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Möge die Macht mit ihnen sein

Im Film sind Jedi-Ritter eine ausgewählte Elite-Truppe. In Metz jedoch kann jeder zum Jedi werden. Die Padawane sind „Star Wars“-Fans der ersten Stunde. Ihr Ziel: Meister der Lichtschwertkunst werden.

Fotos: Anne Lommel

Das Espace Belletanche in Metz ist auf den ersten Blick eine ganz banale Turnhalle. Drinnen spielt sich allerdings eine Ausbildung der ganz besonderen Art ab. „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen“, lernte Luke Skywalker in der Ausbildung bei Meister Yoda. Die Szene ist unrealistisch, fast verwirrend. Sie könnte aus einem Science-Fiction Film stammen. Im Zwielicht leuchten bunte Lichtschwerter auf. Blau, grün und rot. Manche ausgestattet mit originalen Star Wars Soundeffekten. An der Frontlinie stehen ein dutzend Kämpfer bereit. Sie nennen sich „Les héritiers de la force“. Die dunkle und die helle Seite der Macht werden hier gleich aneinander geraten. Oder auch nicht.

„Alle sind Star Wars-Fans“, verrät Alexandre d’Altoé, Mitgründer des Jedi-Ausbildungskurses. „Die meisten sind Fans der ersten Stunde. Seit 1977. Sportlich sind sie im Allgemeinen nicht. Unser ältestes Mitglied ist 47 Jahre alt, aber sobald er ein Lichtschwert in der Hand hält, ist er wie ein fünfjähriges Kind.“

Geeks und Sport? Diese Kombination klingt eher ungewöhnlich. Dem Laserschwert gilt die ganze Aufmerksamkeit. Viele haben seit ihrer Kindheit davon geträumt, einmal in ihrem Leben die Gelegenheit zu bekommen das Lichtschwert durch die Luft zu schwingen. „Wir schlagen uns mit den Laserschwerten nicht die Köpfe ein“, möchte Alexandre sofort klarstellen. „Es bleibt eine Waffe, die mit Vorsicht zu handhaben ist.“

„Es ist ein Traum, der wahr wird“, verrät mir einer der „Padawane“ mit großer Begeisterung. Alle sind konzentriert und aufgeregt zugleich. Aufmerksam folgen sie den Anweisungen von Maître Windu. Mit richtigem Namen heißt er Daniel Roy und ist Fechtlehrer.

„Wir haben es hier mit einer Geek-Kultur zu tun“, erklärt Daniel amüsiert. „Sie sind eigentlich gar nicht hier, um Sport zu treiben. Auf jeden Fall ist es nicht ihr Hauptziel. Sie wollen lernen, das Laserschwert zu handhaben.“ Es läuft nicht anders wie beim Fechten ab. Auch wenn seine Lehrlinge echte Draufgänger sind, lernen sie geduldig eine Waffe richtig zu halten, sich richtig zu bewegen, Schläge zu versetzen und sich natürlich auch zu schützen.

„Körperbeherrschung und Technik sind sehr wichtig. Es ist wie beim Tanzen. Bewegungen, die ineinander greifen. Bewegungen, die man lernt und immer wiederholt. Es ist sicherlich eine gute Basis fürs Fechten.“

„Les Héritiers de la force“ ist ein Konzept das von Alexandre d’Altoé und Anthony Schaller, der Präsident des SE Metz (Société d’escrime de Metz), stammt. Die Idee geht ihnen lange nicht aus dem Kopf, bis sie schlussendlich im vergangen September ihren ersten „Jedi-Ritter Kurs“ anbieten. Das Interesse ist groß. Sofort melden sich die ersten Mitglieder. Auch die regionale Presse berichtet mit Neugierde über diesen Club der besonderen Art. Sogar das deutsche Fernsehen interessiert sich für die Jedi-Lehrlinge. „Die Leute haben uns alle für verrückt gehalten. Bis sie uns beim Trainieren gesehen haben. Da wurde ihnen bewusst, dass es sich hier um eine echte Sportart handelt“, erklärt Alexandre ganz stolz. Heute zählt der Club 26 Mitglieder. Die meisten von ihnen sind Männer. Nur sechs Frauen begeistern sich für die Lichtschwertkunst. „Manche Leute schicken uns ein richtiges Bewerbungsschreiben mit Lebenslauf. Sie wollen unbedingt an unseren Kursen teilnehmen.“ Einen kommerziellen Grund gibt es nicht und doch zahlt jedes Mitglied 350 Euro jährlich. Trainiert wird einmal die Woche. „Wir verbringen eine schöne Zeit unter Star Wars-Fans. Das ist das Wichtigste“, erklärt ein unbekannter „Padawane“. Hinter seiner Maske ist er nicht zu erkennen. Auffallend ist sein ganz außergewöhnliches Lichtschwert mit einem dreiköpfigen Griff. Es leuchtet rot. Auch wenn seine Identität verborgen bleibt steht fest, dass er zu den „Sith Forces“ gehört, der dunklen Seite der Macht. Es scheint, als seien die Meisten hier erbitternde Feinde der Jedi-Ritter. Nur wenige Schüler benutzen blaue oder grüne Lichtschwerter. Die kennzeichnen nämlich die Jedi-Ritter, die Hüter des Friedens. Sehr gesprächig sind sie aber alle nicht.

„Die Lichtschwerter sind aus Polycarbonate, einem thermoplastischen Kunststoff“, erklärt Alexandre. „Es handelt sich nicht um eine Plastik-Attrappe. Hiermit kann richtig zugeschlagen werden. Zu Bruch geht ein solches Schwert so schnell nicht. In den Vereinigten Staaten und in Russland ist die Marktnische der Lichtschwerter weit mehr entwickelt als bei uns. Seit zehn Jahren stellen Firmen in diesen Ländern Laserschwerter her.“

Der Preis liegt zwischen 100 und 500 Euro, je nach Modell. Alexandre lässt die Lichtschwerter bei einem Fechtmeister in Reims anfertigen. Erstens weil es ein französisches Unternehmen ist, und zweitens weil es Mitglied der „Fédération française d’escrime“ ist. Zur Jedi-Ausbildung kann jeder, der sich dafür begeistert und Lust auf ein einzigartiges Erlebnis hat. Minderjährige dürfen allerdings aus rechtlichen und Sicherheitsgründen nicht teilnehmen.
„Solche Laserschwerter können gefährlich sein“, warnt Alexandre. „Es handelt sich hier nicht um ein Spielzeug. Wir hängen von der ,fédération française d’escrime‘ ab. Wir benutzen die Schutzausrüstungen des Fechtklubs. Doch die reichen nicht aus. Ein Laserschwert ist kein Florett. Deshalb zahlen wir eine Zusatzversicherung. Verletzungen oder Unfälle gab es bis jetzt aber noch keine.“

Mehr Informationen:
Société d‘Escrime de Metz
www.escrime-metz.com
Tel. : 0033 3 87 56 16 52

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: alommel

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