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Mythos oder Realität?

Aga-Kröte, spanische Fliege und Nashorn-Horn – die Geschichte der Aphrodisiaka ist lang und absurd. Auf der Suche nach magischen Potenzmitteln wurde nicht nur ein Lebewesen auf die rote Liste der bedrohten Tierarten katapultiert. Dabei verbirgt sich Sinnlichkeit schon in ganz gewöhnlichen Lebensmitteln.

Fotos: Pixabay (10), Anne Lommel

Ingwer verfügt über durchblutungsfördernde und wärmende Eigenschaften, die sich bei der Einnahme auf den ganzen Körper auswirken können. Schon im antiken China galt die Knolle als Aphrodisiakum, da eine stärkere Durchblutung die sexuelle Empfindsamkeit und Lust steigern kann. Im Gegensatz zu anderen Mitteln beeinflusst Ingwer den Hormonhaushalt jedoch nicht.

 

Der Granatapfel gilt als Frucht der Göttin Aphrodite und ist ein Sinnbild der Jugend, Schönheit, Liebe, Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit. Er spiegelt das Verlangen sowohl in seiner wunderschön rund-roten Form als auch in seinem köstlich säuerlichen Geschmack. Der Begriff „Aphrodisiakum“ wurde vom Namen der griechischen Liebesgöttin abgeleitet. In Griechenland ist es bis heute Tradition, dass frisch vermählte Ehepaare mit getrockneten Granatapfel-Samen beworfen werden, weil es reichen Kindersegen versprechen soll.

 

Ginseng, eine Gebirgspflanzen, die überwiegend in Korea wächst, wird in Asien schon lange als libido- und potenzsteigerndes Mittel eingesetzt. Die Wurzel soll sich günstig auf den Hormonhaushalt und die Durchblutung auswirken, was Funktionsstörungen beseitigen sein kann. In einer aktuellen Studie wurde die Wirkung von Ginseng auf Mäuse bestätigt. Was Menschen betrifft, ist die Forschungslage jedoch noch recht spärlich.

 

 

 

Sellerie – Warum ausgerechnet diese unscheinbare Knolle in der Volksmedizin als Lustmacher gilt, war lange ein Rätsel. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass Sellerie eine Substanz namens 3-Butylphthalid enthält, die einen entspannenden und beruhigen den Effekt auf Menschen haben soll. Außerdem wurden hormonartige Substanzen in der Wurzel gefunden, die männlichen Sexuallockstoffen ähneln. Beim Kochen verliert Sellerie seine aphrodisierenden Wirkstoffe dagegen. Wer seine Wirkungskraft erfahren möchte, muss ihn also roh genießen.

 

Austern – Weil Aphrodite einst dem Meer entstiegen ist, werden die unterschiedlichsten Typen von Meeresfrüchten, und insbesondere Austern, mit der Liebesgöttin assoziiert. Form und Beschaffenheit sind sehr suggestiv und so heißt es denn auch, dass Casanova 50 Austern pro Tag verzehrt haben soll, um seine Manneskraft zu stärken. Was über Legenden hinausgeht und tatsächlich bewiesen werden kann, ist, dass Austern eine Menge Zink enthalten, was den männlichen Körper beim Aufbau von Testosteron unterstützt und vor Impotenz vorbeugen kann.

 

Knoblauch – Ausgerechnet Knoblauch? Tatsächlich. Trotz des unangenehmen Geruchs soll die Knolle aphrodisierend wirken und vor allem der Durchblutung guttun. Aus Keuschheitsgründen ist es buddhistischen Mönchen verboten, sie zu verzehren. Neben ihren libidofördernden Fähigkeiten wirken die Zehen ebenfalls vitalisierend und entschlackend. Beim Essen sollten allerdings beide Partner zugreifen, sonst könnte der Schuss nach hinten losgehen.

 

Wein – Wein wird in der Kulturgeschichte nicht ohne Grund als „Liebestrank“ bezeichnet. Bei den Griechen und Römern galt Dionysos bzw. Bacchus als Gott der Fruchtbarkeit, Ekstase und des Weines. Auch heute ist nicht zu bestreiten, dass sich Wein durch seine Pheromone (Sexualduftstoffe) unmittelbar auf das menschliche Hormonsystem auswirkt. Bei Frauen soll er die Östrogen-Produktion verstärken. Generell gilt, dass mäßiger Konsum die Libido bei beiden Geschlechtern anregen kann. Ein Glas zu viel kann die sexuelle Leistungsfähigkeit hingegen schwächen.

 

Honig – Schon das englische Wort „honeymoon“ (dt. Flitterwochen) lässt auf einen romantischen Hintergrund schließen. Es heißt, der Begriff sei entstanden, weil Frischvermählte früher, vom ersten Tag ihrer Ehe bis zum nächsten Neumond, gemeinsam Met tranken. Während gewöhnlicher Honig keine stimulierenden Wirkungen hervorruft, gilt eine Sorte als besonders berüchtigt: sogenannter „mad honey“ (dt. pontischer Honig). In der Schwarzmeerregion gilt er selbst heute noch als beliebtes Aphrodisiakum und ist für seine halluzinatorischen Eigenschaften – ähnlich wie bei Alkohol – bekannt. Bestimmte Mengen sollten allerdings keinesfalls überschritten werden, da pontischer Honig giftige Stoffe aus Pollen und Nektar enthält und lebensbedrohlich sein kann.

 

Schokolade – Schokolade und Romantik miteinander zu verbinden, geht bis auf die aztekische Kultur zurück. Für die Azteken war sie (damals immer in flüssiger Form) ein „heiliges Geschenk“ der Götter. Eine Legende besagt, dass Herrscher Moctezuma sich stets mit Schokolade stärkte, bevor er sein Harem besuchte. Obwohl Kakao das Endorphin Phenylethylalanin, ein Glückshormon, enthält, sind die Mengen zu gering, um einen stimulierenden Effekt zu erzeugen. Der Verzehr von Schokolade mag für viele ein Genuss sein, seine Wirkung ist aber eher psychologischer als medizinischer Natur.

 

Erdbeeren – Erdbeeren sollen ebenfalls einen positiven Effekt aufs Liebesleben haben. Nicht das Fleisch, sondern die Körner an der Oberfläche sind für ihren hohen Zinkgehalt bekannt. Das Spurenelement soll die Produktion von Testosteron beschleunigen und die Lust fördern. In der Popkultur und Literatur werden die Früchte als Symbol der Erotik schlechthin verstanden. In Thomas Manns „Tod in Venedig“ werden sie aufgrund ihrer Form mit Homosexualität assoziiert. In der christlichen Mythologie sind Erdbeeren hingegen alles andere als Aphrodisiaka. Sie sind Maria geweiht und versinnbildlichen Keuschheit.

 

Chili – Chilischoten enthalten sogenanntes Capsaicin. Der Stoff regt den Körper dazu an Endorphine, umgangssprachlich auch Glückshormone, auszuschütten. Tatsächlich wird die Chili-Schärfe vom Gehirn als eine Art Schmerz wahrgenommen, was dazu führt, dass besagte Hormone produziert und freigesetzt werden. Darüber hinaus regen die Schoten die Durchblutung an, wovon bestimmte Körperteile besonders profitieren.

Françoise Stoll

Journalistin / Gastronomie

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

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Author: alommel

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