Etwas Schönes erleben, den Alltag vergessen, Spaß haben – das sind nur einige der Ziele der Stiftung „Ecouter pour mieux s’entendre“, die Musik jenen Menschen nahebringt, die normalerweise keinen Zugang zu ihr haben.
Fotos: Sébastien Grébille, Andrés Lejona
Still sitzen, sich konzentrieren und im gleichen Atemzug auch noch Grundschläge und Rhythmen auf einem fremden Instrument erlernen – keine leichte Aufgabe für die bis zu 30 Flüchtlingskinder im Centre Héliar in Weilerbach, die an dem Djembé-Projekt der OLAI teilnehmen. Doch sobald der Workshop-Leiter Robert Bodja die Trommeln aufstellt, vergessen die Jungen und Mädchen aus Syrien, Albanien, dem Kosovo und weiteren Konfliktländern, was sie in den letzten Wochen und Monaten erlebt haben. Obwohl sie keine gemeinsame Sprache sprechen, haben sie gelernt, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Und das ist – neben ihren strahlenden Gesichtern – das Wichtigste für den Perkussionisten, der selbst vor fast 25 Jahren aus seiner Heimat Togo geflohen ist und nach langen Jahren des Wartens auf eine Aufenthaltsgenehmigung über die Musik seinen Platz in der Luxemburger Gesellschaft gefunden hat.
Musik hören, Musik fühlen, Musik ausdrücken – bei den Projekten der EME-Stiftung ist Freude an Musik das Wichtigste.

Mittlerweile ist der stets gut gelaunte Robert Bodja, der ebenfalls den sehr dynamischen Senioren-Gospelchor im Servior-Altenheim „Op der Rhum“ gegründet hat, festes Ensemble-Mitglied der gemeinnützigen Stiftung „Ecouter pour mieux s’entendre“ (EME) und begleitet zahlreiche Musikprojekte für Menschen aller Altersklassen. Die kurzfristig auf die Beine gestellte Initiative mit den Flüchtlingskindern lag ihm indes ganz besonders am Herzen. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass solche Aktivitäten der erste Schritt in Richtung Integration sind.“ Und als Dank für seine Mühe spielten seine Schüler das beste Konzert aller Zeiten in Weilerbach.
Ein weiteres Projekt der 2009 gegründeten Stiftung war im vergangenen Jahr der Musik und dem Bewegungstheater gewidmet. In Zusammenarbeit mit der Jugendpsychiatrie der Hôpitaux Robert Schuman wurde ein einwöchiger Intensiv-Workshop organisiert, bei dem junge Mädchen mit einer Störung der eigenen Körperwahrnehmung lernten, aus sich herauszugehen, Nähe und Berührungen zuzulassen und darüber hinaus die Angst zu verlieren, sich lächerlich zu machen. Wie wichtig Musik als Heilmittel ist, erklärt Musiktherapeutin Martine Wallenborn im EME-Dokumentarfilm, der anlässlich des fünften Geburtstages der Stiftung in Auftrag gegeben wurde, folgendermaßen: „Musek beréiert de Mënsch an all sengen Dimensiounen. Op dat elo déi kierperlech Dimensioun ass, déi séilesch, déi psychesch oder heiansdo och déi sozial, Musek verbënnt. A Musek heescht och ëmmer: deelen.“
Es gibt keine Kultur ohne Musik. Musik ist ein Grundbedürfnis aller Menschen, doch nicht jeder hat Zugang zu ihr. Daher organisiert und unterstützt die EME-Stiftung vor allem Projekte, die sich an Menschen wenden, die aus vielfältigen Gründen nicht an kulturellen Aktivitäten teilnehmen können.




Die gleichen Erfahrungen haben Gast Waltzing in der Schrassiger Haftanstalt und David Galassi und Tom Mahnen von „De Läb“ im sozialpädagogischen Zentrum in Dreiborn gemacht. Bei letzterem Projekt haben die beiden Rap-Musiker Texte mit den Jugendlichen geschrieben, aufgenommen und ein Album herausgebracht. Mit Yves-Laurent Dockendorf wurden zudem das Cover der CD und einige Graffitis zur Dekoration der Dreiborner Kapelle entworfen, wo im Sommer das Projekt-Abschlusskonzert für Freunde, Familien und Lehrer stattgefunden hat.


