger sind in diesem Metier aktiv. Die stehen wohl lieber vor als hinter dem Tresen (lacht). In der ALB haben wir nur ein einziges Mitglied mit luxemburgischen Wurzeln, Eric Mangen. Die meisten kommen aus Frankreich, andere aus Polen, Italien, Griechenland. Es ist bunt gemischt. Wie sich die Szene entfaltet, hängt nicht zuletzt von den Marken ab, die sich hier etablieren.

Nehmen die Unternehmen einen direkten Einfluss auf Trends?
Ja, man kann durchaus behaupten, dass sie den Markt steuern. Wobei das wahrscheinlich mehr in Metropolen als im überschaubaren Luxemburg der Fall ist. Wir hinken immer ein, zwei Jahre hinterher.

Welche aktuellen Strömungen beobachtet Sie?
Whisky, Rum und Gin sind im Trend, wobei letzterer abklingt. Durch seine erfrischenden Eigenschaften konnte sich der Gin jedoch vergleichsweise lange halten. Meiner Meinung nach sind lateinamerikanische Spirituosen gerade im Kommen: Mezcal, Pisco und Tequila. Doch auch Cognac erlebt gerade wieder einen Aufschwung, ganz nach dem Motto: zurück zu den Klassikern.

Wie stellen Sie sich die Zukunft der hiesigen Szene vor?
Es wäre das Größte, wenn das Großherzogtum irgendwann ein ähnliches Niveau wie Taiwan erreichen könnte. Wir Barkeeper sollten weiterhin und vermehrt Events organisieren, weltweit ausschwärmen, Kontakte knüpfen, Wettkämpfe austragen und uns so einen Namen machen. Im Ausland können die Luxemburger ihre Stärken nämlich klar ausspielen, denn kaum eine andere Nation beherrscht so viele Sprachen.

Fotos: Anne Lommel, Pixabay

Françoise Stoll

Journalistin / Gastronomie

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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