Jahrelang hat Schlagzeuger, Songwriter und Musikproduzent Joël Heyard die Projekte anderer verwirklicht. Doch jetzt hat er endlich ein eigenes Album veröffentlicht. Ein Gespräch über Spiritualität und den Wunsch nach noch mehr Professionalität.
Herr Heyard, seit den 1990er Jahren mischen Sie mit diversen Bands und Projekten die Musikbranche auf, mit der Veröffentlichung eines eigenen Albums haben Sie sich indes sehr viel Zeit gelassen. Warum eigentlich?
Weil bislang nie der richtige Zeitpunkt war. Als junger Drummer bin ich fast jedes Wochenende mit der Coverband Baby Chams aufgetreten und hatte einfach keine Zeit, mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Erst als ich mir mit 18 Jahren eine Sehnenentzündung in beiden Armen zuzog und ein ganzes Jahr lang kein Schlagzeug spielen durfte, setzte ich mich ans Klavier und schrieb ein paar Songs.
Wovon einer sogleich ein Mega-Hit wurde…
Richtig. „Firwat?“ wurde damals von den Radiosendern rauf und runter gespielt. André Depienne hatte mich gebeten, zu einem Text von seinem Sohn Daniel über Alkohol am Steuer die passende Musik zu schreiben. Die Luxemburger Sécurité routière hat den viersprachigen Rap für ihre damalige Kampagne verwendet. Wir verkauften rund 6.000 CDs. Es war ein grandioser Erfolg. Seitdem komponiere ich regelmäßig.
Meist für andere Interpreten, nicht jedoch für Sie selbst. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Es hat mir immer Spaß gemacht, mit anderen zusammenzuarbeiten. Wer mich kennt, kennt nämlich auch meinen Ehrgeiz. Ich will als Produzent so professionell wie nur möglich arbeiten. Was heißt, dass ich unglaublich viel Zeit im Studio verbrachte und nach wie vor verbringe. Zwischendurch ein eigenes Projekt in die Wege zu leiten, hätte bis jetzt nicht wirklich Sinn gemacht.
‘Introspection’ ist kein Drummer-Album, sondern ein Pop-Album, das mit seinem elektronischen Sound Emotionen auslösen soll.
Und was hat sich jetzt für Sie geändert?
Ich habe mir selbst genug Freiraum verschafft. Was zwar nicht die einfachste Sache der Welt gewesen ist, denn ich habe schließlich einen Lehrerjob in der Düdelinger Musikschule und eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Aber ich bin auch ein Mensch, der hin und wieder seine Ruhe braucht und sich gern zurückzieht. Ich habe mich in den letzten Jahren verstärkt mit mir selbst und dem Thema Spiritualität beschäftigt. Ich mache Yoga und höre auf meine innere Stimme. Das alles hat dazu geführt, dass der extrovertierte Joël Heyard etwas introvertierter geworden ist (lacht).
Trägt das Album daher den Titel „Introspection“?
Genau. Es ist ein sehr persönliches Album. Ich habe fünf Monate intensiv daran gearbeitet. Dabei sind 85 Prozent der Musik, die ich anfangs im Kopf hatte, später im Mülleimer gelandet. „Introspection“ ist kein Drummer-Album, mit dem ich meinem Ego schmeicheln möchte, sondern ein Pop-Album, das Emotionen auslösen soll. Für mich sind Emotionen das Wichtigste. Wenn ich merke, dass ein bestimmter Sound bestimmte Gefühle oder eine bestimmte Stimmung bewirkt, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Und was die Künstler betrifft, sind Sie sich ebenfalls sicher, eine gute Wahl getroffen zu haben?
Absolut. Vier Lieder werden von der in Deutschland lebenden Rumänin Jeannette Dalia Curta gesungen, die bei der Castingshow „The Voice“ mitgemacht hat. Ein anderes habe ich mit dem französischen Sänger Vinylic aufgenommen, eines mit dem Luxemburger Ben Nilles und dann noch eins mit dem US-Amerikaner Matt Bednarky, den ich auf Youtube entdeckt und angeschrieben habe. Zufällig war er im vergangenen Jahr in Europa und hat Zeit gehabt, einzusingen. Am Bass spielt Emmanuel Tescke, an der Gitarre Remo Cavallini, ein sehr guter alter Freund.

Und was müsste in diesem Zusammenhang getan werden?






