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Menschenleben retten

Das Corona-Virus ist noch lange nicht endgültig eingedämmt und seine Verbreitung alles andere als gestoppt. Das zeigen nicht nur die ansteigenden Infektionszahlen in Luxemburg. Die Neuzahl der positiv getesteten Personen in Ländern, wie den USA, in Brasilien, in Russland und in Indien untermauert diese Tatsache mehr als deutlich. Die Hoffnung vieler Menschen und Medizinern, das Virus endgültig oder zumindest weitesgehend auszuschalten, beruht auf der Entwicklung eines Impfstoffes.

Aktuell listet die Weltgesundheitsorganisation WHO knapp 150 Projekte auf, die an Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 forschen. Viele davon sind schon in der Phase der Erprobung mit Freiwilligen angekommen, einige stehen kurz vor diesem Schritt. Das mag in Augen von vielen als schnell angesehen werden. Noch vor einigen Jahren brauchte die Ausarbeitung eines Impfstoffes, von der Analyse des Virus bis zur Zulassung, schon gut und gerne mal mehrere Jahre. Doch neue Technologien und Erfahrungen im Kampf gegen verwandte Viren haben die Verfahren beschleunigt. Außerdem haben für die Entwicklung eines Impfstoffes verschiedene Unternehmen Zusammenarbeit angeboten und es kam zu Kooperationen.

Seit Jahren gewinnen die Impfgegner an Boden, vor allem weil sie fast sektenartig auftreten.

Letzte Woche hat Gesundheitsministerin Paulette Lenert im Parlament angekündigt, dass man in Luxemburg – wenn ein Impfstoff bis verfügbar ist – eine Herdenimmunität von 50 bis 70 Prozent durch Impfen erreichen wolle. Das alles stimmt recht positiv, auch wenn es sicherlich noch Monate bis zu der Zulassung eines Impfstoffes dauern mag. Weniger zuversichtlich stimmt die Tatsache, dass die Zahl der Menschen, die Impfstoffen – nicht nur einem zukünftigen gegen Covid – mehr als nur kritisch gegenüber stehen. Über diejenigen, die der Verschwörungstheorie erliegen, dass Bill Gates das Virus erschaffen hat, um die Menschheit zwangsimpfen zu können, hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens.

Seit Jahren gewinnen die Impfgegner an Boden, vor allem weil sie fast sektenartig auftreten und mit dem Streuen von Des- und Fehlinformationen für große Verunsicherung bei einem Teil der Bevölkerung sorgen. Oft sind die selbsternannten „Experten“ Menschen, die nie in irgendeinem medizinischen Beruf gearbeitet oder gar ein medizinisches Studium belegt haben und deren Argumente in der Regel leicht wiederlegbar sind. Impfskeptiker schließen bewusst die Augen davor, dass Impfungen es im Laufe der Jahre ermöglicht haben, schwerste Krankheiten auszumerzen. Das ist wissenschaftlich tausendfach bewiesen. Pocken sind ausgerottet, die Infektionskrankheiten Polio und Wildpolio quasi auch. Masernerkrankungen inklusive Todesfälle flackern allerdings – auch in Europa – wieder auf, vor allem weil viele sich nicht mehr bewusst sind, wie schrecklich die eine oder andere Krankheit verlaufen kann und deshalb auf Impfung verzichtet wird. Eventuell wird durch die Covid-Krise und die damit verbundene Suche nach einem geeigneten Impfstoff einigen der Impfskeptikern bewusst, dass Impfungen vor allem dazu dienen, Menschenleben zu retten, selbst wenn sie nie einen 100 prozentigen Schutz garantieren können.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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