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Nochmal Kind sein

Der Bettemburger Märchenpark ist nicht nur ein Paradies für kleine Abenteurer und Prinzessinnen, sondern für alle, die für ein paar Stunden in eine andere Welt eintauchen möchten. (Fotos: Philippe Reuter)

PHR_1927Das junge Mara hat die Ruhe weg. Wie versteinert sitzt der Pampashase in der bereits heißen Frühlingssonne und kümmert sich keine Bohne um die Rufe der Kinder, die am Zaun stehen und unbedingt sehen wollen, wie schnell das Nagetier mit seinen langen Beinen laufen kann. „Et ass e Mierschwéngchen“, behauptet Melanie – und wird prompt ausgelacht. Dabei hat die Kleine durchaus Recht. Der aus Argentinien kommende „Dolichotis patagonum“ ist der größte Vertreter der Meerschweinchen und kann bis zu 16 Kilogramm schwer werden, „well et frësst e ganzen Dag“. Die Siebenjährige kennt sich aus. Weil sie in den Ferien fast jeden Tag mit ihrer Mutter in den Park kommt und weil sie ein sehr neugieriges Mädchen ist, das tausend Fragen stellt und keine Ruhe gibt, bis sie alles genau weiß.

Allerdings treibt Melanie sich nicht täglich in der Tierwelt von fünf Kontinenten herum, sondern möchte vor allem Spaß haben. Mal klettert sie auf das neue Piratenschiff und mimt Kapitän Jack Sparrow, mal tobt sie sich auf dem schlafenden Riesen aus oder liefert sich mit ihren Freundinnen ein Mini-Formel1-Rennen. Die Märchen kennt sie längst alle auswendig, und wenn sie ausnahmsweise niemanden zum Spielen hat, zieht sie sich in den Streichelzoo zurück und erzählt den Ziegen, was ihr auf dem Herzen liegt.

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Dass viele Familien den Park regelmäßig besuchen, bestätigt Marc Neu. Schließlich kostet ein Jahresabonnement lediglich 50 Euro. Trotzdem kommen die meisten Gäste, insgesamt 248.500 im vergangenen Jahr, aus Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Bevor die „Association des Parents d’Enfants mentalement handicapés“ (APEHM) die 25 Hektar große Anlage 1998 übernahm, war die Zukunft des Märchenparks nicht unbedingt gesichert. „Deemols gouf net genuch investéiert“, bedauert der „chargé de direction“. Die Besucherzahl sank auf 70.000, die Gehege wirkten zum Teil vernachlässigt, sogar Aschenputtel und Schneewittchen trauerten. Heute sieht alles ganz anders und die Zukunft wieder rosig aus. In den sonnigen Osterferien herrschte jedenfalls Hochbetrieb auf den Spielplätzen sowie im „Mahajanga“- und „Amazonia“-Haus, und falls der Sommer nicht verregnet wird, ist die 250.000-Besucher-Marke problemlos zu knacken.

Der Bettemburger Märchenpark ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Großregion.

Zurück zu den Tieren: Als Mitglied der „European Association of Zoos and Acquaria“ (EAZA) darf der Bettemburger Märchenpark nur Tiere annehmen, die von einem anderen Zoo und EAZA-Mitglied abgegeben werden – und umgekehrt. Zudem werden Tiere nicht ge- und verkauft, sondern vermittelt. Besondere Beachtung verdient zudem die soziale Komponente. So beschäftigt der Park das ganze Jahr über 75 Menschen mit Behinderung, die von 25 Betreuern unterstützt werden. In der Hauptsaison kommen noch einmal 25 Saisonkräfte hinzu. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass der „Parc merveilleux“, der im kommenden Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, erneut eines der beliebtesten Ausflugsziele der Großregion ist. Für Jung und Alt.

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„Ech kommen an e puer Joer och mat menge Kanner heihinn“, meint Melanie und streichelt das Geißlein. Sie scheint es ziemlich eilig zu haben mit dem Erwachsenwerden. Auf die Frage, welches ihr Lieblingstier ist, denkt sie lange nach. Die Polarwölfe seien es nicht, vor denen habe sie nämlich ein bisschen Angst. Die frechen Affen mit dem seltsamen Schnurrbart mag sie auch nicht. Aber dann: „D’Erdmännercher sinn et.“ Weil Erdmännchen so lustig sind, immer zu Späßchen aufgelegt sind und abends nie zu Bett gehen müssen. Wer ihr diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, keine Ahnung.

Der Park schließt um 18 Uhr. Welche Partys nach Sonnenuntergang dort gefeiert werden, ist nicht gewusst. Ein Zoo ist kein Museum. Wer den Unterhalt der Tiere unterstützen will, hat die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen. Der Preis liegt je nach Fressverhalten zwischen 30 und 300 Euro.

www.parc-merveilleux.lu

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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