Home » Wissen » Familie » Papa, du bist voll peinlich!

Papa, du bist voll peinlich!

Wenn die Kinder in die Pubertät kommen, fliegen in vielen Familien oft die Fetzen. Und Eltern geraten schnell an ihre nervlichen Grenzen. revue gibt Tipps, wie Mütter und Väter die kritische Phase gut überstehen können. Fotos: K.-P. Adler/Fotolia, flairimages/Fotolia, Joseph Helfenberger/Fotolia, Gone Wild, revue-Archiv

Pubertät – was ist das?

Pubertät bedeutet Geschlechtsreife. Hormonell gesteuert beginnen im Alter von elf, zwölf Jahren bei Mädchen die Eierstöcke, und bei den Jungen die Hoden, Geschlechtshormone herzustellen und diese ins Blut auszuschütten. Es kommt zu einer Umwandlung des Körpers, bei der die sekundären Geschlechtsmerkmale ausgebildet werden: So setzt bei den Mädchen die erste Regelblutung ein, sie bekommen Brüste, breitere Hüften und Schamhaare. Auch bei den Jungen tut sich etwas: die Spermienproduktion beginnt, die Scham- und Barthaare sprießen, Rücken und Brust werden breiter und die Stimme wird tiefer. Viele machen auch regelrechte Wachstumsschübe durch. Das jugendliche Gehirn wird durch einen komplexen Prozess in dieser Zeit fit gemacht für eigene Ideen. Der Umbau im Gehirn hinterlässt auch Spuren in der Gefühlswelt: Mit Stimmungsschwankungen, Launenhaftigkeit und dem ersten Liebeskummer durchleben die meisten Jugendlichen ein Wechselbad der Gefühle. Außerdem erwacht das sexuelle Interesse. Alle Zeichen stehen auf Autonomie und Ablösung von den Eltern.

Immer im Gespräch bleiben

Fotolia_69351611_XLAuch wenn Ihr Kind gerade in dieser Zeit seine Sorgen und Ängste lieber mit seinen Freunden teilt, sollten Sie Ihrem Nachwuchs immer wieder ihre Gesprächsbereitschaft anbieten – auch was die Themen Liebe, Verhütung und Drogen betrifft. Fragen Sie Ihr Kind nicht ständig aus und gestehen Sie ihm eine Privatsphäre zu. Gemeinsame Mahlzeiten sollten auch nicht dazu genutzt werden, Grundsatzdebatten zu führen. Sprechen Sie lieber locker über eigene Probleme, Erlebnisse, Gedanken oder Gefühle. Wenn sich ein Teenager ständig bevormundet fühlt, kommt es schnell zur Eskalation. Je mehr Sie sich gegenüber dem Kind öffnen, umso mehr ist es ebenfalls dazu bereit. Kommt es dennoch zu einem Krach mitten im Gespräch, bei dem Sie respektlos beleidigt werden, sollten Sie die Notbremse ziehen und das Gespräch beenden. Machen Sie Ihrem Kind klar, wie tief sie durch das Verhalten verletzt wurden. Achtung: Auch wenn Sie wütend sind, lassen Sie sich nicht zu unbedachten, verletzenden Äußerungen hinreißen. Denken Sie lieber an die Großbaustelle im Gehirn ihres Sprösslings.

Sie sollten die Gemütslage Ihres Kindes stets ohne zu werten widerspiegeln.

Klare Regeln aufstellen

Stellen Sie zu Hause bestimmte Regeln auf und erwarten Sie von Ihrem Nachwuchs, dass er sich daran hält. Auch wenn das bis zu einem bestimmten Grad wirkungslos erscheint. Teenager brauchen Reibepunkte, um sich orientieren zu können. Auch wenn sie noch so heftig dagegen ankämpfen. Sie sollten sich nie auf den verständnisvoll erscheinenden Standpunkt stellen und Sätze wie „Du lässt dir ja sowieso nichts mehr sagen, dann lasse ich es bleiben!“ gegenüber Ihrem Nachwuchs äußern. Denken Sie daran, im Vorfeld Konsequenzen für eventuelle Regelverstöße festzulegen und setzen Sie diese auf jeden Fall durch. Fordern Sie vom Ihrem Kind nicht nur Respekt, erweisen Sie ihm diesen auch. Gerade in der Pubertät leiden viele Teenies unter einem mangelnden Selbstwertgefühl. Das elterliche „Heruntermachen“ ist Gift für pubertierende Seelen.

Wichtiges von Unwichtigem trennen

Aufforderungen_wahrnehmenUm den regelmäßigen Schulbesuch und andere wichtige Dinge lohnt es sich zu kämpfen. Eltern sollten aber ihre Energie nicht auf Nebenschauplätzen vergeuden. Nerviges Murren, Stöhnen oder ständiges Augenrollen sollten sie Ihrem Kind nicht versuchen auszutreiben. Diese Machtkämpfe um Belanglosigkeiten enden meist im Streit und bringen nichts.

Ganz normales Chaos

Fotolia_1106456_LSie sollten sich angewöhnen, vor Betreten des Jugendzimmers stets anzuklopfen. Oft herrscht in vielen Teenager-Zimmern eine Unordnung, die viele Mütter und Väter zur Weißglut treibt. Herumgenörgel können Sie sich jedoch sparen. Diese Reaktion führt zu nichts – außer zu Frust auf beiden Seiten. Viele Jugendliche haben in dieser Phase nämlich ein anderes Ordnungsgefühl. Tipp: Überlassen Sie die Reinigung des Zimmer ab jetzt Ihrem Sprössling und widerstehen Sie der Versuchung, ständig hinterherzuräumen. Bieten Sie ab und zu eine gemeinsame „Entrümplungsaktion“ an und seien Sie auch in Sachen Ordnung ein Vorbild. Regelmäßige Müllentsorgung sollte Ihr Kind ab jetzt auch selbst erledigen.

Zeit anbieten

uhrMachen Sie Ihrem Kind immer wieder das Angebot, gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen. Seien Sie jedoch nicht gekränkt, wenn ihr Nachwuchs das Angebot nicht annimmt. Das ist ein normaler Ablöseprozess. Sie sollten die Gemütslage Ihres Kindes stets ohne zu werten widerspiegeln („Ich habe das Gefühl, dass Du dich über etwas ziemlich aufregst!“).

Liebe und Vertrauen schenken

PubertaetViele Mütter und Väter haben Probleme, plötzlich ihre Kontrollfunktion und Bevormundung einzuschränken und eine gute Balance zwischen Interesse und Überwachung ihres Sprösslings zu finden. Eltern sollten sich bewusst sein, dass die Kuschelzeit mit der Pubertät meist endgültig vorbei ist. Dennoch ist körperliche Nähe für viele Teenager immer noch wichtig, so dass sie auch hin und wieder eine Umarmung oder einen Begrüßungskuss zulassen. Eltern sollten nicht beleidigt sein, sondern die wenigen innigen Momente genießen. Geben Sie Ihrem Kind auch zu verstehen, dass Sie es trotz seiner Launen lieben. Sie sollten Ihrem Nachwuchs Vertrauen schenken und darauf bauen, dass Sie Ihrem Kind ausreichend Regeln und Werte mit auf den Weg gegeben haben, damit es sich zurechtfindet.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?