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Natur im Garten

Ein durchgestylter Garten hat so seine Vorteile: Er ist pflegeleicht und sieht dazu noch gut aus. Doch mehr und mehr Gartenbesitzer entdecken die Lust am Natürlichen. Wie man seinen Garten noch grüner bekommt und dazu noch sein eigenes Essen produziert – hier gibt es Tipps. Fotos: Garten- und Landschaftsbau Wittberg, J.F. Koller/pixelio, Erich Westendarp/pixelio, blv Verlag, Günter Havlena/pixelio, JPW Peters/pixelio

Naturverbunden: Ron und Rebecca Wittig leiten eine Firma für Garten-  und Landschaftsbau in Wormeldingen.

Naturverbunden: Ron und Rebecca Wittig leiten eine Firma für Garten- und Landschaftsbau in Wormeldingen.

Als Rebecca und Ron Wittig ihren Garten rund um das neue Haus planten, war die Sache eigentlich ganz klar. Modern und kubistisch sollte er sein, genau wie das Haus: mit klaren Linien ohne viel Schnickschnack. „Irgendwann wurde mir klar, dass das so nicht geht“, erzählt der Landschaftsgärtner jetzt. „ich wollte in meinem Garten auch Platz haben, um Gemüse und Obst anbauen zu können. Es kam mir seltsam vor, einen Garten zu haben und darin nichts zu produzieren.“ Den Trend, den eigenen Garten naturnah mit Blumen, Insekten und ökologischen Baustoffen zu gestalten und dazu auch eigens Obst und Gemüse anzubauen, beobachten Ron und Rebecca Wittig, die in Wormeldingen eine Firma für Garten- und Landschaftsbau betreiben, bereits seit ein paar Jahren. Zwar werden die Grundstücke aufgrund weiterhin steigender Bodenpreise immer kleiner, trotzdem möchten viele Grundstücksbesitzer auf einen grünen Garten nicht verzichten. Worauf man bei der Gestaltung achten muss, haben die Wittigs der revue erzählt.

Worauf muss ich achten, wenn ich meinen Garten umgestalten möchte?
Wichtig ist zuerst, Bodenbeschaffenheit und Lichtverhältnisse zu überprüfen, damit steht und fällt das gesamte Gartenprojekt. Dann kann mit der Planung begonnen werden. Es muss festgelegt werden, welcher Bereich des Gartens wie genutzt werden soll. Flächen für den Anbau von Obst und Gemüse können so angelegt werden, dass sie vom Terrassenbereich nicht gleich zu sehen sind. Wird ein Spielbereich für Kinder geplant, kann dieser nah an den Beeten liegen. So können Kinder schon beim Spielen leckeres Obst, Beeren oder Gemüse naschen. Den eigenen Garten sollte sich jeder so gestalten, wie es gefällt, doch ohne gründliche Planung (gegebenenfalls durch einen Garten- und Landschaftsgärtner) scheitert das Projekt Garten oft.

Ohne gründliche Planung scheitert das Projekt Garten oft.

Was braucht ein naturnaher Garten?
In einem naturnahen Garten sollte es Nutzflächen für den Eigenanbau von Obst und Gemüse geben, aber auch Spiel- und Erholungsflächen. Mauern aus Natursteinen, Kräuterspiralen, ein Kompost, ein Insektenhotel, Blumenwiesen, Wasserspiele und Teiche sind ebenfalls Komponenten, die einem Garten ein natürliches Ambiente verschaffen. Zu empfehlen sind einheimische Gehölze und welche, die Insekten anziehen wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Gut geplant: In einen naturnahen Garten gehören Nutz- und Erholungsflächen nebeneinander. Ein Teich (r.) vermittelt entspannende Atmosphäre.

Gut geplant: In einen naturnahen Garten gehören Nutz- und Erholungsflächen nebeneinander. Ein Teich (r.) vermittelt entspannende Atmosphäre.

Wie messe ich die Bodenbeschaffenheit?
In jedem Gartenfachgeschäft oder Baumarkt gibt es Tests, mit denen man den pH-Wert des Bodens messen kann. Eine Bodenanalyse über ein Labor ist auch möglich, aber kostspielig. Meist ist es erst einmal ausreichend, den Boden einfach in die Hand zu nehmen, ihn in der Faust zusammenzupressen und dann die Hand wieder zu öffnen. Ist der Boden sehr feinkrümelig, handelt es sich um sandigen Boden, der sich im Frühjahr leicht erwärmt und so zwar die Pflanzen schnell wachsen lässt, an heißen Sommertage aber oft gegossen werden muss. Humoser Boden enthält viel organisches Material, ist luftdurchlässig, nährstoffreich und kann Wasser gut speichern. Er ist krümelig und zerfällt nach dem Zusammendrücken in Klumpen unterschiedlicher Größe. Außerdem riecht er nach Wald. Bei lehmigem Boden ist eine Bodenaufarbeitung nötig. Lehmiger Boden speichert viel Wasser, was zu Staunässe führen kann, außerdem erwärmt er sich im Frühjahr spät, wodurch auch der Pflanzenwuchs erst spät erfolgt. Zur Aufbesserung des Bodens empfiehlt sich das Einarbeiten von Sand. Einfach vier bis fünf Zentimeter normalen Moselsand aufschütten und bis zu 30 Zentimeter tief mit der Hacke oder dem Spaten einarbeiten.

Pflanzenschutz selbst gemacht

Begonien: 1 Pflanze mit Blüten zerkleinern und mit 10 l Wasser übergießen. 2 Stdn. ziehen
lassen. Setzlinge eintauchen oder nach dem Setzen übergießen, wirkt abweisend auf Schnecken.

Brennnesselen: 1.000 g/150 g/10 l Wasser. Es werden kleine und große Brennnesseln verwendet, die kleine gilt als die aggressivere Art. Ernte bis kurz vor der Blüte und bei voller Sonne, am besten im Mai. Nach dem Schnitt etwa 8 Stunden anwelken lassen, erst dann mit Wasser übergießen. Wirkt gegen Blattläuse, Spinnmilben und Weiße Fliegen, die Spritzung muss an drei Tagen hintereinander erfolgen. Dient der Wachstumsförderung und Stärkung bei allen Gemüsepflanzen (besonders Gurken, Kohl, Porree, Tomaten und Zucchini, jedoch nicht für Bohnen, Erbsen, Knoblauch und Zwiebeln), Obst und Blumen.

Hielennertéi: 1.000/100 g/10 l Wasser, 1:5. Blätter des schwarzen Holunders. Kann vorbeugend gegen den Kohlweißling und andere Schädlinge eingesetzt werden. Auch in die Gänge von Wühlmäusen und Maulwürfen und in Ameisennester gießen, unverdünnt.

Gromperentéi: Unverdünntes Kochwasser auf Blattläuse spritzen, schonend, gut bewährt bei Rosen.

Knuewelekstéi: 80 g kleingehackte Zehen/1l Wasser, 1:5 bis 1:10 verdünnen gegen Blattläuse, Echten Rosenmehltau, Gurkenmehltau, (Brombeer-, Erdbeer-)Milben, Pilzkrankheiten an Beerenobst, Kartoffeln und Tomaten (Kraut- und Braunfäule, unverdünnt spritzen, bei Befall zweimal wöchentlich), Schimmel und Schorf, bei Befall alle 4 Tage wiederholen.

Knuewelekspiff: 500 g/10 l Wasser, 1:10. Über den Boden gießen, erhöht die Abwehrkraft. Gegen Pilzkrankheiten an Erdbeeren und Kartoffeln.

Pissblummepiff: 2.000 g/200 g/10 l Wasser, unverdünnt oder 1:5 verdünnt. Die unverdünnte Jauche aus Wurzel und blühender Pflanze in Frühjahr und Herbst auf den Boden spritzen. Sie fördert das Wachstum und die Fruchtqualität von Beeren- und Baumobst, dient auch als Kompostbeigabe.

Pissblummentéi: 150g/15 g /1 l kochendes Wasser. Im Frühjahr über die Pflanzen spritzen, dient zur Wachstumsregulierung und der Qualitätsverbesserung der Früchte.

Moosextrakt: 50 g getrocknetes Moos/1 l Wasser. Kaltwasserauszug 1 Tag lang ziehen lassen, filtern, unverdünnt anwenden. Oder: 50 g getrocknetes Moos/0,1 l Alkohol 30%, verdünnen auf 20 l. Oder ein zylindrisches Gefäß zu einem Viertel mit Moos befüllen, anschließend (Regen-)Wasser bis zum Rand auffüllen, 1 Tag ziehen lassen und filtern. Unverdünnt anwenden. Grundsätzlich können fast alle Moosarten verwendet werden, aus
Umweltschutzgründen sollte man das Rasenmoos nehmen. Dient als Abwehrmittel gegen Schädlinge wie Schnecken (direkt auf die Pflanzen spritzen), vorbeugend antimikrobiell und fungizid gegen Echten Mehltau an Rosen, Grauschimmelfäule an Blumen, Erdbeeren, Paprika, Salat, Tomaten, Wein, Kraut- und Knollenfäule der Kartoffeln, Blatt- und Fruchtfäule der Tomaten, Falscher Mehltau an Weintrauben. Bei Befall alle paar Tage Spritzung mit der vierfachen Menge wiederholen, vorbeugend alle paar Wochen anwenden.

Orangëschuelepiff: 1.000 g/200 g/ 10 l Wasser. Gegen Ameisen, in die Nester gießen.

Rubarbsbliederpiff: 1.000 g/100g/6 l Wasser, Kochzeit 30 Minuten. Unverdünnt an 3 Tagen hintereinander die Pflanzen spritzen. Gegen Lauchmotten und schwarze Läuse auf Bohnen, Holunder und Sauerkirschen.

Die erste Zahl in der Liste gibt immer das Gewicht der frischen, die zweite das der getrockneten Kräuter an. Es folgt die Ansatzmenge des Wassers, dann die Verdünnungsstufe. Vorzuziehen ist Regenwasser, sonst abgestandenes Wasser.

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Passen Hochbeete in einen naturnahen Garten?
Unbedingt, denn ein Hochbeet lässt sich prima mit einer Natursteinmauer verbinden, die Lebensraum für Pflanzen und Kleintiere ist. Ein Hochbeet hat mehrere Vorteile: Man ist nicht auf die Bodenbeschaffenheit im Garten angewiesen, weil der Boden in einem Hochbeet ohnehin mit Reisig, Füllboden und Gartenerde angelegt werden muss. Die Steine eines Hochbeetes geben noch nach Sonnenuntergang Wärme an die Pflanzen ab, was für den Anbau von Obst und Gemüse hilfreich ist. Außerdem bietet ein Hochbeet mit seiner durchschnittlichen Höhe von 75 Zentimetern die Möglichkeit, rückenschonend zu arbeiten.

Ist ein Kompost zu empfehlen?

Gold wert: Ein Kompost passt in den kleinsten Garten, auch neben eine Kräuterspirale.

Gold wert: Ein Kompost passt in den kleinsten Garten, auch neben eine Kräuterspirale.

Ein offener selbstbelüfteter Kompost ist Gold wert. Er bietet Lebensraum kleine Tiere. Zudem kann man die eigenen Garten- und Küchenabfälle entsorgen und diese später als zusätzliche Erde oder Dünger den Gartenpflanzen und dem Boden zuführen. Auf den Kompost gehören nur organische Abfallstoffe, wie gemähter Rasen, Rasen- oder Blumenschnitt, Laub, Hecken- oder Strauchschnitt, Unkraut und Wildkräuter, verwelkte Pflanzen. Abfälle aus dem Haushalt wie Eierschalen, Küchenabfälle, die nach dem Schälen von Kartoffeln, Obst oder Gemüse übrig bleiben, Obst und Gemüsereste, Kaffeesatz und -filter aus Papier. Weitere Abfälle wie der Mist von Haus- und Stalltieren, Holzasche vom Grill oder von der Feuerstelle, Stroh oder Heu.Auf den Kompost sollten keine Abfälle tierischer Herkunft, wie Knochen, Fleisch oder Wurst geworfen werden. Auch alle nicht kompostierbaren Abfälle wie Kunststoffe, Metalle, Glas, Windeln oder Textilien. Bei der Aufbringung des Kompostes sollten dieser vorher gut durchgemengt werden.

Blumenwiese – schön, aber unnütz?
Wer viel Platz in seinem Garten hat und über eine Ecke verfügt, die wenig benutzt wird, kann dort eine Blumenwiese streuen. Saatgut gibt es im Gartenfachhandel. Blumenwiesen bieten Lebensraum für Insekten, sind schön anzusehen und außerdem pflegeleicht. Sie müssen nur zwei Mal im Jahr gemäht werden. Eine Blumenwiese eignet sich auch um große Obstbäume herum.

Wie dünge und schütze ich meine Pflanzen?
Für die Düngung eignen sich der eigene Kompost und Hornspäne. Hornspäne bestehen aus geraspelten Hufen und Hörnern von Schlachtvieh. Sie setzen viel Stickstoff frei, was der Hauptnährstoff von Pflanzen ist. Durch die langanhaltende Wirkung der Hornspäne muss man nur alle drei bis vier Jahre düngen.

Foto: JPW Peters/pixelio

Foto: JPW Peters/pixelio

Pflanzenschutz in einem naturnahen Garten kann auf unterschiedliche Arten betrieben werden. Man kann die Anzahl natürlicher Feinde von Schädlingen erhöhen, wie beispielsweise Marienkäfer bei Blattläusen. Diese sog. Nützlinge können im Fachhandel bestellt werden und dann ausgesetzt bzw. ausgegossen werden. Ein bewährtes Pflanzenschutzmittel sind Leimringe oder -fallen, an denen die Schädlinge kleben bleiben. Eine andere Möglichkeit ist das Herstellen von Jauchen, Tees und Brühen (s. Kasten).

Buchtipp

buchtippNach dem erfolgreichen „Garten-Starter“: jetzt der fundierte Crashkurs für junge Biogärtner. Das Rundum-Sorglos-Paket: kompaktes Wissen – lässig und motivierend präsentiert. So funktioniert’s: alle Bio-Basics für den Nutz- und Ziergarten mit handfesten Profi-Tipps. Problemloses Nachmachen mit Step-by-Step-Bildserien.

ISBN:  978-3-8354-1339-9, Verlag blv, ca. 20 Euro.

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Gibt es Unkraut in einem naturnahen Garten?
Am besten ist, Unkraut gar nicht erst wachsen zu lassen, sondern die Pflanzflächen so anzulegen, dass nur die Pflanzen darauf wachsen, die man haben möchte. Dafür kann beispielsweise ein Pflanzvlies benutzt werden.Eine andere Methode ist das „Gärtnern im Quadrat“. Dabei werden Pflanzflächen in überschaubare Quadrate eingeteilt (30 x 30 oder 40 x 40 cm) und in jedem eine bestimmte Sorte an Gemüse anbauen. Durch die Dichte der Bepflanzung hat das Unkraut weniger Chancen, sich zu entwickeln, außerdem ist die Pflege einfacher und weniger zeitaufwändig, weil man Quadrat für Quadrat bearbeiten kann. Eine anderer Vorteil ist, dass nicht zu viel Gemüse auf einmal angebaut wird, sondern auch zeitversetzt gearbeitet werden kann.

Gehören in einen naturnahen Garten auch Gartenteiche und Wasserspiele?
Nicht unbedingt, aber sie sind natürlich schön. Ein Gartenteich ist immer schwierig, wenn kleine Kinder im Haushalt sind. Beim Anlegen eines Gartenteichs gilt: je größer, desto besser. Steht der Teich sehr sonnig, muss er tief genug sein, damit sich das Wasser nicht extrem aufheizt. Dann nämlich blieben Wassertemperatur und -qualität stabil. Teichbecken aus Kunststoff sind nicht empfehlenswert. Als Umrandung eignet sich Kies mit großen Steinen versetzt. Alte Wurzeln verleihen zusätzlich einen natürlichen Charakter.

Schön und nützlich: Hochbeete sind voll im Trend – sie sehen gut aus und lassen das Gemüse prima wachsen.

Schön und nützlich: Hochbeete sind voll im Trend – sie sehen gut aus und lassen das Gemüse prima wachsen.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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