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Neue Wege, bessere Chancen?

Wer seinen Job verloren hat, den führen die ersten Schritte zur Arbeitsagentur. Welche Erwartungen darf man an die ADEM stellen? Was versprechen ihre reformbedingten Neuerungen?

Ein Alptraum wird Wirklichkeit: gestern noch berufstätig, heute die Kündigung per Einschreiben im Briefkasten. Auch wer schon vorher Gewissheit oder zumindest eine leise Ahnung von der bevorstehenden Entlassung hatte, den trifft das Schreiben wie eine Faust in den Magen. Dort steht es nun Schwarz auf Weiß: Man ist arbeitslos.

Der erste Weg führt in der Regel zur ADEM, der „Agence pour le développement de l’emploi“. Wer aber nun annimmt, er könne sich zurücklehnen und abwarten, bis die Arbeitsagentur eine neue Stelle für ihn auftreibt, der irrt. „Die ADEM übernimmt nicht die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle, das bleibt in der Verantwortung der Betroffenen selbst. Die ADEM unterstützt sie aber dabei mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“, berichtigt Fabio Scolastici, Leiter der Abteilung „Parcours personnalisé des demandeurs d’emploi“. Darunter fallen die Vermittlung von Stellen, die der ADEM gemeldet wurden, aber auch die Zuweisung des Arbeitslosengeldes, anderer finanzieller Hilfen und von Fortbildungen im Rahmen der Beschäftigungsmaßnahmen.

Fabio Scolastici kann die Enttäuschung vieler Arbeitssuchender verstehen, denn er weiß, wie schwer es heutzutage auf dem Arbeitsmarkt ist. Doch er weist darauf hin, dass eine erfolgreiche Jobsuche nur erfolgt, wenn sich beide Parteien anstrengen. Die „Convention de collaboration“, die im Rahmen der ADEM-Reform entworfen wurde und in einigen Zweigstellen bereits getestet wird, soll Missverständnissen und Unmut vorbeugen. „Wenn dann jemand behauptet ‚Mir wurde bei der ADEM überhaupt nicht geholfen‘, kann man leicht überprüfen, ob den Verpflichtungen der Konvention nachgekommen wurde oder nicht“, erklärt der Beamte.

„ Die ADEM übernimmt nicht die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle.“ Fabio Scolastici

Neu ist auch die Datenbank ROME, mit der die Profile der Arbeitssuchenden mit jenen, die von den Unternehmen gesucht werden, verglichen werden. Das „Répertoire opérationel des métiers et des emplois“ ermittelt die Kompetenzen der jeweiligen Person für einen bestimmten Job und gibt in Prozent an, inwiefern sie dem Gesuchten entspricht. Noch sind nicht alle gemeldeten Stellen darin aufgenommen, doch spätestens Ende des Jahres soll es soweit sein. Dann wird man sehen, ob sich das neue Vermittlungsverfahren, das nach und nach eingeführt wird, bewährt.

Viele Arbeitssuchende kennen das: Der Berater händigt einige mehr oder weniger passende „Cartes d’assignation“ aus, die Bewerbungen werden verschickt – und nichts passiert. Keine Antwort, keine Absage und schon gar keine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das soll nun anders werden. Der „Service demandeurs d’emploi“ wählt mithilfe des ROME einen Kandidaten für eine Stelle aus, gibt diesem aber keine „Carte d’assignation“, sondern teilt dem neuen „Service employeurs“ seine Wahl mit. Dessen Mitarbeiter überprüfen, ob der Kandidat tatsächlich dem gesuchten Profil entspricht und kontaktieren daraufhin den Arbeitgeber. Zeigt sich dieser interessiert, bekommt der Kandidat eine „Carte d’assignation“ und er kann sein Bewerbung abschicken.

„Ein Arbeitssuchender erhält dadurch zwar weniger ‚Cartes d’assignation‘, doch wenn er eine bekommt, hat er praktisch eine Garantie, dass er zum Vorstellungsgespräch geladen wird“, erläutert Scolastici den Unterschied zur vorherigen Verfahrensweise. „Wir erkundigen uns nach einiger Zeit bei den Unternehmen, wie der Kontakt verlaufen ist. Erhält ein Kandidat keinen Arbeitsvertrag, dann möchten wir wissen warum. Liegt die Ursache zum Beispiel bei zu geringer Sachkenntnis, dann können wir darauf reagieren. Klassische Absagefloskeln wie ‚ne convient pas‘ akzeptieren wir nicht.“

Fabio Scolastici, Foto: Ute Metzger

Fabio Scolastici, Foto: Ute Metzger

Arbeitslosigkeit betrifft längst nicht mehr ausschließlich arbeitsscheue und inkompetente Menschen.

Doch die Unternehmen können nicht gezwungen werden, bestimmte Personen einzustellen. „Viele Arbeitnehmer schrecken zurück, wenn sie die Wörter ‚ADEM‘ oder ‚Reclassement‘ auch nur hören“, bedauert Scolastici. Als seien Arbeitssuchende oder Personen, die firmenfremde Arbeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht ausführen können, mit einem Stigma behaftet.  Wer über 40 ist, hat noch ein weiteres Handicap, denn ab diesem Alter gilt man praktisch als „Dinosaurier“. Oft ist es nicht die Berufserfahrung, die bei der Einstellung ausschlaggebend ist. Stattdessen locken staatliche Zuschüsse wie die „Aide au réemploi“ oder die Rückerstattung der Soziallasten. Fabio Scolastici kann diese Einstellung nicht nachvollziehen: „Wenn Menschen allein wegen ihres Alters nicht mehr auf den Arbeitsmarkt zurückfinden, geht für die Berufswelt viel Sachkenntnis verloren. Diese braucht man aber, wenn man jungen Jobeinsteigern etwas beibringen will.“

Arbeitslosigkeit betrifft nicht ausschließlich arbeitsscheue und inkompetente Menschen. Auch Akademiker, Manager und hochqualifiziertes Personal sehen sich einer zahlenmäßig großen Konkurrenz  gegenüber, die mit harten Bandagen kämpft. Und doch werden Arbeitssuchende noch immer mit Vorurteilen wie „zu faul“ oder „Sozialschmarotzer“ konfrontiert. Fabio Scolastici warnt jedoch davor, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen: „Früher wurde immer gesagt: ‚Wer seinen Job verliert, ist selber schuld‘. Das ist aber nicht mehr so. Heutzutage kann es jeden treffen, zu jeder Zeit.“

 

Raus aus der Arbeitslosigkeit

Die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle erfordert Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen. Wir präsentieren die Eckdaten rund  um die Arbeitslosigkeit und sagen Ihnen, wie Sie Hindernisse auf dem Weg zu einem neuen Job vermeiden. 

So schnell wie möglich beim Arbeitsamt einschreiben
Auch wenn man sich gern eine längere Auszeit gönnen möchte, um den Schock zu verdauen: Wer zu lange wartet, der lässt wertvolle Zeit verstreichen. Je eher Sie sich einschreiben, desto schneller können Sie von den Hilfsleistungen der ADEM profitieren.Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Profil
Beim ersten Besuch in Ihrer ADEM-Zweigstelle bekommen Sie ein Dossier, das Sie Zuhause ausfüllen. Nehmen Sie sich Zeit und seien Sie in Ihren Angaben zu ihrer Lebenssituation, Ihrer Laufbahn, Ihrer Ausbildung und Ihren Fähigkeiten so ausführlich wie möglich. Je detaillierter Ihr Profil, desto besser können Sie vermittelt werden.

Informieren Sie sich im Vorfeld
Lesen Sie sich vor dem ersten Termin bei Ihrem Berater durch die Internetseiten der ADEM. Planen Sie dafür ein bis zwei Stunden ein, denn die Informationen über Hilfsleistungen, Beschäftigungsmaßnahmen und Arbeitslosengeld sind recht umfangreich. Wenn Sie etwas nicht verstehen oder mehr erfahren wollen, machen Sie Notizen und erstellen eine Fragenliste, die Sie zu Ihrem Berater mitnehmen. Fragen Sie auch gezielt nach Beschäftigungsmaßnahmen, die für Sie in Frage kommen.

Lassen Sie sich helfen
Beim Termin mit Ihrem Berater werden Sie offiziell als Arbeitssuchender eingetragen und über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt. Sind Sie in einer Lage, die erschwert oder verhindert, dass Sie nicht sofort vermittelt werden können, beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen oder fehlender Kinderbetreuung, verweist Ihr Berater Sie an einen Mitarbeiter, der Ihnen hilft, Ihre Situation zu regeln. Je eher Hindernisse aus dem Weg geräumt sind, desto schneller sind Sie bereit für den Arbeitsmarkt. Ist Ihr Selbstwertgefühl schwer angeknackst sodass Gefahr besteht, dass Sie in eine Depression abrutschen, teilen Sie dies Ihrem ADEM-Berater mit. Er leitet Sie weiter an einen geschulten Mitarbeiter, der Ihnen helfen kann.

Seien Sie selbst aktiv
Stützen Sie sich nicht ausschließlich auf die ADEM. Studieren Sie die Stellenangebote in den Tageszeitungen und auf Internetseiten wie jobs.lu oder monster.lu. Machen Sie sich eine Liste der Unternehmen, die für Sie in Frage kommen und besuchen Sie deren Internetseiten. Viele haben eine Rubrik, in der freie Stellen angeboten werden, die nicht in den Medien veröffentlicht werden. Schreiben Sie spontane Kandidaturen an aufstrebende Unternehmen, auch wenn keine freien Stellen angegeben werden – Eigeninitiative kommt bei vielen Personalchefs gut an. Bitten Sie auch Ihr soziales Umfeld, Augen und Ohren offen zu halten und Sie auf Angebote aufmerksam zu machen.

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7 Zweigstellen hat die ADEM im ganzen Land. In der größten, in Luxemburg-Stadt, sind 39,8% der Arbeitsuchenden registriert, gefolgt von Esch/Alzette (19,9%), Differdingen (12,6%), Diekirch (10,6%), Düdelingen (6,8%), Wiltz (6,0%) und Wasserbillig (4,3%).

18.103 Personen waren Ende Juli 2014 als arbeitssuchend registriert.

4.953 Personen sind zur Zeit in einer Beschäftigungsmaßnahme angestellt und ohne festen Job. Diese werden zur Gesamtzahl nicht hinzugerechnet.

12.847 Einschreibungen gab es seit Januar 2014 bei der ADEM, davon 4.089 Neueinschreibungen.

32.000 Kontakte mit Arbeitssuchenden finden zusammengerechnet in allen sieben Zweigstellen monatlich statt.

7% aller freien Stellen in Luxemburg werden mithilfe der ADEM besetzt.

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Author: Georges Noesen

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